Podiumsdiskussion in der Univ. Zürich am 10. Dez. 2025 zwischen Dr. Aref Hajjaj und Rabbiner Macner
Die VHS Zürich organisierte am 20. Dezember 2025 eine Podiumsdiskussion zwischen Hajjaj und Macner über die Elemente des ewigen Konflikts und die Lösungsansätze. Die Veranstaltung war moderat konzipiert und sehr gut besucht. Einig waren beide Referenten hinsichtlich der Notwendigkeit der Räumung jüdischer Siedler auf palästinensischem Territorium, da sonst die Staatlichkeitsfrage für die Palästinenser blockiert bleibe.
Podiumsdiskussion in Frankfurt
„Der ausweglose Konflikt Israel-Palästina“
Am 22. Oktober 2025 fand im Haus am Dom in Frankfurt eine Podiumsdiskussion zum Thema „Der ausweglose Konflikt Israel-Palästina“ statt. Veranstalter war u.a. die Frankfurter Rundschau. Teilnehmer: Frau Baumgarten-Ochse und Aref Hajjaj. Meron Mendel konnte wegen Erkrankung nicht daran teilnehmen. Hier der Link:
Vorträge Dr. Aref Hajjaj in der Schweiz 2025
In zwei Vorträgen über die kriegsverbrecherische Eskalation in Gaza und der Westbank durch Israel erläuterte Aref Hajjaj einmal vor dem DEUTSCHEN CLUB TICINO in Lugano am 19. August und zum anderen am 24. August in der Evangelischen Kirche Ascona die Gefahren des Krieges und die Optionen zur Beendigung des Konflikts. Dort favorisierte er das Konzept des gemeinsamen Staates, in dem beide Volksgruppen die gleichen Rechte und Pflichten besitzen sollten. Sollte es zur Zweistaatenlösung kommen, müsste Israel, so Hajjaj, die jüdischen Siedlungen räumen, die allesamt völkerrechtswidrig sind. [s. den Hinweis auf den Vortrag von Ascona unten!]
Am 10. Dezember nimmt Aref Hajjaj in der Volkshochschule Zürich gemeinsam mit einem Rabbiner an einer Podiumsdiskussion über den Konflikt teil. Nähere Infos dazu folgen im Monat November oder vorher.
Vortrag von Aref Hajjaj in Bonn am 10. Juni
Palästina-Israel: Gibt es trotz der desaströsen Gegenwart eine friedliche Zukunft?
10. Juni 2025, 19:00 - 20:30
Im Haus der Ev. Kirche Bonn
Kann die obsessive Gewalt in Gaza, der Westbank und Israel dennoch eine Chance dafür bieten, diesen ewigen Konflikt bald umfassend und gerecht beizulegen? Israel und Hamas scheinen an einer friedlichen Lösung kaum interessiert zu sein. Aber die palästinensische Bevölkerung erleidet weiterhin Hunger, Angst und Hoffnungslosigkeit. Israel erreicht trotz kriegerischer Siege weder Frieden noch Sicherheit. Daher müssen beide Seiten nachhaltig nach friedlichen Perspektiven suchen (Zweistaaten-, Einstaatenlösung)
Referent Dr. Aref Hajjai* – Autor:in von Heimatlos mit drei Heimaten
Offizieller Flyer zur Veranstaltung
*Über den/ die Autor:in >>
Dr. Aref Hajjaj wurde im Februar 1943 in Jaffa/Palästina geboren. Nach der Vertreibung 1948 wuchs er in Beirut und Kuwait auf. Er studierte in Heidelberg Politikwissenschaft, Geschichte und Völkerrecht. Nach der Promotion arbeitete er im Deutschen AA als Übersetzer und Dozent für Arabistik und interkulturelle Kommunikation. Er ist Publizist und Vorsitzender des Palästina-Forums. 2010 erschien sein Buch „Angekommen in Deutschland – Der Preis der Integration“ im LIT-Verlag. Anfang 2017 erschien sein zweites Buch „Land ohne Hoffnung?“ im Schöningh-Verlag. Das Buch wurde u.a. in der FAZ und in der Rheinischen Post rezensiert. WDR 5 machte eine Sendung darüber. Er ist häufiger Interview-Gast u.a. bei deutschsprachigen und arabischen Sendern. Hajjaj ist mit einer Schweizerin verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und lebt in Bonn.
Quelle: Verlag / vlb
Bildausschnitt: Flyer
Lesung in Chemnitz
Herzlich willkommen!
Museumscafé
im smac
5. Juni 2025 | 18:15 Uhr
Lesung: Aref Hajjaj
Heimatlos mit drei Heimaten — 17 Prosatexte um die Themen Mentalität und Identität, Rassismus und Vorurteile
Aref Hajjaj, gebürtiger Palästinenser, besitzt die deutsche und schweizerische Staatsbürgerschaft und trägt diese drei Heimaten in sich. Er geht der Frage nach, was die Identität eines Menschen ausmacht und welche Rolle kulturelle, ethnische und nationale Faktoren, aber auch geografische Gegebenheiten und politische Entscheidungen spielen.
Für diese Erkundungen hat der Autor ein Genre gewählt, das zwischen Essay und Erzählung changiert. Nader fungiert als Hauptfigur und gehört, wie der Autor selbst sowie die anderen Protagonisten, zu den Menschen, die in unterschiedlichen Kulturen zu Hause sind und oft mit ihrer Identität hadern.
Ein informativer und inspirierender Beitrag zur Auseinandersetzung mit der Politik, der Kultur und den Religionen Europas und Vorderasiens.
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Vortrag von Aref Hajjaj in Ascona am 25. August 2024
über die Eskalation in Palästina und die Implikationen
Amicizia ebraico-cristiana in Svizzera gruppo Locarno-Ascona Christlich-jüdische Arbeitsgemeinschaft Locarno-Ascona Domenica/Sonntag, 25. August 2024, 17.00 Uhr - Centro evangelico Ascona, Viale Monte Verità 80 - Dr. Aref Hajjaj, Bonn: „Blutige Eskalation in Israel - Palästina – Gibt es dennoch konkrete Zukunftsaussichten?“ Kann die aktuelle Eskalation in Gaza und Israel, so obsessiv und gewalttätig sie ist, dennoch endlich eine Chance dafür bieten, diesen ewigen Konflikt bald umfassend und gerecht beizulegen? Die bisherigen zaghaft-interimistischen Formen des Konfliktmanagements führten nur zu mehr Verhärtung, Hass und Rachsucht. Israel und Hamas scheinen an einer friedlichen Lösung kaum interessiert zu sein. Für die im globalen Norden, insbesondere in den USA und Deutschland stark agierende Israel Lobby ist der Krieg allerdings nur ein taktischer Erfolg. Israel hat am Ende jeder neuen kriegerischen Auseinandersetzung zwar immer militärisch gesiegt, doch waren diese Siege mit dem Makel behaftet, dem Land weder Frieden noch Sicherheit gebracht zu haben. Es gilt nun, nach friedlichen Perspektiven zu suchen (Zweistaaten-, Einstaatenlösung). Dr. Aref Hajjaj wurde im Februar 1943 in Jaffa/Palästina geboren. Nach der Vertreibung 1948 wuchs er in Beirut und Kuwait auf. Er studierte in Heidelberg Politikwissenschaft, Geschichte und Völkerrecht. Nach der Promotion arbeitete er im Deutschen Auswärtigen Amt als Übersetzer und Dozent für Arabistik und interkulturelle Kommunikation. Er ist Vorsitzender des Palästina Forums Bonn. Er ist häufiger Interviewgast deutscher, österreichischer und arabischer TV- und Radiosender zu innerarabischen und euro-arabischen Themen. L’entrata libera – colletta. Ascona agosto 2022 Cari soci, care amiche, cari amici della AEC Locarno-Ascona, Sono lieta di inviarvi l'invito al nostro prossimo evento. L'argomento è di grande attualità. È positivo che il dottor Aref Hajjaj discuta con noi (in tedesco), proprio come farà Claudio Vercelli il 22 settembre. Egli è storico contemporaneista, docente a contratto all'Università Cattolica di Milano e svolge attività di ricerca nel campo della storia contemporanea presso l'Istituto di studi storici Salvemini di Torino, LA sua conferenza sarà in italiano. Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde der CJA Locarno-Ascona Gerne lade ich Sie zu unserer ersten Veranstaltung nach der Sommerpause ein. Dr. Aref Hajjaj ist uns kein Unbekannter. Verschiedentlich hat er bereits bei uns referiert - und was er zu sagen hatte, war immer höchste aktuell. Das wird im Blick auf seinen nächsten Vortrag sicherlich in ganz besonderer Weise gelten (Vortrag in deutscher Sprache). Im September dann wird uns das Thema Palästina - Israel erneut beschäftigen. Prof. Dr. Claudio Vercelli mit uns aus seiner Sicht über die brennenden Fragen nachdenken (in it. Sprache). Ich grüsse Sie - auch im Namen des Vorstandes der CJA Locarno-Ascona - herzlich. Dorothea Wiehmann Giezendanner 6612 Ascona – [email protected] - Tel. 091 791 38 56 Prossima manifestazione/nächste Veranstaltung: DOMENICA, 22 settembre, 17.00: Prof. Dr. Claudio Vercelli: Israele - Palestina
Phoenix-Runde mit Aref Hajjaj im Mai 2024 zum Gazakrieg Israels
Phoenix-Runde von 8. Mai zu Gazakrieg und Palästinafrage: zwischen EU-Irrelevanz und US-Einseitigkit:
https://www.youtube.com/live/l5FGgtbM1p8?si=zAKOaTpTkp6C7REo
Podiumsdiskussion in der Europäischen Akademie Berlins am 18. April 2024 über die Lage in Gaza und Palästina
Teilnehmer: Aref Hajjaj, ehemaliger israelischer Botschafter Shimon Stein (u.a.). Moderator: Thomas Nehls, ehemaliger ARD-Korrespondent.
Europ. Akademie Berlin Grunewald, 18.4.2024
Vortrag in Mannheim/Aref Hajjaj
Vortrag: Dr. Aref Hajjaj Mittwoch 27. März 19:30 Uhr Abendakademie Mannheim :
Blutige Eskalation in Israel - Palästina Gibt es dennoch konkrete Zukunftsaussichten? Kann die aktuelle Eskalation, so rekordverdächtig obsessiv und blutig sie ist, dennoch endlich eine Chance dafür bieten, diesen ewigen Konflikt zumindest mittelfristig umfassend und gerecht beizulegen? Die bisherigen Formen des Konfliktmanagements führten nur zu mehr Verhärtung, Hass und Rachsucht. Für die in den USA und Deutschland stark agierende Israel-Lobby war der eingefrorene Konflikt vorübergehend ein taktischer Erfolg. Israel hat am Ende jeder neuen kriegerischen Auseinandersetzung zwar immer militärisch gesiegt, doch waren diese Siege mit dem Makel behaftet, dem Land weder Frieden noch Sicherheit gebracht zu haben. Es gilt nun, nach friedlichen Perspektiven zu suchen. Dr. Aref Hajjaj wurde im Februar 1943 in Jaffa/Palästina geboren. Nach der Vertreibung 1948 wuchs er in Beirut und Kuwait auf. Er studierte in Heidelberg Politikwissenschaft, Geschichte und Völkerrecht. Nach der Promotion arbeitete er im Deutschen Außenministerium als Übersetzer und Dozent für Arabistik und interkulturelle Kommunikation. Er ist Publizist und Vorsitzender des Palästina-Forums Bonn.
Neue Vorträge des Palästina-Forums
Am 28. Februar hielt Aref Hajjaj in Grafing/bei München vor der Evangelischen Gemeinde einen Vortrag über die Eskalation im israelischen Krieg gegen Gaza. Zahl der Anwesenden : ca.100 Teilnehmer.
Vorträge von Dr. Aref Hajjaj in Bonn im März/April/Juni 2024 über die Eskalation infolge des Kriegs von Israel in Gaza und die Perspektiven
- Vortrag Lesegesellschaft, Haus der Ev. Kirche Bonn, Adenauerallee 37 · 53113 Bonn
DO 21. März um 18 Uhr (Mitveranstalter Herr Bernd Hoffmann).
- Evangelische Kirchengemeinde Beuel, 53227 Bonn, Dietrich-Bonhoeffer-Str. 8, am Dienstag, den 9. April um 19 Uhr halten (Veranstalterin: Pfarrerin Frau Ute Herden).
- Internationaler Club La Redoute, Redoute, Bad Godesberg, Veranstalter Botschafter a.D. C. Schlaga am 23. April mit Mittagessen. Anmeldung erforderlich bei: [email protected])
- Ev. Gemeinde, Beuel, Veranstalterin: Pfarrerin Frau Bettina Gummel am 18. Junium 10 Uhr, Am Weidenbach 21, 53229 Bonn-Beuel.
Exposé zum Vortrag
Kann die aktuelle Eskalation, so rekordverdächtig obsessiv und blutig sie ist, dennoch endlich eine Chance dafür bieten, diesen ewigen Konflikt zumindest mittelfristig umfassend und gerecht beilegen? Die bisherigen autistisch-interimistischen Formen des Konfliktmanagements führten nur zu mehr Verhärtung, Hass und Rachsucht. Für die im globalen Norden, insbesondere in den USA und Deutschland stark agierende Israel-Lobby war der eingefrorene Konflikt allerdings nur ein taktischer Erfolg. Israel hat am Ende jeder neuen kriegerischen Auseinandersetzung zwar immer militärisch gesiegt, doch waren diese Siege mit dem Makel behaftet, dem Land weder Frieden noch Sicherheit gebracht zu haben. Es gilt nun, nach friedlichen Perspektiven zu suchen.
Vortrag von Aref Hajjaj am 30.9.2023 in Koblenz
Palästina gestern – heute Und morgen? 30. September 2023 Bürgerzentrum Lützel, Brenderweg 17 -21, 56070 Koblenz 16:00 Uhr Eröffnung der Ausstellung: Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948 18:00 Uhr Vortrag: Palästina – aktuell Referent: Dr. Aref Hajjaj anschließend Diskussion/Fragen Die Türen öffnen bereits um 14:00 Uhr mit Fotoprojektionen: Landschaft, Kunst und Kultur Palästinas Wir freuen uns auf Ihr Kommen. Für das leibliche Wohl mit einem kleinen Imbiss ist gesorgt. Dr. Aref Hajjaj referiert zum Thema „Stand der Palästinafrage im Zeichen des starken Rechtsrucks in Israel.“ Hajjaj wurde im Februar 1943 in Jaffa/Palästina geboren. Nach der Vertreibung 1948 wuchs er in Beirut und Kuwait auf. Er studierte in Heidelberg Politikwissenschaft, Geschichte und Völkerrecht. Nach der Promotion arbeitete er im Deutschen Auswärtigen Amt als Übersetzer und Dozent für Arabistik und interkulturelle Kommunikation. Er ist Publizist und Vorsitzender des PalästinaForums. Er veröffentlichte mehrere Bücher, u. a. „Land ohne Hoffnung? – Arabischer Nationalismus, politischer Islam und die Zukunft Palästinas“. Er ist häufiger Interview-Gast deutscher, österreichischer und arabischer TV- und Radiosender. Palästinensische Gemeinde in Koblenz und Umgebung e. V. Postfach 160 121 56043 Koblenz Ein Beitrag im Rahmen der Interkulturellen Woche in Koblenz -
Vortrag von Dr. Aref Hajjaj in Bonn
am 4. November über Israels Palästinenser
DIE NICHT-JÜDISCHE BEVÖLKERUNG IM STAAT ISRAEL
„Einzige Demokratie“ oder doch Apartheid?
Vortrags- und Gesprächsabend mit Dr. Aref Hajjaj
am Freitag 4. Nov. um 19 Uhr im MCG
(Gemeindehaus neben der Johanneskirche, Zanderstr. 51)
Im ausdrücklich als Judenstaat deklarierten Staat Israel, der sich selbst die einzige Demokratie im Nahen Osten nennt, leben über 22 % Nicht-Juden (muslimische, christliche, drusische, beduinische…Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft). Wie leben diese in einem Staat, der sich sehr schwer tut im Umgang mit ethnischen und religiösen Minderheiten? Gibt es für sie eine Perspektive oder bleibt fast jeder 4. Bewohner des Staates Israel diskriminiert?
Unser Referent, Dr. Aref Hajjaj, ist gebürtiger Palästinenser, aufgewachsen in Beirut und Kuweit und hat studiert und promoviert in Heidelberg. Er hat jahrzehntelang als Dozent im Auswärtigen Amt unsere Diplomaten für den gesamten Arabisch sprechenden Raum auf ihre Tätigkeit in diesem diffizilen Gebiet vorbereitet und als Chefdolmetscher unsere Politiker in den Nahen und Mittleren Osten begleitet.
Herzliche Einladung zu diesem Vortrags- und Gesprächsabend des Arbeitskreises Palästina-Israel unserer Gemeinde!
Hans-Georg Kercher, Prädikant, und Ernst Jochum, Pfr. i.R.
Lesung von Aref Hajjaj am 5.11.2022 in Bonn
Heimatlos mit drei Heimaten Aref Hajjaj Das Buch „Heimatlos mit drei Heimaten“ vereinigt 17 Texte, die die Themen Mentalität und Identität, Rassismus und Vorurteile behandeln und geht der Frage nach, welche Rol‐ le kulturelle, ethnische, nationale Faktoren, aber auch poli‐ tische Entscheidungen spielen. Dadurch gewährt er einen authentischen Einblick in die Welt der Menschen seiner drei Heimaten: Palästina, Deutschland und die Schweiz. Für diese Erkundungen hat der Autor ein Genre gewählt, das zwischen Essay und Erzählung changiert. Nader fungiert als Hauptfigur und gehört, wie der Autor und andere Prot‐ agonisten, zu den Menschen, die in unterschiedlichen Kul‐ turen zu Hause sind und oft mit ihrer Identität hadern. Die‐ ses Buch leistet einen informativen Beitrag zur Auseinan‐ dersetzung mit Politik, Kultur und Religion. Dr. Aref Hajjaj wurde im Februar 1943 in Jaffa/Palästina ge‐ boren. Er studierte in Heidelberg Politikwissenschaft. Da‐ nach arbeitete er im deutschen Auswärtigen Amt als Über‐ setzer und Dozent. 2010 erschien sein Buch „Angekommen in Deutschland“, 2017 „Land ohne Hoffnung?“ und 2021 „Heimatlos mit drei Heimaten
Einladung zur Autorenlesung mit Aref Hajjaj in Berlin
7. Juli 18:30 Uhr
Liebe Mitglieder des Internationalen Clubs im Auswärtigen Amt,
liebe Gäste,
wir möchten Sie in diesem Jahr gerne wieder zu einem Autorenabend einladen.
Auf dem Podium stellen ihre Bücher vor:
Botschafter a.D. Dr. Gerd Westdickenberg, „Diego von Bergen – Diener dreier Herren“ und
Dr. Aref Hajjaj, „Heimatlos mit drei Heimaten“
Die Autoren treten nach ihrer Präsentation in den Dialog mit dem Publikum.
Es wird anschließend einen Büchertisch geben und die Möglichkeit zu weiteren Gesprächen bei Häppchen und einem Glas Wein.
Näheres dazu in der beigefügten Einladung.
Wir freuen uns auf einen schönen Abend mit Ihnen,
mit besten Grüßen,
Tönjes Reyels
Manager
INTERNATIONALER CLUB
IM AUSWÄRTIGEN AMT E.V.
Tel.: 030/5000 2960
Mobil: 0157/83048364
Home: www.icaa.de
Postadresse und Clubeingang
Kurstraße 36
10117 Berlin
Lesungstermine Aref Hajjaj März/April 2022
Lesungstermine März/April 2022: Aref Hajjaj liest aus seinem Buch „Heimatlos mit drei Heimaten“
Prosatexte über das Anderssein von Aref Hajjaj
„Heimatlos mit drei Heimaten“ vereinigt 17 Texte, die um die Themen Mentalität und Identität, Rassismus und Vorurteile kreisen.
Aref Hajjaj, gebürtiger Palästinenser, besitzt die deutsche und schweizerische Staatsbürgerschaft und trägt diese drei Heimaten in sich. Er geht der Frage nach, was die Identität eines Menschen ausmacht und welche Rolle kulturelle, ethnische und nationale Faktoren, aber auch geografische Gegebenheiten und politische Entscheidungen spielen. Dadurch gewährt er dem Leser einen einzigartigen Einblick in die Welt der Menschen seiner drei Heimaten.
I. Termine in Bonn
1) Mittwoch, 9. 3. um 15.30 am Venusberg
Evangelische Auferstehungskirchengemeinde
Frau Heike Jakob-Bartels
Haager Weg 69 a
53127 Bonn
2) Sonntag, 20.03.2022, 16.00 Uhr Friedrich -Spee-Akademie, Bonn, Poppelsdorfer Allee 108, , 53115 Bonn
Lesung plus Gesang und Musik
Anmeldung erforderlich
3) 16. März 2022, 18.45 Uhr. Veranstalter : GIK (Gesellschaft f. Int. Kultur)
im großen Raum vom Restaurant "Haus am Rhein" , Bonn-Beuel,
Elsa-Brändström-Straße 74, 53227 Bonn
II. Termin Zürich
Samstag, 12. März, 19.30 Uhr,
Kulturhaus Helferei
Kirchgasse 13, 8001 Zürich
T +41 44 250 66 16
III. Termin München
Donnerstag, 7. April 2022 um 19 Uhr
07.04.2022
EineWeltHaus München, Kleiner Saal 211/212
Schwanthalerstraße 80, 80336 München
Vorträge Aref Hajjaj in Ascona im Oktober
Amicizia ebraico-cristiana in Svizzera gruppo Locarno-Ascona Christlich-jüdische Arbeitsgemeinschaft Locarno-Ascona
Domenica/Sonntag, 3. Oktober 2021, 17.00 Uhr
- Centro evangelico Ascona, Viale Monte Verità 80
Dr. Aref Hajjaj, Bonn: Die Lage der israelischen Araber
Anders als die jüdischen Israelis, die den freiheitlich-liberalen Charakter und die sozialen Errungenschaften Israels genießen, fühlen sich die „israelischen Araber“ ob Muslime oder Christen von Staat und Gesellschaft ausgegrenzt. Spürbar ist ihre Benachteiligung in den Sektoren Bildung, Arbeitsmarkt und Infrastruktur. Die israelische Führung blendet außerdem das Konfiszieren des Eigentums israelischer Araber aus. Im Berufsleben geht die Benachteiligung darauf zurück, dass die Karriereplanung und die Ausbildung in Israel meist über den Militärdienst erworben werden, von dem die arabische Minderheit in Israel ausgenommen ist.
Ein wesentliches Manko der israelischen Demokratie liegt in der faktischen Diskriminierung der „israelischen Araber“, die etwa 22 % der Gesamtbevölkerung Israels ausmachen. Eine lebendige Demokratie muss auch und gerade für ethnische und religiöse Minderheiten gelten, andernfalls verkümmert sie zu einer Art Apartheid.
Dr. Aref Hajjaj wurde im Februar 1943 in Jaffa/Palästina geboren. Nach der Vertreibung 1948 wuchs er in Beirut und Kuwait auf. Er studierte in Heidelberg Politikwissenschaft, Geschichte und Völkerrecht. Nach der Promotion arbeitete er im Deutschen Auswärtigen Amt als Übersetzer und Dozent für Arabistik und interkulturelle Kommunikation. Er ist Vorsitzender des Palästina-Forums Bonn. Er ist häufiger Interviewgast deutscher, österreichischer und arabischer TV- und Radiosender zu innerarabischen und euro-arabischen Themen. 2010 erschien sein Buch
„ Angekommen in Deutschland - Der Preis der Integration“, 2017 „ Land ohne Hoffnung?-Arabischer Nationalismus, politischer Islam und die Zukunft Palästinas“ und im September 2021
„Heimatlos - mit drei Heimaten“ (Palästina, Deutschland, Schweiz).
Dieses Buch wird Dr. Aref Hajjaj am
Montag, 4. Oktober um 18.00 im Centro evangelico Ascona in einer Lesung vorstellen. Auch dazu herzliche Einladung!
L’entrata libera – colletta
Ascona im Oktober 2021
Cari soci, care amiche, cari amici della AEC Locarno-Ascona,
Con piacere vi trasmetto l’invito alle nostre prossime manifestazioni (in lingua tedesca). Liebe Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde der CJA Locarno-Ascona
Gerne schicke ich Ihnen die Einladung zu unseren nächsten Veranstaltungen (in deutscher Sprache). Dass wir Dr. Hajjaj erneut für einen Anlass gewinnen konnten, freut uns sehr, dass er uns am Montag, dem 4. Oktober, sein neuestes Buch vorstellen wird, erst recht. Wir hoffen am Sonntag und am Montag auf eine grosse Zuhörerschar. Laden Sie doch bitte auch in Ihrem Freundes-und Bekanntenkreis zu dieser Veranstaltungen ein. Ich grüsse Sie im Namen des Vorstandes der CJA Locarno-Ascona herzlich.
Dorothea Wiehmann Giezendanner 6612 Ascona – [email protected] - Tel. 091 791 38 56
Prossime manifestazioni/nächste Veranstaltungen:
SONNTAG, 17. Oktober 2019, 17.00 Centro evangelico Ascona
Lukas Hartmann liest aus seinem Buch „Der Sänger“ - die Schweiz und die Flüchtlingspolitik in nationalsozialistischer Zeit. (ausserdem: „Schattentanz“. Die Bibliothek Ascona lädt
am Mittwoch, 13. Oktober um 18.00 Uhr im „ Deposito“ in Riazzino zu einer Lesung mit L. Hartmann ein)
DOMENICA 24 ottobre, 17.00: dott.ssa Fiorenza Loiacono, Anne Frank: memoria di vita in senso distorto e avvincente. Come ovviare?
Vorträge in der Schweiz im Herbst 2021
Amicizia ebraico-cristiana in Svizzera gruppo Locarno-Ascona
Christlich-jüdische Arbeitsgemeinschaft Locarno-Ascona
Programma /Programm 2021
SONNTAG, 21. März, 16.00: Lukas Hartmannliest aus seinem Buch „Der Sänger“ - die Schweiz und dieFlüchtlingspolitik in nationalsozialistischer Zeit. Lukas Hartmann lebt als freier Schriftsteller in Spiegel bei Bern. Er schreibt hauptsächlich Romane und Geschichten für Erwachsene und für Kinder. Der Anlass musste gestrichen werden. Er wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.
DOMENICA, 25 APRILE, 17.00: Dr. Milena Beux Jäger, Einsiedeln: Padre Nostro – Una preghiera ebraica I fatti storici tra 200 a.e.v e il 200 e.v. si riflettono anche nella liturgia ebraica e in preghiere trascritte. Il PadreNostro è a noi pervenuto in forma integrale, e per questo costituisce una testimonianza importante per capire lo sviluppo del pensiero teologico ebraico al tempo della svolta dell'era.Dr. M. Beux Jäger:teologa; attualmente lavoraalla ricerca della continuità e della diversificazione tra l'interpretazione legalista di Gesù e quella delle scuole proto-rabbiniche del suo tempo.
SONNTAG, 9. Mai, 17.00: Prof. Dr. Rainer Kessler, Frankfurt: Von „der gemeinen viel geringern und bloß particulären Religion der Juden“. Antijudaismus und Antisemitismus in Philosophie und Theologie seit der Aufklärung. Seit ihren Anfängen in der Zeit der Aufklärung wird die historisch-kritischeBibelwissenschaft von Antijudaismus und Antisemitismus begleitet. Die jüdische Religion wird als minderwertig und
„ bloß particulär“ angesehen, jüdische Bibelauslegung gilt als unwissenschaftlich. Es gibt auch Gegenstimmen, aber die sind bis in die Zeit nach der Schoah selten. Prof. Dr. Rainer Kessler war von 1993 bis zum Ruhestand 2010 Profes-sor für Altes Testament in Marburg. Arbeitsschwerpunkte: Sozialgeschichte der biblischen Zeit, prophetische Literatur und die Relevanz der alttestamentlichen Texte für die Gegenwart.
DOMENICA, 30 MAGGIO, ore 17.00: Annalisa Capristo, Roma: La persecuzione antiebraica fasci-sta nel mondo musicale italiano. Fonti e percorsi di ricerca
A.Capristo:laureata in Filosofia presso l’Università di Roma “La Sapienza”, ha conseguito il diploma di specializzazione presso laScuola di Biblioteconomia della Biblioteca Apostolica Vaticana. È responsabile della Biblioteca degli Studi Americani di Roma. L’elenco delle pubblicazioni e delle partecipazioni come relatrice a convegni nazionali ed internazionali è disponibile al seguente link: https://in-dependent.academia.edu/AnnalisaCapristo/CurriculumVitae:
SONNTAG, 12. September, 17.00: Hildegard Schneiders, Gelsenkirchen: „Moderner Synagogen-bau in Deutschland“ -Der interessante Synagogen-Neubau in Gelsenkirchen von 2007 hat die Historikerin und kunst-geschichtlich Interessierte Hildegard Schneiders veranlasst, sich intensiv mit dem Thema „ Moderner Synagogenbau in Deutschland“ zu befassen.
SONNTAG, 3. Oktober, 17.00: Dr.Aref Hajjaj, Bonn, Die Lage der israelischen Araber. Aref Hajjja
geboren in Jaffa/Palästina geboren, nach der Vertreibung 1948 aufgewachsen in Beirut und Kuwait, Studium der Politikwissenschaft,Geschichte und Völkerrecht in Heidelberg, Promotion. Übersetzer und Dozent für Arabistik und interkulturelle Kommunikation im Deut-schen Auswärtigen; Publizist; Vorsitzender des Palästina-Forums. Im Sommer 2021 erscheint sein neues Buch: „ Heimatlos mit drei Heimaten“ (Palästina, Deutschland, Schweiz). Zu einer Lesung wird ebenfalls Anfang Oktober eingeladen. Das Datum wird zur gegebenen Zeit bekannt gegeben.
DOMENICA 24 OTTOBRE, 17.00: dott.ssa Fiorenza Loiacono, Anne Frank: memoria di vita in senso distorto e avvincente. Come ovviare?
La conferenza della dott.ssa Loiacono intende sviluppare una panoramica delle interpretazioni che nel corso del tempo sono state date della figura di Anneliese Frank, spesso senza tener conto dello spessore e della profondità della sua opera, quali potrebbero emergere da uno studio rigoroso del suo Diario. Questa conferenza intende evidenziare la diffe-renza fra le due letture rendendo giustizia alla bellezza e al valore contenutistico del Diario, all’indipendenza di pensiero e alla capacità di giudizio della giovane autrice che potrebbe rappresentare, per i giovani in particolare, un modello esem-plare di impegno. Fiorenza Loiacono, titolare di un Ph.D. in dinamiche formative e educazione alla politica, è attiva nel campogiornalistico e della ricerca. Autrice di brevi saggi e commenti giornalistici, tra i quali un pamphlet su A. Eichmann, ha tenuto in questi ultimi anni una serie di conferenze presso varie istituzioni (il Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust Studien, la Columbia University di New York e altre). In qualità di libera professionista, opera come psicoterapeuta a orientamento psicodinamico.
SONNTAG, 14. November, 16.00: Jüdische und christliche Bibelauslegung - Pfr. Dr. theol. Markus Erny, Ascona; und Pfr. Docteur en Etudes Orientales Daniele Schibler, Porto Ronco, zwei Theologen, die sich in besonderer Weise mit Texten der hebräischen Bibel beschäftigt haben, im Gespräch über ein Propheten-buch.
ENTRATA LIBERA/EINTRITT FREI – COLLETTA/KOLLEKTE
Luogo/Veranstaltungsort: Centro evangelico Ascona, viale Monte Verità 80
Orari: novembre - marzo ore 16.00 (orario invernale); aprile - ottobre ore 17.00 (orario estivo) Veranstaltungsbeginn: November bis März: 16.00 Uhr (Winterzeit); April bis Oktober (Sommerzeit):17.00
Informationen: Dorothea Wiehmann Giezendanner, Ascona – Tel. 091 791 38 56/076 371 38 56 – [email protected]
Stand: 25.02.2021/ Modifiche possibili/ Änderungen möglich
Veranstaltungskalender
-Auswahl-
2019
PALÄSTINA-FORUM e.V.
منبر فلسطين
C/o Dr. Aref Hajjaj (Vorsitzender)
Auf dem Essig 8, D 53127 Bonn
Tel.: 0049-228-285233, Mobil : 0049-172-7751943
Vorstand :Dr. Aref Hajjaj (Vorsitzender), Dr. Remon Azar, Karl-Hermann Windisch
Vorsitzender des Beirats Dr. Christoph Zöpel (Staatsminister a.D.)
Bankverbindung: Palästina-Forum, Sparkasse Bonn, Konto-Nr. 35102326 (BLZ 38050000)
IBAN DE95 3705 0198 0035 1023 26, BIC (SWIFT-CODE) COLSDE33
Bonn, den 14. Januar 2020
Veranstaltungskalender 2019
In seinem Vortrag zum Thema „Palästina zwischen Dauerbesatzung und Aussichtslosigkeit“ in Zürich/CH am 27. Januar und in Bern am 28. Januar ging Aref Hajjaj auf der Basis seines Buches „Land ohne Hoffnung- Arabischer Nationalismus, politischer Islam und die Zukunft Palästinas“ (Paderborn 2017) auf die erbärmliche aktuelle Lage und die (aus der Sicht der Palästinenser) düsteren Zukunftsperspektiven in Palästina-Israel ein. Außerdem prangert er Korruption und Handlungslethargie der gespaltenen palästinensischen Führung an und bekräftigt die „strategische“ Bedeutung von neuen Wahlen in Palästina. Der Vortrag enthält auch ideengeschichtliche und biographische Elemente.
Am 3. Februar hielt Aref Hajjaj einen Vortrag zum Thema: „Die Grenzen zwischen muslimischer Israel-Kritik und Antisemitismus“ vor dem Cafe Palestine Bonn.
In der Ankündigung hieß es:
„Nach Dr. Aref Hajjaj ist muslimischer Antijudaismus zu verurteilen, mit dem europ. Antisemitismus aber nicht identisch.
Politisch motivierte Israelkritik ist nicht antisemitisch.
Eintritt frei. Spenden erbeten
Veranstalter: Institut für Palästinakunde e.V. , Bonn
Institut für Palästinakunde e.V.
Amtsgericht Bonn im Vereinsregister 8692
Angelika Vetter (Ethnologin) M.A.
Weißenburgstr. 11
53175 Bonn
Tel.: 0228 18038637
[email protected]
http://www.ipk-bonn.de“.
Donnerstag, 21.2.2019 – 19:00 Uhr
Die Rechte der Menschen in Palästina – Welche Zukunftsperspektiven gibt es?
Vortrag: Dr. Aref Hajjaj in Dortmund vor der Auslandsgesellschaft.
„Der Vortrag befasst sich mit der ideellen und materiellen Lage der Palästinenser*innen seit der Entstehung des Staates Israel vor 70 Jahren. Die in den heute besetzten Gebieten des Westjordanlandes und im Gazastreifen lebenden Menschen bezeichnen die Gründung des Staates Israel als „Naqba“, arabisch für „Katastrophe“ und fühlen sich seit des israelischen Unabhängigkeitskriegs bedroht und unterdrückt. Durch die israelische Siedlungspolitik sehen sie wenig Chancen für einen eigenen Staat. Welche Zukunftsperspektive und Voraussetzungen für ein besseres Leben gibt es für die hier lebenden Palästinenser*innen?“
Am 20. Februar schrieb Hajjaj folgende Mitteilung an die Mitglieder und Förderer:
„…auch mir ist es kürzlich gegönnt worden, in den „Genuss“ des Antisemitismus-Vorwurfs zu kommen.
Ich sollte in diesem Monat noch auf Einladung der „Auslandsgesellschaft“ einen Vortrag in Dortmund zum Thema
„Die Rechte der Menschen in Palästina – Welche Zukunftsperspektiven gibt es?“
halten. Da schaltete sich ein Mitglied der sog. Antideutschen (mehr über diese Gruppierung im Internet) ein. In seiner „Expertise“, die noch weniger Wahrheitsgehalt besitzt als sogar die meisten Trumps Twitter-Nachrichten, berichtet er über mich, meine Vorträge und Bücher. Dann kommt er zum apodiktischen Schluss, dass ich nicht nur Extremist, sondern erst recht Antisemit sei. Belege liefert er keine. Dort bezeichnet er meine Ablehnung der Zweistaatenlösung als Beleg dafür, dass ich Israels staatliche Existenz infrage stelle und behauptet, dass ich mit von ihm namentlich genannten „antisemitischen“ Personen gemeinsam aufgetreten sei. Diese Personen kenne ich allerdings bis auf den heutigen Tag gar nicht. Und, und, und.
Aufgrund dieser „Expertise“ wurde ich vom Veranstalter ausgeladen. Nach Klarstellung durch mich und Herrn Prof. Dr. Christoph Zöpel ruderte die Gesellschaft zurück, und ich bekam eine veritable Entschuldigung.
Der bittere Beigeschmack bleibt jedoch, übrigens auch die Wut darüber, dass die Antideutschen und andere „Filialen“ der Israel-Lobby immer wieder den zynischen Versuch unternehmen, Kritiker der israelischen Besatzungs- und Siedlungspolitik mundtot zu machen. Doch diese Versuche sind auf lange Sich zum Scheitern verurteilt.“
Etwas ungläubig erreichte mich die Information von Aref Hajjaj, dass die Auslandgesellschaft Dortmund ihn von einer geplanten Veranstaltung ausgeladen hat. Hajjaj war jahrelang im Auswärtigen Amt tätig und ich kenne ihn aus meiner Zeit als Staatsminster. Er ist Vorsitzender des Palästina Forums, dessen Beirat ich vorsitze. Ausgewogener als Hajjaj können die Interessen der Palästinenser kaum vertreten werden, dass sie die gleichen Menschenrechte besitzen wie Israelis oder Deutsche sollte wohl nicht bestritten werden. Zur Beurteilung des publizisztischen Wirkens Hajjajs finden Sie angehängt meine Rezension seines Buches "Land ohne Hoffnung? Arab. Nationalismus, politischer Islam und die Zukunft Palästinas" in der Rheinischen Post.
Notabene: Wegen des Verhaltens des verstorbenen Jürgen Möllemann in der Arabischen Gesellschaft haben Hajjaj wie auch ich diese Gesellschaft verlassen.
Mit respektvollen Grüßen
Ihr
Christoph Zöpel
_______________________________
Danach hat sich Herr Wegener wie folgt entschuldigt:
„Sehr geehrter Herr Dr. Hajjaj,
ich beziehe mich auf unser heutiges Gespräch. Für die Umstände und eventuellen Missverständnisse, die zur Absage Ihrer Veranstaltung bei uns im Hause am kommenden Donnerstag geführt haben, möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen.
Selbstverständlich war und ist es nie unsere Absicht gewesen, Sie und Ihre Arbeit in irgendeiner Form zu diskreditieren. Wie besprochen, werde ich mir noch ein eigenes Bild dazu machen. Gerne möchte ich mit Ihnen in einem konstruktiven Dialog bleiben und hoffe, dass wir eine Veranstaltung mit Ihnen in anderer Form nachholen können.“
Mit freundlichen Grüßen
Klaus Wegener
Präsident
Tel. 0231 838 00 - 25
Auslandsgesellschaft.de e.V.
Steinstr. 48, 44147 Dortmund“
Hierzu schreibt die DPG:
„Jetzt aktuell wieder die sog. Antideutschen, die radikalen Ideologen im Konzert der Lobby der israelischen völkerrechtswidrigen Regierungspolitik, die den renommierten Referenten Dr. Aref Hajjaj verhindern wollten (vgl. Anlage). Das gelang allerdings wieder nicht, da den Veranstaltern entsprechend deutlich gemacht wurde, wie absurd und unbegründet bei genauer Kenntnis seiner Schriften diese Vorwürfe waren. „
Anlässlich der Gründung des "Netzwerk zur Bekämpfung von Antisemitismus“ in Dortmund schrieb Aref Hajjaj an OB von Dortmund:
„Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Sierau ,
- aus den Medien erfuhr ich, dass in Dortmund unter Ihrer Beteiligung ein "Netzwerk zur Bekämpfung von Antisemitismus" gegründet wurde. Seine Bekämpfung sei eine zentrale Aufgabe demokratischer Akteure. Dabei gelte es, Antisemitismus in all seinen Ausprägungen zu bekämpfen, sei er traditionell-religiös, rassistisch, islamistisch oder auf Israel bezogen. Ich bin 1943 in Jaffa geboren worden, lebe seit 1961 in Deutschland, wo ich studiert und später im Deutschen AA gearbeitet habe (Anhang: CV). Seit 2003 leite ich das Palästina-Forum. Kein Wunder daher, dass meine Sozialisierung hierzulande erfolgte.
Ich habe keine Veranlassung, Ihre Initiative im Grundsatz abzulehnen. Bedenken habe ich allerdings gegen die dort zu Tage tretende, wenig differenziere Sichtweise, vor allem wenn von Ihnen und den anderen Initianten expressis verbis zwischen antijüdischer Haltung und einer kritischen Position gegenüber der Politik des Staates Israels nicht unterschieden wird. Dabei gibt es namhafte Israelis und Juden wie etwa Daniel Barenboim, Ex-Botschafter Schimon Stein, und die Wissenschaftler Mosche Zimmermann und Mosche Zuckermann, die auf eine solche Unterscheidung großen Wert legen. Vergessen darf man hier das Paradoxon nicht, dass diese Persönlichkeiten jüdischen Glaubens oft leichtfertig von der Israellobby als „Antisemiten“ diffamiert werden.
Ich habe am eigenen Leib erfahren (und erleiden) müssen, was es bedeutet, wenn man wie ich trotz ausgewogener Haltung zum Israel-Palästina-Konflikt und trotz klarer Verurteilung von Rassismus und Antisemitismus in den eigenen Büchern und Vorträgen von heute auf morgen des Antisemitismus bezichtigt und ausgeladen wird. Trotz der prompt erfolgten Entschuldigung durch den Veranstalter (in diesem Fall: die Auslandsgesellschaft Dortmund) spüre ich mit Verbitterung, dass dahinter der Versuch steckt, einen unbescholtenen, engagierten Bürger zu stigmatisieren. Lesen Sie bitte im Anhang darüber. Übrigens: Antijüdische Reflexe auch unter den Palästinensern sind selbstverständlich zu verurteilen. Die überwältigende Mehrheit der Palästinenser vor Ort und in der Diaspora wendet sich gegen die rechtslastige Politik in Israel keinesfalls aus religiösen oder gar ethnischen Gründen, sondern weil diese Politik der Ausdruck von völkerrechtswidrigen Formen der Besatzung und Besiedlung ist. Was ist daran „antisemitisch“? Die Palästinenser wären unter anderen Konstellationen genauso anti-maltesisch, antitürkisch usw.. Mit Rassismus hat diese Haltung also wirklich nichts zu tun.“
Am 23.03.2019 schrieb Hajjaj zur Anerkennung der Souveränität Israels über die besetzten syrischen Golanhöhen durch Trump:
„Der Anerkennung Gesamtjerusalems als Hauptstadt Israels und der Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem folgt nun die Anerkennung der Souveränität Israels über die besetzten syrischen Golanhöhen durch den sprunghaft und über Twitter kommunizierenden US-Präsidenten Trump.
Dadurch handelt er wieder einmal nicht nur wider das gültige Völkerrecht. Er düpiert darüber hinaus seine treuen Verbündeten (Vasalen) Saudi-Arabien, Emirate, Bahrain etc. am Persischen Golf und Ägypten, die seit einiger Zeit „strategische“ Allianzen mit Israel schmieden. Dass für diese Länder weder die Palästina-Frage noch andere besetzte arabische Gebiete von Relevanz sind, hat man schon an der Rhetorik von Muhammad bin Salman (Saudi-Arabien) und Muhammad bin Zayed (VAE) und in einem Interview des ägyptischen Präsidenten Sissi mit einem US-Fernsehsender deutlich genug erfahren. Mit dieser neuerlichen Ohrfeige haben sie dennoch nicht gerechnet. Mutmaßlich sind sie aber vorab informiert worden und haben diese Entscheidung hinnehmen müssen.
Das Empörungspotenzial seitens des Regimes des syrischen Präsidenten Assad und des Generalsekretärs der Arabischen Liga ändert nichts an der Tatsache, dass alle Regimes in den arabischen Staaten völlig handlungsunfähig sind und daher auf diese neue Provokation von Trump nur mit hohler Rhetorik zu reagieren in der Lage sind. Assad geht es wohl in erster Linie um den Machterhalt und nicht um eine „Petitesse“ um die Zukunft des Golans. Auch die Reaktion Deutschlands und der EU hat gar kein substantielles Gewicht. Hat Merkel nicht unlängst erklärt, dass die Wahrung der Sicherheitsinteressen Israels ein Bestandteil der deutschen Staatsräson sei? Auch Netanjahu und Trump machen im Zusammenhang mit der Legitimierung der Golan-Annexion ja Sicherheitsinteressen geltend.
Mit dem Tweet Trumps leistet dieser Netanjahu eine wertvolle Wahlhilfe und zementiert die weltweit herrschende Überzeugung, dass nicht das Völkerrecht, sondern das Gesetz des Dschungels die US-amerikanischer Außen- und Sicherheitspolitik bestimmt.
Übrigens: Die Politik Putins in Syrien und gegenüber der Ukraine (nicht nur in Bezug auf die Krim) ist völkerrechtlich und moralisch kaum höher zu bewerten als die Agenda des Twitter-Präsidenten. Daher ist seine Kritik der Anerkennung israelischer Souveränität über den Golan heuchlerisch und unglaubwürdig.“
Hajjaj nahm an folgender Veranstaltung in Bonn als Referent teil:
„EINLADUNG ZUM 9. NAHOST-TALK
Wie weiter in Nahost?
Wahl in Israel – Stillstand in Palästina – Kaum Diskussionen in Deutschland |
Donnerstag, den 25. April 2019, 19 Uhr, im Gustav-Stresemann-Institut Bonn | |
Der israelisch-palästinensische Dauerkonflikt scheint unlösbar. Auch die Wahlen in Israel dürften nicht aus der Sackgasse herausführen, in der Friedensverhandlungen zum Stillstand kamen und US-Präsident Trump gleichzeitig Optionen wie die Statusklärung des Golan und Jerusalems vorzeitig zu endgültigen Fakten erklärt hat. Europäische Schlichtungsversuche werden in Jerusalem zurückgedrängt und die Suche nach einer Lösung mit vielen Worten immer wieder vertagt. Zu Lasten der Menschen und des Völkerrechts. In Deutschland spielt der ungelöste Streit derzeit nur punktuell eine Rolle – etwa, wenn es zu Angriffen beider Seiten kommt. Diskussionen werden kritisch beobachtet und eher in ihrer Wortwahl beurteilt, als an den auslösenden Ereignissen. Dazu schrieben Shimon Stein und Moshe Zimmermann schon 2018 von einer "undifferenzierten, automatisierten Gleichsetzung der Israel-Kritik mit Antisemitismus" und sprachen von "einem falschen Pfad".
Auf Einladung des Gustav-Stresemann-Institut e.V. (GSI) und der Deutschen Initiative für Nahen Osten (DINO) diskutieren darüber im 9. Nahost-Talk:
Prof. Dr. Rita Süssmuth, ehem. Bundestagspräsidentin (angefragt)
Prof. Dr. Moshe Zimmermann (israelischer Historiker)
Dr. Aref Hajjaj (Politikwissenschaftler, Deutsches Palästina-Forum)
Dr. Rolf Mützenich (außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion)
Moderation: Thomas Nehls (Journalist, Berlin)
Die Veranstaltung ist kostenfrei, um eine Anmeldung wird gebeten:
https://www.gsi-bonn.de/nahosttalk
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.
Dr. Ansgar Burghof
Direktor und Vorstand
Gustav-Stresemann-Institut e.V. „ | |
| | |
| | Hajjaj hielt vor der DPG in Königswinter einen Vortrag zum Thema: „Der Israel-Palästina-Konflikt und der regionale Krisenherd“ am 9. Mai.
|
| Hajjaj hielt am 6. Juni vor dem Verein „Kurfürsten“ einen Vortrag zum Thema: „Der Israel-Palästina-Konflikt und die Lösungsperspektiven“. Die Einladung lautete:
„Sehr verehrte Damen , liebe Kurfürsten,
Unser Stammtisch im Juni findet statt
am 6. Juni 2019 um 18 Uhr Ort: Haus der Arminia,
Kaiserstraße 85, 53113 Bonn
Herr Dr. Aref Hajjaj berichtet über die aktuelle Lage im Palästina-Israel-
Konflikt und die Zukunftsperspektiven
Anmeldungen an den Vorsitzenden erbeten bis 29. Mai 2019.
Euer Schriftführer
Franz Wallrafen“
Die Frankfurter Rundschau veröffentlichte am 4. Juni folgenden Artikel von Aref Hajjaj:
GASTBEITRAG
Ein Staat für Israelis und Palästinenser
· Von Aref Hajjaj
Mit einem größeren Willen zum Frieden und weniger Nationalismus auf beiden Seiten könnte es einen Ausweg aus dem Konflikt geben. Ein Gastbeitrag von Aref Hajjaj.
Im Kerngebiet Israels funktioniert zwar in einigen Regionen wie Jaffa oder Nazareth ein bescheidenes Maß an Koexistenz zwischen jüdischen und palästinensischen Israelis. In anderen Landesteilen dagegen leben die beiden Volksgruppen entweder voneinander getrennt oder im Zustand eines latenten Spannungsverhältnisses. Es erscheint daher utopisch anzunehmen, dass ein gemeinsamer Staat von Juden und Palästinensern im gesamten Gebiet von Historisch-Palästina eine machbare Alternative zum bestehenden Status quo wäre.
Gäbe es auf beiden Seiten mehr Friedenswille und weniger Nationalismus, könnte diese Vision dennoch Realität werden, wobei dann beide Volksgruppen die gleichen Rechte und Pflichten haben müssten. Der gemeinsame Staat besteht heute schon, allerdings in Form eines auf Trennung basierenden Staatswesens.
Natürlich gibt es andere Optionen für die Staatsbildung. Die Zweistaaten-Option, also die Gründung eines Staates in den besetzten Gebieten, wäre der richtige Ansatz, zumal darüber weltweiter Konsens besteht. Andererseits würde der neue Staat ohne die Räumung der jüdischen Siedlungen nicht aus einem zusammenhängenden Territorium bestehen. Weitere Erschwernisse betreffen die Lebensfähigkeit dieses Modells und die territoriale Trennung zwischen der Westbank und dem Gazastreifen.
Über die Eckpunkte eines weiteren Modells, des „Jahrhundertdeals“ unter der Patronage der USA, Saudi-Arabiens und Ägyptens, kann man nur spekulieren. Dieser scheint aber der Ausdruck einer aus der Not geschmiedeten Allianz gegen Iran denn ein solider Ansatz zur Lösung des Konflikts zu sein. Außerdem sieht dieses ominöse Modell die Einverleibung ägyptischer Territorien vor, was von Nach-Sisi-Regierungen kaum mitgetragen werden würde.
Eine weitere Option wäre die Aufrechterhaltung des Status quo. Doch so wird man den ewigen Konflikt nicht lösen, den Anrainerstaaten keine Stabilität und Sicherheit garantieren und die sozioökonomischen Probleme in Israel und erst recht in „Palästina“ kaum lindern können.
Langfristig gibt es daher für Israelis und Palästinenser keine praktikablen Alternativen für den gemeinsamen Staat, indem die rechtsstaatlichen Prinzipien wie Gleichheit vor dem Gesetz, Gewaltenteilung, Wahrung der Menschenrechte und Meinungsfreiheit sowie intakte Wirtschaftsstrukturen und Mobilität herrschen.
Das bedarf allerdings eines kulturellen und strukturellen Umdenkens auf beiden Seiten, vor allem bei den mächtigen, stark nationalistisch geprägten politischen Eliten Israels. Dass auch im künftigen Staat extreme religiöse und politische Strömungen auf beiden Seiten weiter existieren werden, wäre verkraftbar, solange die verfassungsmäßig verankerten Hauptsäulen des Systems vom Geist liberaler Demokratie und nicht von einem jüdischen oder arabischen Überlegenheitsgefühl bestimmt sind.
Die Idee eines demokratischen binationalen Staates wurde schon in den 1970er Jahren, lange bevor die Zwei-Staaten-Option durch den exzessiven Siedlungsbau obsolet geworden ist, von links-liberalen Palästinensern und Israelis gemeinsam entworfen. Shir Hever, ein profunder Forscher der wirtschaftlichen Situation in den besetzten Gebieten, beobachtet neuerdings eine Tendenz zugunsten des Ein-Staaten-Modells vor allem unter den Palästinensern. Es gibt Befragungen, die tatsächlich belegen, dass 70 Prozent der Palästinenser weltweit den gemeinsamen Staat favorisieren.
Tatsache ist allerdings, dass die Mehrheit der Israelis den binationalen Staat ablehnt. Eine Akzeptanz dieser Option dürfte auch kurz- und mittelfristig kaum zu erreichen sein, da die herrschende Staatsidee auf dem Zionismus basiert, der wiederum einen „jüdischen“ Absolutheitsanspruch auf das gesamte Gebiet erhebt.
Regierungschef Benjamin Netanjahu bedient sich dieser Rhetorik ständig. Das Hantieren mit dem „demografischen Faktor“ ist wiederum nicht frei vom rassistischen Denken. Auf palästinensischer Seite hat man sich infolge von Niederlagen, Perspektivlosigkeit und Ernüchterung von ähnlichem Absolutheitsdenken verabschiedet. Im Übrigen sollten die Begriffe „Heimschaffung“ aller Juden und „Rückkehrrecht“ der Palästinenser realistisch ausgelegt werden.
Es ist zu hoffen, dass in Israel künftig die Einsicht wächst, dass dem Staat Israel trotz seiner militärischen Stärke der Weg zum Frieden und zur Lösung sozio-ökonomischer Probleme auch unter der jüdischen Mehrheit nicht ausreichend geglückt ist. In diesem Defizit könnte die Chance für ein Umdenken oder auch für die Akzeptanz des binationalen Gedankens als zukunftweisendes, tragfähiges Konzept durch die Mehrheit Israels liegen.
Aref Hajjaj ist ein deutsch- palästinensischer Autor. Er schrieb unter anderem das Buch „Land ohne Hoffnung?“
Auf Einladung der Studentenverbindung Armenia zu Bonn hielt Hajjaj einen Vortrag über die Vision des Gemeinsamen Staates Palästina/Israel am 6. Juni. Die Veranstaltung war gut besucht und die Diskussion verlief lebhaft, aber nicht kontrovers.
Im Juni schrieb Hajjaj folgenden Leserbrief an die NZZ über den dort erschienenen Artikel über Herrn Cassis und seine ungebrochene Unterstützung Israels:
„Ein Israel-Freund auf heikler Mission – Ignazio Cassis setzt neue Akzente“:
Bundesrat Cassis bricht durch seine ostentative Israel-freundliche Aussenpolitik mit der jahrzehntelangen, bewährten Nahostpolitik der Schweiz, welche von Ausgewogenheit sowie Sach- und Interessenorientierung geprägt war.
Erfreulich ist allerdings in diesem Kontext zu vernehmen, dass Cassis´ Neuorientierung beim Bundesrat und Teilen der Parlamentarier auf Skepsis, zum Teil auch auf Ablehnung stösst. Niemand verübelt Herrn Cassis sein tiefes Entsetzen über den Holocaust, denn dies ist ein moralisches Allgemeingut auch unter der Mehrheit der Palästinenser. Doch er scheint die Tatsache ausblenden zu wollen, dass diese nicht nur nicht für den Holocaust verantwortlich, sondern nach Ansicht vieler israelischer Bürgerrechtler sogar dessen indirekte Opfer sind. Dass Cassis von der israelischen Demokratie fasziniert ist, ist wegen der Tatsache ebenfalls nicht zu beanstanden, dass das regionale Umfeld aus lauter Diktaturen besteht. Bedenklich ist dennoch, dass die palästinensischen Israelis, immerhin machen sie ca. 20 % der Bevölkerung aus, in der Praxis benachteiligt, ja diskriminiert werden, was die Prinzipien liberaler Demokratie im Hinblick auf den Umgang mit Minderheiten grob verletzt.
Das EDA ist durchaus berechtigt, den Raketenabschuss von Gaza aus zu verurteilen (Dieser schadet übrigens den Interessen der Palästinenser zu allererst). Einseitig ist diese Aussage dennoch, solange sie nicht mit einer nachhaltigen Verurteilung der Blockade von Gaza und des exzessiven Siedlungsbaus in der Westbank ergänzt wird.
Arbeitsplätze für jugendliche Palästinenser zu schaffen, ist gewiss ein hehres Ziel. Wie soll das aber von statten gehen, solange die Verhältnisse in den beiden besetzten Gebieten so bleiben, wie sie nun mal sind? Das sind Fragen, die Herr Cassis weder stellt noch zu beantworten vermag.
Dr. Aref Hajjaj, Bonn
Der Artikel der NZZ (Zürich)
Am 14. Juli schrieb Hajjaj an Mitglieder und Freunde des Forums:
„Der Bundestag verabschiedete im Mai 2019 eine fraktionsübergreifende Resolution, die zum Teil auf Initiative der FDP und des Gesundheitsministers Spahn zustande kam und im Kern die fragwürdige These vertrat, dass die BDS-Bewegung „antisemitisch“ sei. Nun lesen Sie bitte aus dem aktuellen Spiegel (Nr. 29) folgenden Artikel: „Gezielte Kampagne - Ein deutsch-jüdischer und ein proisraelischer Verein haben im Bundestag ein enges Netzwerk gespannt – mit fragwürdigen Methoden. Es geht um eine andere Nahostpolitik.“
Dieser Artikel beschreibt in erschreckender Präzision den zunehmenden Einfluss des israelischen Premiers Netanjahus und seiner Lobbyisten in Berlin auf die deutsche Nahostpolitik. Nebenbei muss man bemerken, dass diese Politik, sofern sie die Handschrift von Frau Merkel und Herrn Maas trägt, ohnehin dezidiert proisraelisch ist, also alles andere als „ausgewogen“, wie sie von einem AA-Staatsminister beschrieben wird.
Viele Grüße,
Aref Hajjaj
Direkt zum Artikel: http://l.spiegel.de/6WaBbYNb“
Mit dieser Einleitung moderierte Hajjaj folgenden Vortrag von Dr. Abed Shokry aus Gaza in Bonn am 19. Juli:
„Ist Gaza vergessen? Ja, denn Medien berichten nur bei Kriegen und gewaltsamen Auseinandersetzungen, nicht jedoch über das grauenhafte Alltagsleben:
Dort herrscht Mangel an
Nahrung, Wasser einschließlich Trinkwasser, Strom, Mobilität ++++
Insgesamt an Lebensqualität.
Für viele Medien wiegt der Raketenbeschuss aus Gaza schwerer als die humanitäre Katastrophe, unter der die gesamte Bevölkerung leidet.
Ist Gaza besetzt? Noch schlimmer
Land-, See- und Luft-Blockade
„babylonische Gefangenschaft“(Isr, Ägypt)
Dr. Abed Schokry hat in Deutschland studiert und promoviert. 2007 kehrte er nach Gaza Stadt zurück und lebt dort mit seiner Frau (ebenfalls in D studiert) und vier Kindern. Als Professor für Arbeitswissenschaft lehrt er an der Universität und teilt die äußerst schwierigen Lebensverhältnisse mit seinen Landsleuten. Danach bemühte er sich drei Jahre erfolglos um eine Ausreisegenehmigung. Er erhielt sie vor ca. 4 Wochen. Am 15. August muss er zurück nach Gaza. Er weiß noch nicht, ob er glatt wieder einreisen kann.
Deshalb möchte er sich in seinem Vortag auf Gaza beschränken, obwohl er genau weiß, welche gravierenden Probleme in Sachen Isr-Pal bestehen.
3 Stichwort genügen: 1. Besatzung 2. exzessiver Siedlungsbau durch Israel.
3. Spaltung der pal. Führung.
Dieser Abend bietet eine ausgezeichnete Gelegenheit, exakte und authentische Nachrichten aus erster Hand zu hören und nachzufragen. Zumal: Kaum jemand, der nach Israel/Palästina fährt, die Erlaubnis erhält, nach Gaza zu reisen.
Veranstalter: FrauenWegeNahost/ Arbeitskreis Frieden von Aufstehen Bonn
Unterstützer: Palästina-Forum, Institut für Palästinakunde Bonn/ Palästinensische Gemeinde Bonn/ DPG-NRW-Süd/ Deutsch-Palästinensischer Frauenverein. „
Hajjaj schrieb folgenden Leserbrief an die Süddeutsche
„Der Bundestag verabschiedete im Mai 2019 eine fraktionsübergreifende Resolution, die auf Initiative proisraelischer Lobbyvereine , zum Teil auch unter der nachhaltigen Mitwirkung einiger FDP-Parlamentarier und des Gesundheitsministers Spahn zustande kam und im Kern die umstrittene These vertritt, dass die BDS-Bewegung „antisemitisch“ sei. In Ihrem gut recherchierten, man möchte auch sagen „mutigen“ Artikel: „Gezielte Kampagne - Ein deutsch-jüdischer und ein proisraelischer Verein haben im Bundestag ein enges Netzwerk gespannt …“ beschreiben Sie in erschreckender Präzision den zunehmenden Einfluss des israelischen Premiers Netanjahus und seiner Lobbyisten in Berlin auf die deutsche Nahostpolitik. Diese Interessenvertreter, die offensichtlich einen direkten Draht zur israelischen Machtzentrale haben, handeln so als wäre die deutsche Israel-Palästina-Politik einseitig propalästinensisch und daher einer gründlich Korrektur zugunsten Israels bedürfte. Tatsache ist jedoch, dass dieser Bereich der deutschen Außenpolitik schon immer darauf bedacht war, die Interessen des Staates Israel mit allen erdenklichen materiellen, ideellen, sicherheits- und rüstungspolitischen Mitteln zu bedienen. Man muss sogar konstatieren, dass aktuell die Nahostpolitik der Bundesregierung unter der Ägide von Bundeskanzlerin Merkel und Außenministers Maas so dezidiert proisraelisch ist wie noch nie. Man denke an Merkels Bekenntnis zu den Sicherheitsinteressen Israels als Teil der deutschen Staatsräson. Man denke auch an die Überbetonung des Holocaust durch Maas, als hätte dieses singuläre Verbrechen mit dem Wunsch der Palästinenser nach Selbstbestimmungsrecht irgendetwas zu tun. Sie schreiben, dass der Staatsminister im Auswärtigen Amt Niels Annen die Entschlossenheit der Bundesregierung betont habe, an der „ausgewogen“, Nahostpolitik festzuhalten. Richtiger wäre zu verlangen, dass diese Politik endlich ausgewogen werden sollte. Im Übrigen ist es legitim, Israels völkerrechtswidrige Siedlung- und Besatzungspolitik endlich zu sanktionieren. Dies ist die Kernprämisse der BDS-Bewegung. Warum wird diese Forderung dermaßen kriminalisiert, während Sanktionen etwa gegen Russland oder Iran nicht nur gefordert, sondern tatsächlich und zum Teil exzessiv verhängt?“
Aktivitäten im September/Oktober:
- Hajjaj hielt am 26. 9. auf Einladung der Ev.-Reformierten Kirche in Zürich einen Vortrag zum Thema „Perspektiven für die Palästinenser?“.
- Hajjaj hielt am 29. 9. auf Einladung der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft in Ascona (Schweiz) einen Vortrag über „Antisemitismus unter Muslimen?“.
- Hajjaj hielt am 3. 10. auf Einladung des Deutschen Clubs Ticino in Lugano (Schweiz) einen Vortrag zum Thema „Deutschland- Schweiz: Systemvergleich“.
- Hajjaj nahm in Bonn an einer Podiumsdiskussion mit Graf Lambsdorff (u.a.) über die Friedensaussichten im Nahost. Veranstalter: Fr. Naumann-Stiftung.
- Hajjaj hielt am 24. 10. auf Einladung der GIK einen Vortrag in Bonn-Bad Godesberg über „Antisemitismus unter Muslimen?“.
In seinen Sendungen an Mitglieder und Freunde nahm Hajjaj im November und Dezember zu aktuellen deutschen und internationalen Ereignissen betreffend die Palästinafrage ausführlich und über verschiedene Medien Stellung.
2018
PALÄSTINA-FORUM e.V.
منبر فلسطين
C/o Dr. Aref Hajjaj (Vorsitzender)
Auf dem Essig 8, D 53127 Bonn
Tel.: 0049-228-285233, Mobil : 0049-172-7751943
Vorstand :Dr. Aref Hajjaj (Vorsitzender), Dr. Remon Azar, Karl-Hermann Windisch
Vorsitzender des Beirats Dr. Christoph Zöpel (Staatsminister a.D.)
Bankverbindung: Palästina-Forum, Sparkasse Bonn, Konto-Nr. 35102326 (BLZ 38050000)
IBAN DE95 3705 0198 0035 1023 26, BIC (SWIFT-CODE) COLSDE33
Bonn, den 14. Januar 2020
Veranstaltungskalender 2019
In seinem Vortrag zum Thema „Palästina zwischen Dauerbesatzung und Aussichtslosigkeit“ in Zürich/CH am 27. Januar und in Bern am 28. Januar ging Aref Hajjaj auf der Basis seines Buches „Land ohne Hoffnung- Arabischer Nationalismus, politischer Islam und die Zukunft Palästinas“ (Paderborn 2017) auf die erbärmliche aktuelle Lage und die (aus der Sicht der Palästinenser) düsteren Zukunftsperspektiven in Palästina-Israel ein. Außerdem prangert er Korruption und Handlungslethargie der gespaltenen palästinensischen Führung an und bekräftigt die „strategische“ Bedeutung von neuen Wahlen in Palästina. Der Vortrag enthält auch ideengeschichtliche und biographische Elemente.
Am 3. Februar hielt Aref Hajjaj einen Vortrag zum Thema: „Die Grenzen zwischen muslimischer Israel-Kritik und Antisemitismus“ vor dem Cafe Palestine Bonn.
In der Ankündigung hieß es:
„Nach Dr. Aref Hajjaj ist muslimischer Antijudaismus zu verurteilen, mit dem europ. Antisemitismus aber nicht identisch.
Politisch motivierte Israelkritik ist nicht antisemitisch.
Eintritt frei. Spenden erbeten
Veranstalter: Institut für Palästinakunde e.V. , Bonn
Institut für Palästinakunde e.V.
Amtsgericht Bonn im Vereinsregister 8692
Angelika Vetter (Ethnologin) M.A.
Weißenburgstr. 11
53175 Bonn
Tel.: 0228 18038637
[email protected]
http://www.ipk-bonn.de“.
Donnerstag, 21.2.2019 – 19:00 Uhr
Die Rechte der Menschen in Palästina – Welche Zukunftsperspektiven gibt es?
Vortrag: Dr. Aref Hajjaj in Dortmund vor der Auslandsgesellschaft.
„Der Vortrag befasst sich mit der ideellen und materiellen Lage der Palästinenser*innen seit der Entstehung des Staates Israel vor 70 Jahren. Die in den heute besetzten Gebieten des Westjordanlandes und im Gazastreifen lebenden Menschen bezeichnen die Gründung des Staates Israel als „Naqba“, arabisch für „Katastrophe“ und fühlen sich seit des israelischen Unabhängigkeitskriegs bedroht und unterdrückt. Durch die israelische Siedlungspolitik sehen sie wenig Chancen für einen eigenen Staat. Welche Zukunftsperspektive und Voraussetzungen für ein besseres Leben gibt es für die hier lebenden Palästinenser*innen?“
Am 20. Februar schrieb Hajjaj folgende Mitteilung an die Mitglieder und Förderer:
Hajjaj schrieb Mitte Februar 2019 an den Verteiler des Palästina-Forums:
„…auch mir ist es kürzlich gegönnt worden, in den „Genuss“ des Antisemitismus-Vorwurfs zu kommen.
Ich sollte in diesem Monat noch auf Einladung der „Auslandsgesellschaft“ einen Vortrag in Dortmund zum Thema
„Die Rechte der Menschen in Palästina – Welche Zukunftsperspektiven gibt es?“
halten. Da schaltete sich ein Mitglied der sog. Antideutschen (mehr über diese Gruppierung im Internet) namens Paul Mentz ein. In seiner „Expertise“, die noch weniger Wahrheitsgehalt besitzt als sogar die meisten Trumps Twitter-Nachrichten, berichtet er über mich, meine Vorträge und Bücher. Dann kommt er zum apodiktischen Schluss, dass ich nicht nur Extremist, sondern erst recht Antisemit sei. Belege liefert er keine. Dort bezeichnet er meine Ablehnung der Zweistaatenlösung als Beleg dafür, dass ich Israels staatliche Existenz infrage stelle und behauptet, dass ich mit von ihm namentlich genannten „antisemitischen“ Personen gemeinsam aufgetreten sei. Diese Personen kenne ich allerdings bis auf den heutigen Tag gar nicht. Und, und, und.
Aufgrund dieser „Expertise“ wurde ich vom Veranstalter ausgeladen. Nach Klarstellung durch mich und Herrn Prof. Dr. Christoph Zöpel ruderte die Gesellschaft zurück, und ich bekam eine veritable Entschuldigung.
Der bittere Beigeschmack bleibt jedoch, übrigens auch die Wut darüber, dass die Antideutschen und andere „Filialen“ der Israel-Lobby immer wieder den zynischen Versuch unternehmen, Kritiker der israelischen Besatzungs- und Siedlungspolitik mundtot zu machen. Doch diese Versuche sind auf lange Sich zum Scheitern verurteilt.“
Der gesamte Verlauf der Kampagne gegen Hajjaj:
Interner Malwechsel des Veranstalters (Auslandsgesellschaft, Dortmund),der Hajjaj ursprünglich zu einem Vortrag am 21. Februar 2019 eingeladen hat:
„Hallo, zusammen,
ich mache es kurz: Die Veranstaltung des „Deutsch – Palästinensischen Länderkreises“ mit Herrn Dr. Hajjaj am kommenden Donnerstag muss abgesagt werden und kann hier auf keinen Fall stattfinden. Ich kann auch ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, wie es zu dieser Einladung gekommen ist. Wir waren uns doch alle im Klaren darüber, dass extremistische und erst recht antisemitische Haltungen bei uns keine Bühne bekommen. Es war ebenfalls klar und eindeutig besprochen, dass künftig alle Referenten im Vorfeld daraufhin geprüft werden. Wie es dann zu einer Einladung an Dr. Hajjaj kommen konnte, ist mir bei seiner Einstellung völlig unverständlich. Ich verweise auf die untenstehenden Ausführungen. Im Hinblick auf unsere Standards und Veranstaltungsrichtlinien ist ein Auftritt von Herrn Dr. Hajjaj nicht möglich. Den Fehler aus 2017 werden wir nicht nochmal machen. Ich bitte um Verständnis.
Mit freundlichen Grüßen
Klaus Wegener
Präsident
Tel. 0231 838 00 - 25
Steinstr. 48, 44147 Dortmund
E-Mail: [email protected]
auslandsgesellschaft.de
facebook.com/pages/Auslandsgesellschaft
___________________________________
Die ausschlaggebende „Expertise eines Antideutschen:
Von: Paul Mentz [mailto:[email protected]]
Gesendet: Donnerstag, 14. Februar 2019 11:44
An: Matthias Mertes; Sebastian Salzmann
Betreff: Aref Hajjaj
„Lieber Matthias,
anbei eine kurze Übersicht über ein paar Aussagen, die Herr Hajjaj getätigt hat. Angesichts dessen, dass wir erst gestern auf dessen Vortrag in AG hingewiesen wurden, ist dies nicht ganz so Umfangreich wie man es sich vielleicht wünschen würde, aber die Aussagen die er tätigt, sind meines Erachtens eindeutig. Ich habe auch seine Erklärung zur Ausstrahlung der Dokumentation durch die ARD angehängt.
Betr. Dr. Aref Hajjaj: Die Menschenrechte in Palästina – Welche Zukunftsperspektiven gibt es?
- Allerdings sei es falsch, die Hamas pauschal als terroristisch einzustufen. Aref Hajjaj unterstützt und befürwortet BDS.
- Lehnt in seinen Büchern und seinen Vorträgen eine Zweistaatenlösung ab. Lehnt das fortbestehen des jüdischen Staates kategorisch ab.
- Ehemaliger Vize von Möllemann in der DeutschArabischen Gesellschaft. Reagierte auf Kritik durch den damaligen Vizepräsidenten Christoph Moosbauer an Möllemanns Aussage Israel betreibe Staatsterrorismus mit der Unterstellung, Moosbauer habe sich eigentlich um den Posten als Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft bemüht. „In seinem Fühlen und Denken“, schreibt Hajjaj, sympathisiere Moosbauer „mehr mit Israel“ als „mit uns“. (SPON, zitiert das Rechtfertigungsschreibung von Hajjaj zur Verteidigung von Möllemann)
- In einem Schreiben an die Mitglieder des PalästinaForums über die Ausstrahlung der Dokumentation „Auserwählt und Ausgegrenzt. Der Hass auf Juden in Europa“ schreibt er von einer „Israel-Lobby“, die die ARD zur Ausstrahlung der Dokumentation „gezwungen“ habe. Die Dokumentation entspreche dem „Genre eines nach Propaganda orientierten Pamphlets“. „Dagegen wird im Film die BDS-Bewegung […] als antisemitisch verunglimpft.“ Die Tatsache, dass „der deutsch-jüdische Historiker Wolffsohn die Doku […] als beste ihrer Art lobt“, spricht laut Dr. Hajjaj gegen deren Objektivität. Die Erwähnung, dass es sich bei Wolffsohn um einen jüdischen Historiker handelt, und dessen Religionszugehörigkeit so etwas wie Objektivität ausschließt, verweist auf das antisemitische Ressentiment, das Hajjaj beständig verbreitet. Der Anschließende Vorwurf an Ahmad Mansour, dieser würde sich „gegen das Anliegen seiner Landsleute“ stellen, ist mehr als bedenklich.
- Er tritt zusammen mit antisemitischen Rednern wie Karam Khella auf Veranstaltungen auf.
- Er vertritt die These, dass Israel alleine am muslimischen Antisemitismus in Europa schuld sei (er geht soweit diesen zu bestreiten, denn „Politisch motivierte Israelkritik sei niemals antisemitisch, ganz gleich von wem er geäussert [sic!] werde.“).
- Hajjaj verurteilt den palästinensischen Terrorismus nur insofern, dass er strategisch nicht erfolgreich ist und auch Palästinenser unter den Opfern der Angriffe sind. Für den Terrorismus macht er alleine die israelische Politik (in diesem Kontext verwendet er regelmäßig mit dem NS assoziierte Begriffe wie „die Politik der verbrannten Erde“) verantwortlich. Die „Hamas pauschal als terroristisch einzustufen“ sei Hajjaj zufolge falsch.
Es muss konstatiert werden, dass es sich bei Dr. Aref Hajjaj um einen Referenten handelt, dessen Aussagen und inhaltliche Positionierung als antisemitisch einzustufen ist, wenn man als Bewertungsgrundlage z.B. den 3-D Test zugrunde legt, auf das wir uns in unserer gemeinsamen Erklärung verständigt haben.
Einige Aussagen von Herrn Hajjaj:
„In Ihrem Beitrag heißt es: »Kauft nicht beim Israeli« – das klingt in vielen Ohren fast wie »Kauft nicht beim Juden!«. Diese Gleichstellung ist plakativ und dazu geeignet, unbestrittene Fakten auszublenden. Die Palästinenser werden heute nun mal vom israelischen Staat drangsaliert und unterdrückt, wie dies von Ihnen selbst angedeutet wird. (http://dpg-netz.de/spiegel-gesinnungstest/)
„Politisch motivierte Israelkritik sei niemals antisemitisch, ganz gleich von wem er geäussert werde.“ Veranstaltungsankündigung (03.02.2019): Die Grenzen zwischen muslimischer Israel-Kritik und Antisemitismus (http://www.ipk-bonn.de/veranstaltungen/cafe-palaestina-47.html)
Am heutigen Tag haben sich mehrere Messerattacken ereignet- in Jerusalem, Jaffa und in Tel Aviv. In Jaffa ist es im Zentrum passiert, genauer in unmittelbarer Nähe des alten Hafens. […] Dass unter den Opfern dieser Aktionen 2 Palästinenser sich befinden, spricht für die These, dass derartige Handlungen plan- und kopflos sind und ohne jegliches strategisches Denken vonstatten gehen. […] Tatsache ist allerdings auch, dass die rechtslastige Netanjahu-Regierung mit ihrer Politik des nachhaltigen Drangsalierens der Palästinenser und des Torpedierens jeglicher Friedenschancen auf der Basis einer gerechten und umfassenden Ordnung für solche sinnlosen Verzweiflungsaktionen einen erheblichen Teil an Verantwortung trägt. […] In Wirklichkeit gelingt es ihm, durch seine Politik der brutalsten Misshandlung der Palästinenser und der Kolonisierung dessen, was aus der Westbank übrig geblieben ist, die Gewaltbereitschaft unter ihnen zu befeuerten. […] Viel schlimmer noch ist jedoch die Politik der verbrannten Erde Israels, denn sie schafft die Basis dafür, dass aufgewühlte und völlig verzweifelte junge Menschen zu solchen fatalen Aktionen überhaupt fähig gemacht werden. – Eine Nachricht von Aref Hajjaj (http://www.palaestina-portal.eu/2016%2003%2014.html)
Nichtregierungsorganisationen erfüllten im Gazastreifen wichtige Missionen, sagt Dr. Aref Hajjaj vom Palästina-Forum in Bonn. Kontakte mit der radikalislamischen Hamas seien da kaum zu vermeiden.“
Antwort/Aref Hajjaj
„Sehr geehrter Herr Wegener,
in Ihrer Mail zur Causa/Aref Hajjaj-Vortrag schreiben Sie „Wir waren uns doch alle im Klaren darüber, dass extremistische und erst recht antisemitische Haltungen bei uns keine Bühne bekommen“. Dann schlussfolgern Sie: „Im Hinblick auf unsere Standards und Veranstaltungsrichtlinien ist ein Auftritt von Herrn Dr. Hajjaj nicht möglich“. Das bedeutet nach den Gesetzen der Logik also, dass aus Ihrer Sicht Hajjaj Extremist und Antisemit sei. Sie ziehen daraus die Konsequenz, meinen lang geplanten Vortrag am 21. Februar abzusagen. Ihr Kronzeuge, Ihr sog. Gutachter in dieser Sache ist ein gewisser Herr Paul Mentz, dessen Engagement in der Bewegung der Antideutschen wohl unbestritten ist. Mit dieser Expertise handelten Sie so, als würde man etwa Herrn Trump wie selbstverständlich damit beauftragen, eine Vorlesungsreihe zum Thema „Grundzüge der Vernunftlehre bei Emanuel Kant“ zu halten.
Meine Erwiderung auf Mentz´ Aussagen, die Ihrem Haus zur „Legitimierung“ der Absage gedient haben:
- Ich bin als Politikwissenschaftler stets bemüht, trotz meiner inneren politischen Überzeugung objektiv und, was nicht zu den Stärken von Herrn Mentz gehört, differenziert zu argumentieren. Diesem Geist folgend sage ich tatsächlich trotz meiner großen Vorbehalte der Agenda von Hamas gegenüber, wie dies in meinen Büchern und Vorträgen leicht verifiziert werden kann, dass es bei Hamas auch Fraktionen gibt, die unter bestimmten Bedingungen, etwa der Aufhebung der Blockade, zu einem Friedenschluss mit Israel durchaus bereit wären (Belege dafür sind leicht lieferbar). Daher meine Formulierung, es sei falsch, Hamas ausschließlich als Terrororganisation zu bewerten.
- M. behauptet, ich befürworte BDS. Auch hier beweist er mangelnde Erfahrung im Umgang mit einer differenzierten Denkweise. Ich bin weder Mitglied noch Aktivist dort. Ich bin überhaupt kein Aktivist. Mein Standpunkt: Ich unterscheide zwischen Waren aus Israel (also aus dem Kerngebiet Israels) und denen aus den völkerrechtswidrigen Siedlungen. Letztere müssten nach meiner Überzeugung deutlich zertifiziert werden, wie dies schon einmal seitens der EU gefordert wurde. Ist es extremistisch, gar antisemitisch, die jüdischen Siedlungen in der Westbank als völkerrechtswidrig zu bezeichnen und daher die Forderung zu erheben, Waren von dort zu boykottieren? Würde die Antwort ja lauten, dürfte ich diesen schmeichelhaften Titel des Antisemiten mit der Mehrheit der Völkerrechtler weltweit teilen.
-Ja, es ist vollkommen richtig, dass ich die Zweistaaten-Lösung ablehne (und dies habe ich in meinem letzten Buch "Land ohne Hoffnung? Arab. Nationalismus, politischer Islam und die Zukunft Palästinas", aber ebenfalls in vielen Vorträge in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterstrichen). Aber ich tue dies aus der sicheren Erkenntnis, dass diese Option infolge des exzessiven Siedlungsbaus obsolet geworden ist. Ich befürworte , und das schreibe ich auch dezidiert in meinem bereits genannten Buch, stattdessen die Option eines demokratischen gemeinsamen Staates der israelischen Juden und der Palästinenser.
- M. behauptet, ich würde „das fortbestehen des jüdischen Staates kategorisch ablehnen“. Das habe ich weder gesagt noch geschrieben. Hier handelt es sich um böswillige Unterstellung der billigsten Art. Da soll er sich für solche Lügen schämen und noch mal schämen. Lügen dieser Art zu verbreiten, ist Gift für eine auf Anstand und Glaubwürdigkeit basierende Kommunikation. Sie zeugen von einer mangelnden Fähigkeit, argumentativ und analytisch zu debattieren.
- Dass ich einmal Vizepräsident der DAG war, ist ja nicht ehrverletzend. Dass ich von Herrn Moosbauer nicht viel gehalten habe, ist aktenkundig. Aus meiner Sicht schwankte er sympathiemäßig extrem zwischen Israel und Palästina, was wohl nicht nur mich irritierte. Ich bin später aus der DAG ausgeschieden, weil mir die in jeder Hinsicht sprunghafte Art des GS nicht zusagte. Übrigens: Ich war lange vor der Möllemann-Zeit im Vorstand der DAG.
- Zu Wolffsohn, mit dem ich mich ursprünglich recht gut verstanden habe, möchte ich sagen, dass er im Fernsehen oft sehr forsch auftritt, was meinem Naturell nicht entspricht. Aber ich sehe in ihm keinen so bedingungslosen Unterstützer der Israel-Lobby, wie dies bei den Antideutschen der Fall ist. M. erwähnt eine ARD-Doku, an die ich mich beim besten Willen nicht erinnern kann. An eine etwaige Kommentierung durch mich kann ich genauso wenig erinnern. Dass Wolffsohn Jude ist, stört mich in keiner Weise. Es wird Herrn M. wundern, dass zu meinen besten Freunden in Deutschland zwei Juden gehören, die nota bene keine „Abtrünnigen“ sind, sondern durchaus, wenn auch moderate Zionisten. Der eine ist Israeli und die andere eine slowakische Jüdin.
- Ahmad Mansour und Sawsan Chebli stören mich insofern, als dass sie so tun, als wäre der eine ausschließlich Israeli und die andere ausschließlich Deutsche. Ich finde, dass sie dadurch gerade in der Öffentlichkeit an Glaubwürdigkeit verlieren. Denken Sie einmal daran, dass Chebli den Schülern mit ausländischen Wurzeln den Besuch einer KZ zur Pflicht machen wollte. Das roch ein wenig nach Opportunismus, und ich verabscheue diese Eigenschaft. Übrigens: Mehrere Holocaust-Überlebende lehnten diesen Vorschlag kategorisch ab. Ich bin nicht weniger integriert (vielleicht sogar assimiliert) als Herr Mansour. Aber ich gehöre zu denen, die ihre Wurzeln nicht verleugnen können.
- Herr M. kennt meinen Terminkalender anscheinend besser als ich. Ich kenne einen gewissen Antisemiten namens Karam Khella gar nicht. Daher könnte ich mit ihm wohl auch nicht gemeinsam aufgetreten sein.
- Die Äußerungen von M. über meinen Vortrag zum Thema „Antisemitismus unter Muslimen“ (Ich habe diesen Vortrag bereits zweimal gehalten) sind völlig falsch, oberflächlich und manipulativ. Dort habe ich mich um größtmögliche Differenzierung bemüht (Fragen Sie doch mal bei der SPE-Akademie, Bonn nach) ,und das Publikum fand es besonders gut, dass ich die „romantischen“ Vorstellungen mancher Araber über die NS-Zeit vehement anprangerte. Ich habe aber auch gesagt, dass der Antijudaismus unter den Arabern zum Teil auch das Produkt israelischer Repressalien sei. Das sagen auch einige jüdische Forscher, die bitte schön nicht schon wieder als „jüdische Antisemiten“ bezeichnet werden möchten.
- Der Begriff „verbrannte Erde“ wurde auch im Zusammenhang des Kolonialismus und Pos-Kolonialismus verwendet, also nicht nur von den Nazis.
- Ich verurteile Gewaltakte der Israelis und der Palästinenser. Wenn Herr M. einen Vortrag von mir besucht hätte, wüsste er, was ich von der Option des bewaffneten Kampfes halte- nichts.
- Herr M. kommt dann zu Schluss: „Es muss konstatiert werden, dass es sich bei Dr. Aref Hajjaj um einen Referenten handelt, dessen Aussagen und inhaltliche Positionierung als antisemitisch einzustufen ist, wenn man als Bewertungsgrundlage z.B. den 3-D Test zugrunde legt, auf das wir uns in unserer gemeinsamen Erklärung verständigt haben.“
- Dieser demagogisch und undifferenziert denkende und agierende „Soziologe“ sollte sich schämen und vor allem sich bei mir entschuldigen.
Es ist sehr schade, dass Sie, sehr geehrter Herr Wegener, sich von diesem Herrn dermaßen haben beeinflussen lassen. .“
Zöpel schrieb an Wegener:
„Sehr geehrter Herr Wegener!
Etwas ungläubig erreichte mich die Information von Aref Hajjaj, dass die Auslandgesellschaft Dortmund ihn von einer geplanten Veranstaltung ausgeladen hat. Hajjaj war jahrelang im Auswärtigen Amt tätig und ich kenne ihn aus meiner Zeit als Staatsminster. Er ist Vorsitzender des Palästina Forums, dessen Beirat ich vorsitze. Ausgewogener als Hajjaj können die Interessen der Palästinenser kaum vertreten werden, dass sie die gleichen Menschenrechte besitzen wie Israelis oder Deutsche sollte wohl nicht bestritten werden. Zur Beurteilung des publizisztischen Wirkens Hajjajs finden Sie angehängt meine Rezension seines Buches "Land ohne Hoffnung? Arab. Nationalismus, politischer Islam und die Zukunft Palästinas" in der Rheinischen Post.
Notabene: Wegen des Verhaltens des verstorbenen Jürgen Möllemann in der Arabischen Gesellschaft haben Hajjaj wie auch ich diese Gesellschaft verlassen.
Mit respektvollen Grüßen
Ihr
Christoph Zöpel
_______________________________
Prof. Dr. Christoph Zöpel
Postadresse:
Kastanienweg 4, 44799 Bochum
Tel.: 0234 - 30 76 57 98
mobil: 0160 94 727 885“
Danach hat sich Herr Wegener wie folgt entschuldigt:
„Sehr geehrter Herr Dr. Hajjaj,
ich beziehe mich auf unser heutiges Gespräch. Für die Umstände und eventuellen Missverständnisse, die zur Absage Ihrer Veranstaltung bei uns im Hause am kommenden Donnerstag geführt haben, möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen.
Selbstverständlich war und ist es nie unsere Absicht gewesen, Sie und Ihre Arbeit in irgendeiner Form zu diskreditieren. Wie besprochen, werde ich mir noch ein eigenes Bild dazu machen. Gerne möchte ich mit Ihnen in einem konstruktiven Dialog bleiben und hoffe, dass wir eine Veranstaltung mit Ihnen in anderer Form nachholen können.“
Mit freundlichen Grüßen
Klaus Wegener
Präsident
Tel. 0231 838 00 - 25
Auslandsgesellschaft.de e.V.
Steinstr. 48, 44147 Dortmund“
Hierzu schreibt die DPG:
„Jetzt aktuell wieder die sog. Antideutschen, die radikalen Ideologen im Konzert der Lobby der israelischen völkerrechtswidrigen Regierungspolitik, die den renommierten Referenten Dr. Aref Hajjaj verhindern wollten (vgl. Anlage). Das gelang allerdings wieder nicht, da den Veranstaltern entsprechend deutlich gemacht wurde, wie absurd und unbegründet bei genauer Kenntnis seiner Schriften diese Vorwürfe waren. „
Anlässlich der Gründung des "Netzwerk zur Bekämpfung von Antisemitismus“ in Dortmund schrieb Aref Hajjaj an OB von Dortmund:
„Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Sierau ,
aus den Medien erfuhr ich, dass in Dortmund unter Ihrer Beteiligung ein "Netzwerk zur Bekämpfung von Antisemitismus" gegründet wurde. Seine Bekämpfung sei eine zentrale Aufgabe demokratischer Akteure. Dabei gelte es, Antisemitismus in all seinen Ausprägungen zu bekämpfen, sei er traditionell-religiös, rassistisch, islamistisch, antiimperialistisch oder auf Israel bezogen. Ich bin 1943 in Jaffa geboren worden, lebe seit 1961 in Deutschland, wo ich studiert und später im Deutschen AA gearbeitet habe (Anhang: CV). Seit 2003 leite ich das Palästina-Forum. Kein Wunder daher, dass meine Sozialisierung einschließlich meiner parteiengebundenen politischen Orientierung hierzulande erfolgte.
Ich habe keine Veranlassung, Ihre Initiative im Grundsatz abzulehnen. Bedenken habe ich allerdings gegen die dort zu Tage tretende, wenig differenziere Sichtweise, vor allem wenn von Ihnen und den anderen Initianten expressis verbis zwischen antijüdischer Haltung und einer kritischen Position gegenüber der Politik des Staates Israels nicht unterschieden wird. Dabei gibt es namhafte Israelis und Juden wie etwa Daniel Barenboim, Ex-Botschafter Schimon Stein, und die Wissenschaftler Mosche Zimmermann und Mosche Zuckermann, die auf eine solche Unterscheidung großen Wert legen. Vergessen darf man hier das Paradoxon nicht, dass diese Persönlichkeiten jüdischen Glaubens oft leichtfertig von der Israellobby als „Antisemiten“ diffamiert werden.
Ich habe am eigenen Leib erfahren (und erleiden) müssen, was es bedeutet, wenn man wie ich trotz ausgewogener Haltung zum Israel-Palästina-Konflikt und trotz klarer Verurteilung von Rassismus und Antisemitismus in den eigenen Büchern und Vorträgen von heute auf morgen des Antisemitismus bezichtigt und ausgeladen wird. Trotz der prompt erfolgten Entschuldigung durch den Veranstalter (in diesem Fall: die Auslandsgesellschaft Dortmund) spüre ich mit Verbitterung, dass dahinter der Versuch steckt, einen unbescholtenen, engagierten Bürger zu stigmatisieren. Lesen Sie bitte im Anhang darüber. Übrigens: Antijüdische Reflexe auch unter den Palästinensern sind selbstverständlich zu verurteilen. Die überwältigende Mehrheit der Palästinenser vor Ort und in der Diaspora wendet sich gegen die rechtslastige Politik in Israel keinesfalls aus religiösen oder gar ethnischen Gründen, sondern weil diese Politik der Ausdruck von völkerrechtswidrigen Formen der Besatzung und Besiedlung ist. Was ist daran „antisemitisch“? Die Palästinenser wären unter anderen Konstellationen genauso anti-maltesisch, antitürkisch usw.. Mit Rassismus hat diese Haltung also wirklich nichts zu tun.“
Am 23.03.2019 schrieb Hajjaj zur Anerkennung der Souveränität Israels über die besetzten syrischen Golanhöhen durch Trump:
„Der Anerkennung Gesamtjerusalems als Hauptstadt Israels und der Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem folgt nun die Anerkennung der Souveränität Israels über die besetzten syrischen Golanhöhen durch den sprunghaft und über Twitter kommunizierenden US-Präsidenten Trump.
Dadurch handelt er wieder einmal nicht nur wider das gültige Völkerrecht. Er düpiert darüber hinaus seine treuen Verbündeten (Vasalen) Saudi-Arabien, Emirate, Bahrain etc. am Persischen Golf und Ägypten, die seit einiger Zeit „strategische“ Allianzen mit Israel schmieden. Dass für diese Länder weder die Palästina-Frage noch andere besetzte arabische Gebiete von Relevanz sind, hat man schon an der Rhetorik von Muhammad bin Salman (Saudi-Arabien) und Muhammad bin Zayed (VAE) und in einem Interview des ägyptischen Präsidenten Sissi mit einem US-Fernsehsender deutlich genug erfahren. Mit dieser neuerlichen Ohrfeige haben sie dennoch nicht gerechnet. Mutmaßlich sind sie aber vorab informiert worden und haben diese Entscheidung hinnehmen müssen.
Das Empörungspotenzial seitens des Regimes des syrischen Präsidenten Assad und des Generalsekretärs der Arabischen Liga ändert nichts an der Tatsache, dass alle Regimes in den arabischen Staaten völlig handlungsunfähig sind und daher auf diese neue Provokation von Trump nur mit hohler Rhetorik zu reagieren in der Lage sind. Assad geht es wohl in erster Linie um den Machterhalt und nicht um eine „Petitesse“ um die Zukunft des Golans. Auch die Reaktion Deutschlands und der EU hat gar kein substantielles Gewicht. Hat Merkel nicht unlängst erklärt, dass die Wahrung der Sicherheitsinteressen Israels ein Bestandteil der deutschen Staatsräson sei? Auch Netanjahu und Trump machen im Zusammenhang mit der Legitimierung der Golan-Annexion ja Sicherheitsinteressen geltend.
Mit dem Tweet Trumps leistet dieser Netanjahu eine wertvolle Wahlhilfe und zementiert die weltweit herrschende Überzeugung, dass nicht das Völkerrecht, sondern das Gesetz des Dschungels die US-amerikanischer Außen- und Sicherheitspolitik bestimmt.
Übrigens: Die Politik Putins in Syrien und gegenüber der Ukraine (nicht nur in Bezug auf die Krim) ist völkerrechtlich und moralisch kaum höher zu bewerten als die Agenda des Twitter-Präsidenten. Daher ist seine Kritik der Anerkennung israelischer Souveränität über den Golan heuchlerisch und unglaubwürdig.“
Hajjaj nahm an folgender Veranstaltung in Bonn als Referent teil:
„EINLADUNG ZUM 9. NAHOST-TALK |
Wie weiter in Nahost?
Wahl in Israel – Stillstand in Palästina – Kaum Diskussionen in Deutschland |
Donnerstag, den 25. April 2019, 19 Uhr, im Gustav-Stresemann-Institut Bonn | |
Der israelisch-palästinensische Dauerkonflikt scheint unlösbar. Auch die Wahlen in Israel dürften nicht aus der Sackgasse herausführen, in der Friedensverhandlungen zum Stillstand kamen und US-Präsident Trump gleichzeitig Optionen wie die Statusklärung des Golan und Jerusalems vorzeitig zu endgültigen Fakten erklärt hat. Europäische Schlichtungsversuche werden in Jerusalem zurückgedrängt und die Suche nach einer Lösung mit vielen Worten immer wieder vertagt. Zu Lasten der Menschen und des Völkerrechts. In Deutschland spielt der ungelöste Streit derzeit nur punktuell eine Rolle – etwa, wenn es zu Angriffen beider Seiten kommt. Diskussionen werden kritisch beobachtet und eher in ihrer Wortwahl beurteilt, als an den auslösenden Ereignissen. Dazu schrieben Shimon Stein und Moshe Zimmermann schon 2018 von einer "undifferenzierten, automatisierten Gleichsetzung der Israel-Kritik mit Antisemitismus" und sprachen von "einem falschen Pfad".
Auf Einladung des Gustav-Stresemann-Institut e.V. (GSI) und der Deutschen Initiative für Nahen Osten (DINO) diskutieren darüber im 9. Nahost-Talk:
Prof. Dr. Rita Süssmuth, ehem. Bundestagspräsidentin (angefragt)
Prof. Dr. Moshe Zimmermann (israelischer Historiker)
Dr. Aref Hajjaj (Politikwissenschaftler, Deutsches Palästina-Forum)
Dr. Rolf Mützenich (außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion)
Moderation: Thomas Nehls (Journalist, Berlin)
Die Veranstaltung ist kostenfrei, um eine Anmeldung wird gebeten:
https://www.gsi-bonn.de/nahosttalk
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.
Dr. Ansgar Burghof
Direktor und Vorstand
Gustav-Stresemann-Institut e.V. „
Hajjaj hielt vor der DPG in Königswinter einen Vortrag zum Thema: „Der Israel-Palästina-Konflikt und der regionale Krisenherd“ am 9. Mai.
Hajjaj hielt am 6. Juni vor dem Verein „Kurfürsten“ einen Vortrag zum Thema: „Der Israel-Palästina-Konflikt und die Lösungsperspektiven“. Die Einladung lautete:
„Sehr verehrte Damen , liebe Kurfürsten,
Unser Stammtisch im Juni findet statt
am 6. Juni 2019 um 18 Uhr Ort: Haus der Arminia,
Kaiserstraße 85, 53113 Bonn
Herr Dr. Aref Hajjaj berichtet über die aktuelle Lage im Palästina-Israel-
Konflikt und die Zukunftsperspektiven
Anmeldungen an den Vorsitzenden erbeten bis 29. Mai 2019.
Euer Schriftführer
Franz Wallrafen“
Die Frankfurter Rundschau veröffentlichte am 4. Juni folgenden Artikel von Aref Hajjaj:
GASTBEITRAG
Ein Staat für Israelis und Palästinenser
· Von Aref Hajjaj
Mit einem größeren Willen zum Frieden und weniger Nationalismus auf beiden Seiten könnte es einen Ausweg aus dem Konflikt geben. Ein Gastbeitrag von Aref Hajjaj.
Im Kerngebiet Israels funktioniert zwar in einigen Regionen wie Jaffa oder Nazareth ein bescheidenes Maß an Koexistenz zwischen jüdischen und palästinensischen Israelis. In anderen Landesteilen dagegen leben die beiden Volksgruppen entweder voneinander getrennt oder im Zustand eines latenten Spannungsverhältnisses. Es erscheint daher utopisch anzunehmen, dass ein gemeinsamer Staat von Juden und Palästinensern im gesamten Gebiet von Historisch-Palästina eine machbare Alternative zum bestehenden Status quo wäre.
Gäbe es auf beiden Seiten mehr Friedenswille und weniger Nationalismus, könnte diese Vision dennoch Realität werden, wobei dann beide Volksgruppen die gleichen Rechte und Pflichten haben müssten. Der gemeinsame Staat besteht heute schon, allerdings in Form eines auf Trennung basierenden Staatswesens.
Natürlich gibt es andere Optionen für die Staatsbildung. Die Zweistaaten-Option, also die Gründung eines Staates in den besetzten Gebieten, wäre der richtige Ansatz, zumal darüber weltweiter Konsens besteht. Andererseits würde der neue Staat ohne die Räumung der jüdischen Siedlungen nicht aus einem zusammenhängenden Territorium bestehen. Weitere Erschwernisse betreffen die Lebensfähigkeit dieses Modells und die territoriale Trennung zwischen der Westbank und dem Gazastreifen.
Über die Eckpunkte eines weiteren Modells, des „Jahrhundertdeals“ unter der Patronage der USA, Saudi-Arabiens und Ägyptens, kann man nur spekulieren. Dieser scheint aber der Ausdruck einer aus der Not geschmiedeten Allianz gegen Iran denn ein solider Ansatz zur Lösung des Konflikts zu sein. Außerdem sieht dieses ominöse Modell die Einverleibung ägyptischer Territorien vor, was von Nach-Sisi-Regierungen kaum mitgetragen werden würde.
Eine weitere Option wäre die Aufrechterhaltung des Status quo. Doch so wird man den ewigen Konflikt nicht lösen, den Anrainerstaaten keine Stabilität und Sicherheit garantieren und die sozioökonomischen Probleme in Israel und erst recht in „Palästina“ kaum lindern können.
Langfristig gibt es daher für Israelis und Palästinenser keine praktikablen Alternativen für den gemeinsamen Staat, indem die rechtsstaatlichen Prinzipien wie Gleichheit vor dem Gesetz, Gewaltenteilung, Wahrung der Menschenrechte und Meinungsfreiheit sowie intakte Wirtschaftsstrukturen und Mobilität herrschen.
Das bedarf allerdings eines kulturellen und strukturellen Umdenkens auf beiden Seiten, vor allem bei den mächtigen, stark nationalistisch geprägten politischen Eliten Israels. Dass auch im künftigen Staat extreme religiöse und politische Strömungen auf beiden Seiten weiter existieren werden, wäre verkraftbar, solange die verfassungsmäßig verankerten Hauptsäulen des Systems vom Geist liberaler Demokratie und nicht von einem jüdischen oder arabischen Überlegenheitsgefühl bestimmt sind.
Die Idee eines demokratischen binationalen Staates wurde schon in den 1970er Jahren, lange bevor die Zwei-Staaten-Option durch den exzessiven Siedlungsbau obsolet geworden ist, von links-liberalen Palästinensern und Israelis gemeinsam entworfen. Shir Hever, ein profunder Forscher der wirtschaftlichen Situation in den besetzten Gebieten, beobachtet neuerdings eine Tendenz zugunsten des Ein-Staaten-Modells vor allem unter den Palästinensern. Es gibt Befragungen, die tatsächlich belegen, dass 70 Prozent der Palästinenser weltweit den gemeinsamen Staat favorisieren.
Tatsache ist allerdings, dass die Mehrheit der Israelis den binationalen Staat ablehnt. Eine Akzeptanz dieser Option dürfte auch kurz- und mittelfristig kaum zu erreichen sein, da die herrschende Staatsidee auf dem Zionismus basiert, der wiederum einen „jüdischen“ Absolutheitsanspruch auf das gesamte Gebiet erhebt.
Regierungschef Benjamin Netanjahu bedient sich dieser Rhetorik ständig. Das Hantieren mit dem „demografischen Faktor“ ist wiederum nicht frei vom rassistischen Denken. Auf palästinensischer Seite hat man sich infolge von Niederlagen, Perspektivlosigkeit und Ernüchterung von ähnlichem Absolutheitsdenken verabschiedet. Im Übrigen sollten die Begriffe „Heimschaffung“ aller Juden und „Rückkehrrecht“ der Palästinenser realistisch ausgelegt werden.
Es ist zu hoffen, dass in Israel künftig die Einsicht wächst, dass dem Staat Israel trotz seiner militärischen Stärke der Weg zum Frieden und zur Lösung sozio-ökonomischer Probleme auch unter der jüdischen Mehrheit nicht ausreichend geglückt ist. In diesem Defizit könnte die Chance für ein Umdenken oder auch für die Akzeptanz des binationalen Gedankens als zukunftweisendes, tragfähiges Konzept durch die Mehrheit Israels liegen.
Aref Hajjaj ist ein deutsch- palästinensischer Autor. Er schrieb unter anderem das Buch „Land ohne Hoffnung?“
Auf Einladung der Studentenverbindung Armenia zu Bonn hielt Hajjaj einen Vortrag über die Vision des Gemeinsamen Staates Palästina/Israel am 6. Juni. Die Veranstaltung war gut besucht und die Diskussion verlief lebhaft, aber nicht kontrovers.
Im Juni schrieb Hajjaj folgenden Leserbrief an die NZZ über den dort erschienenen Artikel über Herrn Cassis und seine ungebrochene Unterstützung Israels:
„Ein Israel-Freund auf heikler Mission – Ignazio Cassis setzt neue Akzente“:
Bundesrat Cassis bricht durch seine ostentative Israel-freundliche Aussenpolitik mit der jahrzehntelangen, bewährten Nahostpolitik der Schweiz, welche von Ausgewogenheit sowie Sach- und Interessenorientierung geprägt war.
Erfreulich ist allerdings in diesem Kontext zu vernehmen, dass Cassis´ Neuorientierung beim Bundesrat und Teilen der Parlamentarier auf Skepsis, zum Teil auch auf Ablehnung stösst. Niemand verübelt Herrn Cassis sein tiefes Entsetzen über den Holocaust, denn dies ist ein moralisches Allgemeingut auch unter der Mehrheit der Palästinenser. Doch er scheint die Tatsache ausblenden zu wollen, dass diese nicht nur nicht für den Holocaust verantwortlich, sondern nach Ansicht vieler israelischer Bürgerrechtler sogar dessen indirekte Opfer sind. Dass Cassis von der israelischen Demokratie fasziniert ist, ist wegen der Tatsache ebenfalls nicht zu beanstanden, dass das regionale Umfeld aus lauter Diktaturen besteht. Bedenklich ist dennoch, dass die palästinensischen Israelis, immerhin machen sie ca. 20 % der Bevölkerung aus, in der Praxis benachteiligt, ja diskriminiert werden, was die Prinzipien liberaler Demokratie im Hinblick auf den Umgang mit Minderheiten grob verletzt.
Das EDA ist durchaus berechtigt, den Raketenabschuss von Gaza aus zu verurteilen (Dieser schadet übrigens den Interessen der Palästinenser zu allererst). Einseitig ist diese Aussage dennoch, solange sie nicht mit einer nachhaltigen Verurteilung der Blockade von Gaza und des exzessiven Siedlungsbaus in der Westbank ergänzt wird.
Arbeitsplätze für jugendliche Palästinenser zu schaffen, ist gewiss ein hehres Ziel. Wie soll das aber von statten gehen, solange die Verhältnisse in den beiden besetzten Gebieten so bleiben, wie sie nun mal sind? Das sind Fragen, die Herr Cassis weder stellt noch zu beantworten vermag.
Dr. Aref Hajjaj, Bonn
Der Artikel der NZZ (Zürich)
Am 14. Juli schrieb Hajjaj an Mitglieder und Freunde des Forums:
„Der Bundestag verabschiedete im Mai 2019 eine fraktionsübergreifende Resolution, die zum Teil auf Initiative der FDP und des Gesundheitsministers Spahn zustande kam und im Kern die fragwürdige These vertrat, dass die BDS-Bewegung „antisemitisch“ sei. Nun lesen Sie bitte aus dem aktuellen Spiegel (Nr. 29) folgenden Artikel: „Gezielte Kampagne - Ein deutsch-jüdischer und ein proisraelischer Verein haben im Bundestag ein enges Netzwerk gespannt – mit fragwürdigen Methoden. Es geht um eine andere Nahostpolitik.“
Dieser Artikel beschreibt in erschreckender Präzision den zunehmenden Einfluss des israelischen Premiers Netanjahus und seiner Lobbyisten in Berlin auf die deutsche Nahostpolitik. Nebenbei muss man bemerken, dass diese Politik, sofern sie die Handschrift von Frau Merkel und Herrn Maas trägt, ohnehin dezidiert proisraelisch ist, also alles andere als „ausgewogen“, wie sie von einem AA-Staatsminister beschrieben wird.
Viele Grüße,
Aref Hajjaj
Direkt zum Artikel: http://l.spiegel.de/6WaBbYNb“
Mit dieser Einleitung moderierte Hajjaj folgenden Vortrag von Dr. Abed Shokry aus Gaza in Bonn am 19. Juli:
„Ist Gaza vergessen? Ja, denn Medien berichten nur bei Kriegen und gewaltsamen Auseinandersetzungen, nicht jedoch über das grauenhafte Alltagsleben:
Dort herrscht Mangel an
Nahrung, Wasser einschließlich Trinkwasser, Strom, Mobilität ++++
Insgesamt an Lebensqualität.
Für viele Medien wiegt der Raketenbeschuss aus Gaza schwerer als die humanitäre Katastrophe, unter der die gesamte Bevölkerung leidet.
Ist Gaza besetzt? Noch schlimmer
Land-, See- und Luft-Blockade
„babylonische Gefangenschaft“(Isr, Ägypt)
Dr. Abed Schokry hat in Deutschland studiert und promoviert. 2007 kehrte er nach Gaza Stadt zurück und lebt dort mit seiner Frau (ebenfalls in D studiert) und vier Kindern. Als Professor für Arbeitswissenschaft lehrt er an der Universität und teilt die äußerst schwierigen Lebensverhältnisse mit seinen Landsleuten. Danach bemühte er sich drei Jahre erfolglos um eine Ausreisegenehmigung. Er erhielt sie vor ca. 4 Wochen. Am 15. August muss er zurück nach Gaza. Er weiß noch nicht, ob er glatt wieder einreisen kann.
Deshalb möchte er sich in seinem Vortag auf Gaza beschränken, obwohl er genau weiß, welche gravierenden Probleme in Sachen Isr-Pal bestehen.
3 Stichwort genügen: 1. Besatzung 2. exzessiver Siedlungsbau durch Israel.
3. Spaltung der pal. Führung.
Dieser Abend bietet eine ausgezeichnete Gelegenheit, exakte und authentische Nachrichten aus erster Hand zu hören und nachzufragen. Zumal: Kaum jemand, der nach Israel/Palästina fährt, die Erlaubnis erhält, nach Gaza zu reisen.
Veranstalter: FrauenWegeNahost/ Arbeitskreis Frieden von Aufstehen Bonn
Unterstützer: Palästina-Forum, Institut für Palästinakunde Bonn/ Palästinensische Gemeinde Bonn/ DPG-NRW-Süd/ Deutsch-Palästinensischer Frauenverein. „
Hajjaj schrieb folgenden Leserbrief an die Süddeutsche
„Der Bundestag verabschiedete im Mai 2019 eine fraktionsübergreifende Resolution, die auf Initiative proisraelischer Lobbyvereine , zum Teil auch unter der nachhaltigen Mitwirkung einiger FDP-Parlamentarier und des Gesundheitsministers Spahn zustande kam und im Kern die umstrittene These vertritt, dass die BDS-Bewegung „antisemitisch“ sei. In Ihrem gut recherchierten, man möchte auch sagen „mutigen“ Artikel: „Gezielte Kampagne - Ein deutsch-jüdischer und ein proisraelischer Verein haben im Bundestag ein enges Netzwerk gespannt …“ beschreiben Sie in erschreckender Präzision den zunehmenden Einfluss des israelischen Premiers Netanjahus und seiner Lobbyisten in Berlin auf die deutsche Nahostpolitik. Diese Interessenvertreter, die offensichtlich einen direkten Draht zur israelischen Machtzentrale haben, handeln so als wäre die deutsche Israel-Palästina-Politik einseitig propalästinensisch und daher einer gründlich Korrektur zugunsten Israels bedürfte. Tatsache ist jedoch, dass dieser Bereich der deutschen Außenpolitik schon immer darauf bedacht war, die Interessen des Staates Israel mit allen erdenklichen materiellen, ideellen, sicherheits- und rüstungspolitischen Mitteln zu bedienen. Man muss sogar konstatieren, dass aktuell die Nahostpolitik der Bundesregierung unter der Ägide von Bundeskanzlerin Merkel und Außenministers Maas so dezidiert proisraelisch ist wie noch nie. Man denke an Merkels Bekenntnis zu den Sicherheitsinteressen Israels als Teil der deutschen Staatsräson. Man denke auch an die Überbetonung des Holocaust durch Maas, als hätte dieses singuläre Verbrechen mit dem Wunsch der Palästinenser nach Selbstbestimmungsrecht irgendetwas zu tun. Sie schreiben, dass der Staatsminister im Auswärtigen Amt Niels Annen die Entschlossenheit der Bundesregierung betont habe, an der „ausgewogen“, Nahostpolitik festzuhalten. Richtiger wäre zu verlangen, dass diese Politik endlich ausgewogen werden sollte. Im Übrigen ist es legitim, Israels völkerrechtswidrige Siedlung- und Besatzungspolitik endlich zu sanktionieren. Dies ist die Kernprämisse der BDS-Bewegung. Warum wird diese Forderung dermaßen kriminalisiert, während Sanktionen etwa gegen Russland oder Iran nicht nur gefordert, sondern tatsächlich und zum Teil exzessiv verhängt?“
Aktivitäten im September/Oktober:
- Hajjaj hielt am 26. 9. auf Einladung der Ev.-Reformierten Kirche in Zürich einen Vortrag zum Thema „Perspektiven für die Palästinenser?“.
- Hajjaj hielt am 29. 9. auf Einladung der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft in Ascona (Schweiz) einen Vortrag über „Antisemitismus unter Muslimen?“.
- Hajjaj hielt am 3. 10. auf Einladung des Deutschen Clubs Ticino in Lugano (Schweiz) einen Vortrag zum Thema „Deutschland- Schweiz: Systemvergleich“.
- Hajjaj nahm in Bonn an einer Podiumsdiskussion mit Graf Lambsdorff (u.a.) über die Friedensaussichten im Nahost. Veranstalter: Fr. Naumann-Stiftung.
- Hajjaj hielt am 24. 10. auf Einladung der GIK einen Vortrag in Bonn-Bad Godesberg über „Antisemitismus unter Muslimen?“.
In seinen Sendungen an Mitglieder und Freunde nahm Hajjaj im November und Dezember zu aktuellen deutschen und internationalen Ereignissen betreffend die Palästinafrage ausführlich und über verschiedene Medien Stellung.
2017
PALÄSTINA-FORUM e.V.
منبر فلسطين
C/o Dr. Aref Hajjaj (Vorsitzender)
Auf dem Essig 8, D 53127 Bonn
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[email protected] Vorstand :Dr. Aref Hajjaj (Vorsitzender), Dr. Remon Azar, Karl-Hermann Windisch
Vorsitzender des Beirats Dr. Christoph Zöpel (Staatsminister a.D.)
Bankverbindung: Palästina-Forum, Sparkasse Bonn, Konto-Nr. 35102326 (BLZ 38050000)
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Bonn, den 15. Januar 2018
Veranstaltungskalender 2017
Aref Hajjaj nahm zum offenen Brief von Prof. Mohseen Massarrat wie folgt Stellung (Es ging um eine Kritik an Navid Kermanis Beurteilung des Syrien-Konflikts):
„In seinem offenen Brief an Navid Kermani analysiert Mohssen Massarrat den Syrien-Konflikt (sollte man diesen doch nicht lieber das Syrien-Desaster nennen?) teils objektiv, teils voreingenommen. Aber wir wissen nicht erst seit Max Weber, dass in den Humanwissenschaften in aller Regel Wertungen zum Inhalt von Studien und Expertisen gehören.
Objektiv und einleuchtend ist die Schilderung der Gemengelage und antagonistischen Macht- und Ideologie-Interessen im syrischen Dauerkonflikt durch Massarrat. Auch hinsichtlich des Beitrags der Friedensbewegung mag man ihm recht geben. Schließlich ist diese Bewegung angesichts der aus den Fugen geratenen Weltlage, angesichts von nicht enden wollenden Kriegen, Massakern und Gräueltaten nicht zuletzt im arabischen Teil des Nahen Ostens völlig überfordert.
Bei der Beurteilung von Inhalt und Vielfalt regionaler und internationaler Akteure dieses Desasters scheint Massarrat allerdings die nötige Objektivität gelegentlich abhanden gekommen zu sein. So hat er keinerlei Probleme damit, Präsident Putin für einen autoritären Herrscher zu halten, der für das Regieren in Russland zu undemokratischen Mitteln greife. Auch bekennt er, dass Präsident Assad von Beginn an Gewalt gegen friedfertige Demonstranten einsetzte, die gegen dessen Diktatur auf die Straße gegangen seien. Er konstatiert gleichzeitig, Assad sei der „legaler Präsident“ Syriens und betont dessen Bedeutung für die Minderheiten, wobei er die Tatsache ausblendet, dass es auch in den Reihen von Christen und Alawiten viele Assad-Gegner gibt. Es ist unbestritten, dass der nicht gerade „lupenreine“ Demokrat Putin dennoch durch demokratische Wahlen seine Macht aufrechterhalten konnte. Aber kann man ebenfalls Assad, der in Mitten von blutigem Krieg, von Massakern, Flucht und Vertreibung der eigenen Bevölkerung sich zum Präsidenten bestätigen ließ, wirklich ein „legaler“ Präsident nennen? Wohl kaum. Tatsache ist allerdings: Hinsichtlich der Demokratie-Defizite gilt das mit Ausnahme von Tunesien für alle arabischen Staaten, erst recht für die Golfpotentaten, aber genauso für die Demokratie-Attrappen im Irak, im Libanon und erst recht in Ägypten. Tatsache ist auch, dass es beim Syrien-Drama nicht primär um Demokratie geht.
In der Gesamtbeurteilung des Syrien-Desasters hat nicht Massarrat, sondern Kermani die stichhaltigeren Argumente. Zunächst: Dass beide Kontrahenten und nicht nur sie die barbarischen Handlungen des IS aufs schärfste verurteilen, ist ja eine nicht weiter zu diskutierende Binsenwahrheit. Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass Kermani in seinen vielen Essays und Interviews ausnahmslos alle Akteure dieses Konflikts tadelt, ja verurteilt : den Westen, an führender Stelle die USA, die prowestlichen Verbündeten Türkei, Saudi-Arabien und alle anderen Staaten des Golfkooperationsrats, genauso die Protagonisten der anderen Front- an erster Stelle Russland, gefolgt von Iran, dem Assad-Regime und den mit ihm verbundenen Milizen. Massrrat ist da etwas voreingenommener. Für ihn liegt die Schuld primär, um nicht zu sagen ausschließlich beim Westen und seinen Verbündeten, keinesfalls bei Russland, Iran und dem Assad-Regime. Zynisch mutet seine lapidare Feststellung an, allein durch die russisch geführte Militärallianz sei der Krieg in Aleppo beendet worden. Hier scheint er ausgeblendet zu haben, dass dadurch nicht nur der Krieg, sondern auch die Stadt selbst „beendet“ worden ist. Unbestritten trägt dabei auch die bewaffnete Opposition, in erster Linie der IS einen großen Teil der Verantwortung. Aber eben auch Russland und seine Verbündeten sind hier im starken Maße mitverantwortlich.
Ich kritisiere an Teilen von Mohssen Massarrats Stellungnahme die nötige, ja zielgerichtete Differenzierung des Syrien-Konflikts. Die Lösung muss von allen
innersyrischen Akteuren einschließlich des Assad-Regimes angepeilt werden. Nur wenn diese Einsicht sich durchsetzt, könnte eine Zukunftsperspektive für das geschundene Land, das heimgesuchte Volk gefunden werden. Der Westen, Russland, Iran und seine Verbündeten sollten sich daher so bald wie möglich aus diesem Konflikt heraushalten. Innerhalb des Regimes gibt es moderate und vernunftorientierte Personen, die zwar inzwischen entmachtet worden sind, für künftige Dauerlösungen jedoch dringend gebraucht werden könnten. Sowohl das Regime als auch viele Vertreter der Opposition sind zwar Teil des Problems, können aber auch Teil der Lösung werden. Für den IS kann es nur eine Devise geben: Er muss von den Syrern selbst gemeinsam und nachhaltig vernichtend bekämpft werden.“
Das Gustav-Stresemann-Institut e.V. und die Deutsche Initiative für den Nahen Osten (DINO) laden Sie herzlich ein zum
5. Nahost-Talk |
Montag, den 6. Februar 2017, 19 Uhr |
|im Gustav-Stresemann-Institut e.V. | Langer Grabenweg 68 | 53175 Bonn |
| Der Nahost-Talk des Gustav-Stresemann-Instituts und der | In Syrien tobt ein blutiger Bürgerkrieg, der IS-Terror |
| Deutschen Initiative für den Nahen Osten (DINO) unternimmt | destabilisiert die Region, der Friedensprozess zwischen |
|
| den Versuch, die verschiedenen Realitäten im Nahen Osten zu | Israel und Palästinensern liegt am Boden. Politische und |
| beschreiben und will dazu beitragen, den Konflikt zu verstehen. | wirtschaftliche Stabilität sieht anders aus. Wie wird es in |
|
|
| Wir wollen Fragen stellen und nach Antworten suchen. | dieser für Deutschland und Europa so wichtigen Nachbarregion |
| Hoffnungen auf eine Demokratisierung sind auf eine Realität | weiter gehen? Wie sieht die Vision einer neuen Ordnung aus? |
| zurückgeworfen, die - aus westlicher Sicht - Sorge bereitet. | Wie groß sind die Einflussmöglichkeiten Deutschlands? |
| Programm | 19.00 Begrüßung | Dr. Ansgar Burghof, Direktor des Gustav-Stresemann-Instituts e.V., Bonn
| | | Rudolf Dreßler, DINO-Kuratoriumsmitglied und ehemaliger Botschafter Deutschlands
| | | in Israel
| | 19.10 Diskussion | Israel und Palästina 50 Jahre nach dem 6-Tage-Krieg:
| | | Besetztes Land zwischen Siedlungsbau und Zwei-Staaten-Lösung
Botschafterin Dr. Khouloud Daibes, Leiterin der Palästinensischen Mission
in Deutschland
Dr. Aref Hajjaj, Politologe und Vorsitzender des Palästina-Forums Bonn
Botschafter a.D. Avi Primor, ehemaliger Vertreter Israels in Deutschland
Dr. Gil Yaron, Nahost-Korrespondent der Zeitung DIE WELT
| | Moderation | Thomas Nehls, Journalist, Berlin
| | 20.30 Empfang |
| | Nach der Diskussion besteht die Möglichkeit zum persönlichen Gedankenaustausch
| | | bei einem Glas Wein.
Unser Aschermittwoch Fischessen findet in diesem Jahr am 01. März 2017 ab 19:00 Uhr im Haus am Rhein in BN-Beuel, mit einem traditionellen Herings – Menue mit Dessert, - der „schmerzlich“ beginnenden Fastenzeit angepasst -, statt.
Zu einem kürzeren, aber politisch sicher sehr interessanten Vortrag haben wir Herrn Dr. Aref Hajjaj zum Thema Israel und Palästinenser noch einmal gewinnen können.
Vor 2 Jahren hatte er uns bei gleicher Gelegenheit aus seiner Sicht einen Einblick über Entwicklungsmöglichkeiten hinsichtlich einer Befriedung des Zionismus mit dem arabischen Nationalismus gegeben. So werden seine heutigen Gedankenkonstellationen als Ergänzung zu seinem seinerzeitigen Vortrag sehr interessant sein.
Lesung und Diskussion mit
Dr. Aref Hajjaj (Bonn):
Land ohne Hoffnung?
Die Zukunft des palästinensisch-israelischen Verhältnisses
Musikalische Begleitung: Danilo Oberdan Napoleoni
Moderation: Ekkehart Drost
Dienstag, 7. März 2017, 19 Uhr 30
Galerie Alte Feuerwache
Ritterplan 4
Forum für internationale Begegnung
Andreas Loesch – Präsident
lädt die Mitglieder und Freunde des Colloquium Humanum e.V. zu dem Vortrag ein:
„Land ohne Hoffnung? Arabischer Nationalismus, politischer Islam
und die Zukunft Palästinas“
von
Dr. Aref Hajjaj, Vorsitzender des Palästina-Forums-Bonn
am
Donnerstag, 9. März 2017, 19 Uhr
im
Vortragsaal der ABK (ehem. Spanische Botschaft), Am Kurpark 7, 53175 Bonn
Der Vortrag von Dr. Aref Hajjaj basiert auf seinem gleichnamigen neuen Buch zur Lage im Nahen Osten. Der Autor bezieht sich hier vor allem auf die historischen Spuren des arabischen Nationalismus und des politischen Islam. Dr. Hajjaj vertritt die These, dass diese beiden Bewegungen viel enger miteinander verbunden sind als der Westen es annimmt.
Er benennt als Gründe für die andauernde Krise in der Region den Irak-Krieg und die ungelöste Situation in Palästina. Der Referent wird darlegen, welche realistischen Möglichkeiten zur Lösung des Konflikts im Nahen Osten es seiner Meinung nach geben kann.
Dr. Aref Hajjaj ist 1944 in Jaffa geboren. Mit 18 Jahren kam er nach Deutschland und studierte in Heidelberg. Lange Jahre war er im Auswärtigen Amt.
Dr. Hajjaj ist Autor vieler Bücher und Vorsitzender des Palästina-Forums-Bonn.
Die Veranstaltung ist eine Kooperation des Colloquium Humanum e.V. und der Arbeitsgemeinschaft für Bildung und Kultur Bonn und Umgebung e.V. (ABK).
Auf Einladung der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft NRW Süd in Königswinter stellte Hajjaj am 6. April sein neues Buch vor. Anschließend wurde lebhaft über die Friedensaussichten und die Staaten-Optionen diskutiert.
Besuch in Jordanien April: Auf eigene Kosten besuchte Hajjaj vom 12.- 21. April Jordanien, wo er sich über die Lage der dort lebenden Palästinenser erkundigte. Dort traf er sich mit wichtigen jordanischen und palästinensischen Multiplikatoren wie Dr. Kassem Kamal, Sultan Adwan, Dr. Ghassan Jayyousi. Ebenfalls führte er Gespräche mit Bewohnern der Flüchtlingslager in Ost-Amman, die keine Flüchtlingslager mehr im herkömmlichen Sinne, sondern eher vernachlässigte Slums sind.
Im Mai schrieb Hajjaj:
„Der Premierminister der „einzigen Demokratie im Nahen Osten“ (so definiert sich Israel doch auf dem internationalen Parkett) weigert sich heute, Außenminister Sigmar Gabriel zu empfangen, nur weil dieser darauf besteht, auch mit Vertretern israelischer NGOs wie etwa „B’tselem“ und „Breaking the Silence“ zu sprechen, die die Besetzung Palästinas im Klartext verurteilen. Ein Armutszeugnis.“
Im Mai nahm Hajjaj in Berlin an einem deutschsprachigen und einem arabischsprachigen Talk der Dt. Welle/TV teil. Thema: Krise der deutsch-israelischen Beziehungen nach Weigerung Netanjahus, sich mit AM Gabriel zu treffen.
Am 31. Mai hielt Hajjaj vor der Bonner Studentenverbindung Ripuaria einen Vortrag zum Thema:
„Der Israel-Palästina-Konflikt und das krisenhafte Umfeld [Syrien, Irak, Türkei]- Aktuelle Lage und Zukunftsaussichten“.
Anschließend gab es eine lebhafte Diskussion.
Zur ARD-, ARTE-Doku über den Zionismus Mitte Juni schrieb Aref Hajjaj:
„Offensichtlich sah sich die ARD unter massivem Druck seitens der Israel-Lobby gezwungen, ihren Beschluss zu revidieren und den Dokumentarfilm „Auserwählt und Ausgegrenzt. Der Hass auf Juden in Europa“ doch auszustrahlen (am 21. Juni). Im Anschluss daran wurde bei Maischberger über den Film und die Thematik des Antisemitismus in Europa diskutiert.
Anmerkungen zum Film und zur TV-Diskussion:
Der Dokumentarfilm. Man muss nicht voreingenommen sein, um zu konstatieren, dass diese Doku, die den Anspruch erhebt, ein wichtiges und komplexes Thema umfassend zu behandeln, erhebliche handwerkliche und, was wichtiger ist, inhaltliche Defizite aufweist. Strukturell besteht der Film aus einer chaotischen Gemengelage. Kleines Beispiel: Das Thema heißt wohl „Der Hass auf Juden in Europa“. Aber große Teile des Films wurden im Nahen Osten, in Palästina und Israel, gedreht, wobei die Filmemacher mit Hilfe oberflächlicher Recherche belegen wollten, dass das Grundübel des Antisemitismus eben in diesem Teil der Welt liege. Schlecht konzipiert und ohne ein stichhaltiges, nachvollziehbares Argumentationsmuster hüpfen die Autoren der Doku zusammenhanglos von einem Thema zum anderen. Journalistische Sorgfalt sieht bestimmt anders aus. Man kann daher mit Bestimmtheit sagen, der Film ist nicht nur extrem einseitig pro-israelisch und antipalästinensisch, er hat darüber hinaus das Genre eines nach Propaganda orientierten Pamphlets. Schon die Darstellung der zeitgeschichtlichen Entstehung des Staates Israel ist voller Zynismus und Manipulation. Dort gewinnt der Zuschauer den Eindruck, die jüdischen Militärverbände hätten keinen Druck auf die palästinensische Bevölkerungsmehrheit ausgeübt. Vielmehr seien die Palästinenser „freiwillig“ weggezogen. In der anschließenden Debatte verwiesen immerhin der Rundfunkdirektor des WDR, Jörg Schönenborn, und der frühere Bundesminister Blüm auf vielfache Massaker jüdischer Terroristen bereits seit 1937 gegen die Zivilbevölkerung. Stereotypisch zeigt der Film unverblümt, dass es sich bei den Konfliktparteien um „gute“ Israelis und „böse“ Palästinensern handle. „Böse“ sind auch nach Darstellung des stark verkürzenden Films die NGOs, auch die israelischen unter ihnen, die sich wie B’Tselem um das Schicksal der von Israel drangsalierten Zivilisten in Palästina kümmern. Diese Gruppen seien nicht nur „böse“, sondern obendrein „Antisemiten“. Diese und ähnliche israelische und internationale NGOs werden außerdem als die „fünfte Kolonne“ von Hamas gebrandmarkt. Zudem wird der Siedlungsbau auf besetzten palästinensischen Gebieten als völlig normal dargestellt. Kronzeuge dafür wird ein im Siedlungsbau tätiger palästinensischer Arbeiter herangezogen, der die Arbeitsbedingungen dort euphorisch lobt. Die Doku lobt im Zusammenhang mit Unruhen in Paris die Jewish Defense League, ohne zu erwähnen, dass diese selbst in Israel und in den USA wegen ihres terroristischen Charakters verboten ist. Dagegen wird im Film die BDS-Bewegung („Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen“), die sich vornehmlich gegen Warenausfuhr aus den (illegalen) jüdischen Siedlungen wendet, ebenfalls als antisemitisch verunglimpft. Nebenbei bemerkt: Auch der frühere Bundesminister Blüm wird wegen seines humanitären Engagement für die Palästinenser vom Zentralrat der Juden in Deutschland als Antisemit bezeichnet. Diese „Schwarze Liste“ enthält unzählige Namen aus Deutschland, Europa und weltweit. Der zur unsachlichen Polemik und Vereinfachung neigende Henryk Broder dürfte mit diesem Film sehr einverstanden sein. Aber diese Ehrung ist nicht gerade ein Gütezeichen.
Die Diskussion bei Maischberger.Es spricht nicht gerade für Augenmaß und Objektivität, dass der deutsch-jüdische Historiker Wolffsohn die Doku trotz all dieser Defizite als beste ihrer Art lobte. Dass er zu den Beratern der Autoren gehörte, macht ebenfalls bedenklich. Noch schlimmer: Er sprach im Zusammenhang mit der Weigerung von arte, den Film auszustrahlen von „Zensur“. Wolfsohn beklagt den hohen Prozentsatz des Antisemitismus unter den muslimischen Migranten in Deutschland und Frankreich. Bzw. in ganz Europa, wobei er nicht hinterfragt, ob dieses Phänomen primär politisch einzuordnen ist und sich gegen die „Politik“ Israels richtet.
Rolf Verleger kritisiert vom Boden liberaler Perzeption des Judentums die Einseitigkeit des Films und sieht eine Schieflage bei der Beschreibung jeglicher Israel-Kritik als antisemitisch. Er prangert mit aktuellen Beispielen das Drangsalieren der Palästinenser in den besetzten Gebieten durch israelische Soldaten und stellt fest, dass dies verständlicherweise Hass und Rache schüre.
Die Journalistin Pörzgen kritisierte den propagandistischen Charakter des Films und prangert die undifferenzierte Vermischung von Antisemitismus und Antizionismus.
Der Auftritt des Palästinensers mit israelischem Pass Ahmad Mansour war irritierend. Man rechnete damit, dass er die Doku gutheißt. Es geht hier übrigens auch nicht um die Freiheit der Meinungsäußerung. Aber seine Herangehensweise an die Problematik des Antisemitismus ist schwer nachvollziehbar. Der „klassische“ Antisemitismus europäischer Prägung scheint ihn kaum zu interessieren. Vielmehr fokussiert sich dieser sozio-psychologisch offensichtlich entfremdete und stark angepasste Palästinenserr auf den Aspekt des muslimischen Antisemitismus aus dem Migrantenmilieu. Dass Mansour sich an einer Tel Aviver Universität wohlfühlte und in der israelischen Gesellschaft anscheinend gut ankam, ist wohl nicht zu beanstanden. Dass dieser Prozess letztlich dazu geführt hat, sich nicht mehr als Palästinenser zu empfinden und sich gar gegen das Anliegen seiner Landsleute zu stellen, ist höchst bedenklich. Der Höhepunkt seiner umstrittenen These lautet: Die Kritik an der Politik Israels sei im Großen einer antisemitischen Gesinnung geschuldet. Kein Wunder also, dass er diesen Film gut, ja einzigartig findet.“
Aref Hajjaj nahm am 11. Juli an einer Podiumsdiskussion zum Thema: Frieden im Nahost- Utopie oder reelle Chance?
„Siedlungsbau, Selbstmordanschläge, Süßwasservorräte – dicke Stolpersteine liegen auf dem beschwerlichen Weg zu einem Frieden im Nahen Osten. Seit vielen Jahrzehnten streiten sich Israel und die Palästinenser um eine zukunftsträchtige Aufteilung des historischen Palästinas.
Gibt es noch greifbare Chancen für eine Lösung und wie kann sie aussehen? Darüber und über weitere Facetten des Nahostkonflikts diskutierten unsere Experten.“
Veranstalter war die Friedrich-Naumann-Stiftung. Tagungsort: Deutsche Welle Bonn
Der Bremer Islam- und Orientwissenschaftler Prof. Alexander Flores schrieb im Bonner General-Anzeiger am 15./16. Juli folgende Rezension über das Buch von Aref Hajjaj:
„Es gibt inzwischen viele Bücher über den Palästinakonflikt, die ihn unter den verschiedensten Aspekten mehr oder weniger kompetent behandeln. Da erscheint es schwierig, zu diesem Komplex noch etwas Neues zu sagen oder einen neuen Blickwinkel in seine Behandlung hineinzubringen. Und doch ist es möglich, das zeigt ganz entschieden das neue Buch vom Politologen, Historiker und Journalisten Aref Hajjaj. Es stellt den Konflikt in den größeren Zusammenhang der Beziehungsgeschichte Europas mit der nahöstlichen Region seit dem 19. Jahrhundert. Dass der Konflikt aus dem Versuch der Zionisten erwuchs, in Palästina, also mitten im arabisch bevölkerten Nahen Osten, einen jüdischen Staat zu errichten, und dass der Zionismus ein Produkt ausschließlich europäischer Entwicklungen war, ist bekannt und wird oft betont. Hajjaj nimmt aber darüber hinaus auch den regionalen Rahmen in den Blick, der die arabische Reaktion auf den Zionismus weitgehend prägte. Und auch der ist ohne den europäischen Einfluss nicht zu denken.
Europa brachte durch sein Eindringen und seine imperiale Politik in der Region deren Bewohner gegen sich auf, die sich aber in der Gegenwehr gegen diese Politik auch von europäischen Einflüssen inspirieren ließen, unter anderem vom Nationalismus, einem für die Region neuen Konzept. Hajjaj zeichnet nach, wie sich im Nahen Osten verschiedene Spielarten des Nationalismus herausbildeten und wie sie sich auf die Wahrnehmung des Konflikts auswirkten. Dabei unterscheidet er – ganz richtig, glaube ich – drei große Strömungen: den zuerst von Jamaleddin al-Afghani formulierten „Panislamismus“, durchaus auch eine protonationalistische oder antiimperialistische Ideologie, welche die islamische Zugehörigkeit betonte und dann auch andere islamische Bewegungen wie die Islamisten inspirierte, den ägyptischen Nationalismus verschiedener Prägung, und schließlich den arabischen Nationalismus, der die gesamte arabische Welt als Bezugsrahmen nimmt und der dann in der Phase der Entkolonialisierung mit der Baath-Partei und dem Nasserismus seinen Höhepunkt fand. Dabei ist es interessant, dass dieser Nationalismus in dem kultur- und sprachbetonten deutschen Nationalismus des frühen 19. Jahrhunderts seine Hauptinspirationsquelle fand, besonders deutlich nachzuweisen im Werk von Sati‘ al-Husari, dem Hauptideologen des arabischen Nationalismus. Hajjaj erklärt das überzeugend mit der Ähnlichkeit der jeweiligen Situation: Entwicklungsrückstand und territoriale Zersplitterung.
Die eigentliche Geschichte des Palästinakonflikts wird hier verhältnismäßig kurz abgehandelt. Hajjaj versichert zweimal, Theodor Herzl, der Begründer des politischen Zionismus und große Propagandist des Judenstaats, habe sich von dieser Idee abgewandt und sich „für das Modell eines religiös-geistlichen Zentrums des Judentums“ (S. 96) entschieden. Das ist eine neue Erkenntnis, die allem zuwiderläuft, was man bisher über Herzl zu wissen glaubte. Da hätte man doch gern einen Beleg gesehen.
Hajjajs Behandlung des Konflikts läuft darauf hinaus, dass er heillos festgefahren ist, dass der 1991 eingeleitete Friedensprozess und damit die Zwei-Staaten-Lösung gescheitert ist und dass man sich nach alternativen Lösungen umschauen muss. In diesem Rahmen plädiert Hajjaj – vorsichtig – „für ein gemeinsames, binationales Gemeinwesen Israel-Palästina“ (S. 138). Er sieht freilich auch, dass dies unmöglich ist, wenn sich die Betroffenen nicht von ihren jeweiligen Nationalismen – Zionismus hier, arabischer Nationalismus oder politischer Islam da – verabschieden. Ein Fernziel also – aber was ist gegen die Formulierung von Fernzielen zu sagen, wenn sie auf einer stimmigen Analyse der Geschichte und der heutigen Realität beruht?
Hajjaj schrieb anlässlich des TV-Duells zwischen Merkel und Schulz am 5. September:
„Der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz erläuterte im Fernseh-Duell mit Bundeskanzlerin Merkel am 3. September, dass man „palästinensische Antisemiten“ in klaren Sätzen sagen müsse: „In diesem Land hast du nur dann einen Platz, wenn du akzeptierst, dass Deutschland ein Land ist, das Israel schützt, dass das unsere Staatsräson ist“.
Es ist ein Armutszeugnis, den gesamten und äußerst komplexen palästinensisch-israelischen Konflikt auf diesen mageren und schlecht recherchierten Satz zu reduzieren. Selbstverständlich sind Judenhass und jegliche Form von Rassismus zu verurteilen. Dennoch: Herr Schultz hätte hinterfragen müssen, ob die von einigen muslimischen Jugendlichen unternommenen verbalen Angriffe gegen Juden in Deutschland und anderswo, die also ohne hin und aber zu verurteilen sind, sich doch nicht in erster Linie gegen die Politik Israels im besetzten Palästina richten.
Zur Erinnerung: Martin Schulz fand anlässlich seiner Rede in der Knesset im Februar 2014 als Präsident des Europa-Parlaments deutliche Worte gegen die israelische Besatzungspolitik. Er monierte den Umstand, dass es den Palästinensern weniger Wasser zur Verfügung als Israelis stehe. Er sagte ferner, ein palästinensischer Jugendlicher habe ihn gefragt, warum ein Israeli täglich viermal mehr Wasser verbrauchen könne als ein Palästinenser. Das hätte Schulz im Duell zusätzlich erwähnen sollen.“
Anlässlich der Festnahme des palästinensischen Aktivisten Issa Amro im September schrieb Hajjaj:
„Für die Arbeit gerader deutscher und internationaler Palästina-Aktivisten ist dieser beschämende Vorfall nicht gerade motivierend.“
Am 9. Oktober schickte das Forum an Interessierte den Medico-Bericht über die Lage im Gazastreifen mit der Bemerkung „ … Es geht hier um die Lage der Menschen in Gaza (zum Teil auch in der Westbank)angesichts der diesmal (hoffentlich) ernstgemeinten Aussöhnungsbemühungen zwischen Hamas und Fatah. Die Palästinenser müssen jetzt endlich die Gelegenheit erhalten, durch Parlaments- und Präsidentenwahlen ihre Vertretung neu zu bestimmen. Schließlich verfügen beide Gruppen, Fatah wie Hamas, seit 2010 über keine Legitimität“.
Hajjaj las am 27. September in Osnabrück aus seinem jüngsten Buch. Veranstalter waren die VHS und die DPG. Es war eine gut besuchte Veranstaltung mit lebhafter Diskussion. Zuvor, am Wahltag in Deutschland (24.9.), analysierte er u.a. die möglichen Auswirkungen des Wahlergebnisses auf die Nahostpolitik der künftigen deutschen Regierung.
Am 3. Oktober referierte Hajjaj in Wien auf Einladung der Palästinensischen Gemeinden Österreichs über die aktuelle Lage um Palästina/ Israel.
Hajjaj kommentierte eine Erklärung des AA zum Bau einer neuen Siedlung in Ost-Jerusalem wie folgt:
„Was die Sprecherin des AA zum Siedlungsbau sagt, ist aus meiner Sicht nicht zu beanstanden. Sie bekräftigt erstens, dass das Siedlungsprojekt im besetzten Palästina völkerrechtswidrig sei und dass zweitens jedwede territoriale Veränderung der bis zum Ausbruch des Junikrieges 1967 geltenden Rechtslage nur mit Zustimmung der Verhandlungsparteien, also ausdrücklich auch der palästinensischen Seite, anerkannt werden könne. Drittens stellt das AA richtig fest, dass Israels Siedlungsbau die Schaffung eines [echten]palästinensischen Staates [nachhaltig]behindere.
Kritik sollte man aus meiner Sicht vielmehr an der Tatsache richten, dass derartige (richtige) Absichtserklärungen seitens Deutschlands und anderer westlicher Staaten von keinen robusten und konsequenten Maßnahmen (und sogar Sanktionen) begleitet werden, die dazu in der Lage wären, der desaströsen Lage um Palästina ein Ende zu bereiten. Der von mir hochgeschätzte ehemaliger Staatsminister im AA, Helmut Schäfer, beklagte häufig mir gegenüber diesen latenten Widerspruch in der deutschen Nahostpolitik zwischen den verbalen Bekundungen und den Handlungsdefiziten. Hier muss unsere substantielle Kritik ansetzen.“
Aus gegebenem Anlass sandte Hajjaj folgende Stellungnahme an Mitglieder und Freunde des Forums:
“Der gestrige Auftritt des noch amtierenden libanesischen Premiers, Saad Al-Hariri, von Saudi-Arabien aus war bizarr und vermittelte einen verstörenden Eindruck über die eskalierende Lage im arabischen Raum. Der Premier wirkte unkonzentriert und inhaltlich wie rhetorisch verunsichert. Seine Äußerungen stützten zwar die These nicht, dass er von den saudischen Behörden festgesetzt sei. Dass er jedoch zwischen seiner nationalen Loyalität dem Libanon gegenüber und seinen massiven privatwirtschaftlichen Interessen in Saudi-Arabien hadert, war unverkennbar. Darin lag die Hauptschwäche seines Auftritts. Mindestens 10 mal verwendete er im Interview den arabischen Begriff النأي بالنفس (An-Nai´ binnafs), was in etwa „sich aus [innerarabischen] Konflikten heraushalten, bedeutet. Daran hielt er sich im Interview allerdings nicht. Denn für ihn sind einzig Iran und Hisbollah die „bösen“, wohingegen Saudi-Arabien und die Emirate die „guten“ Akteure in der Region. Sicherlich haben Iran und Hisbollah sich in Syrien, im Libanon und im Jemen nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Aber sind die saudischen Alliierten von Hariri etwa im Jemen und in Syrien besser? Wer sonst, wenn nicht maßgeblich Riad exportierte den dschihadistisch-wahabbitischen Terror nach Syrien und in den Libanon, wer sonst lässt die Zivilbevölkerung im Jemen verhungern und zerstört dort die kulturellen und infrastrukturellen Ressourcen? Für den libanesischen Premier, das betonte er gestern ausdrücklich, ist Saudi-Arabien sogar ein auf Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung basierendes Land, das er sogar als Vorbild für den Libanon empfiehlt!
Die maßgeblichen Regionalmächte im arabischen Raum, allen voran Saudi-Arabien, Ägypten und die Emirate, sehen heute in Iran das einzig relevante Feindbild. Sie schmieden sogar, direkt oder indirekt, Allianzen mit Israel, dessen Hauptfeind ebenfalls Iran ist. Das führte und führt weiterhin zur Marginalisierung der Palästinafrage. Wohlgemerkt: Diese arabischen Mächte sehen in Israel keine Gefahr mehr für sich und die gesamte Region. Dies obwohl sich an der repressiven Politik dieses Staates gegenüber den Palästinensern nichts geändert hat: Der exzessive Siedlungsbau geht unbegrenzt weiter, der „Transfer“ der Palästinenser aus der Westbank steht weiterhin auf der Agenda und nichts spricht dafür, dass die politische Klasse in Israel bereit wäre, das Selbstbestimmungsrecht der unter Dauerbesetzung lebenden Palästinenser auch nur im Ansatz zu akzeptieren, geschweige denn zu implementieren. Es bleibt nun zu hoffen, dass der laufende Aussöhnungsprozess zwischen PLO/Fatah und Hamas sich nicht schon wieder auf Lippenbekenntnisse und Absichtserklärungen beschränken wird. Dieser Prozess allein kann den Palästina-Konflikt zwar nicht lösen. Er wäre allerdings für den Fall eines erfolgreichen Abschlusses zumindest geeignet, die Palästinenser als ernstzunehmende Akteure in den Fokus regionaler und internationaler Mächte wieder zu rücken.“
Am 20.11. schrieb Hajjaj zur angekündigten Schließung der palästinensischen Mission in Washington:
„Spiegel Online berichtet in der aktuellen Ausgabe über die angekündigte
Schließung der diplomatischen Vertretung der PLO in Washington. Die PLO droht nun damit, so der Spiegel, alle Gespräche mit der US-Regierung zu stoppen.
Maßgeblicher Grund für diese nicht gerade zukunftweisende, um nicht zu sagen völlig kontraproduktive Entscheidung der Trump-Administration ist die wohl nachvollziehbare Ankündigung der palästinensischen Regierung in Ramallah, Israel wegen seiner völkerrechtswidrigen Siedlungspolitik vor den Internationalen Strafgerichtshof zu bringen. „
Im November schrieb Hajjaj an Mitglieder und Förderer:
„Spiegel Online berichtet in der aktuellen Ausgabe über die angekündigte
Schließung der diplomatischen Vertretung der PLO in Washington. Die PLO droht nun damit, so der Spiegel, alle Gespräche mit der US-Regierung zu stoppen.
Maßgeblicher Grund für diese nicht gerade zukunftweisende, um nicht zu sagen völlig kontraproduktive Entscheidung der Trump-Administration ist die wohl nachvollziehbare Ankündigung der palästinensischen Regierung in Ramallah, Israel wegen seiner völkerrechtswidrigen Siedlungspolitik vor den Internationalen Strafgerichtshof zu bringen. „
Anlässlich der Jerusalem-Ausstellung des Jüdischen Museums in Berlin erschien ein Buch, in dem Hajjaj einen Aufsatz über die Stadt und die Nationsbildung der Palästinenser schrieb. Hier ein Ausschnitt:
„Jerusalem (arabisch: Al-Quds bzw. Beit al-Maqdis) wird zwar im Koran nicht expressis verbis erwähnt. Dennoch gilt die Stadt gemäß der islamischen Überlieferung als die drittheiligste Stätte des Islam nach Mekka und Medina, da sie die Al-Aksa-Moschee und den Felsendom beherbergt. Nach der Koran-Sure 17:1 soll der Prophet Muhammad zudem vom heiligen Schrein in Mekka zur namentlich nicht erwähnten Stadt Jerusalem geritten sein. Die Bedeutung Jerusalems für die palästinensischen Christen*innen bedarf keiner weiteren Erläuterung. Seit der Einnahme Jerusalems durch den Kalifen Omar im Jahr 638 bis zum Beginn der britischen Mandatszeit 1917 blieb es vorwiegend muslimisch-arabisch.1 Jerusalem nimmt im palästinensischen Bewusstsein traditionell einen wichtigen Platz im politischen Denken ein.
„Jerusalem hat für Palästinenser*innen nicht nur, wie anfangs erwähnt, in religiöser und historischer Sicht eine enorme Bedeutung: Diese Bedeutung erstreckt sich für sie auch auf die nationale und kul-turelle Ebene. In anderen Worten steht die Stadt im Mittelpunkt des palästinen sischen Nationaldenkens. Sie ist für Palästinenser*innen die Hauptstadt ihres Landes, dem es bisher aus regionalen und internationalen Konstellationen nicht geglückt ist, sich zu einem unabhängigen und souveränen Staat zu entwickeln.
Dass – neben der politischen bzw. nationalen Dimension – diese »heilige« Stadt im Bewusstsein der Bevölkerung deutlich präsenter, glorifizierter, ja mythischer als andere, ebenfalls verherrlichte, ehemals palästinensische Städte wie Jaffa, Haifa oder Akko (arabisch Akka) ist, zeigt sich in der zeitgenössischen palästinensischen Kunst, insbesondere in Gesang, Prosa und Poesie. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Verlust des westlichen Teils der Stadt infolge des Krieges von 1948 be-sonders schwer wog. Nicht minder schmerzlich traf die Besetzung des östlichen Teils von Jerusalem im Junikrieg 1967 und erst recht dessen spätere Annektierung 1980.
Formal wird von palästinensischer Seite die Forderung nach einem unabhängigen Staat in der Westbank und im Gazastreifen mit Ost-Jerusalem als dessen Hauptstadt unisono aufrechterhalten. Für die Befürworter*innen eines binationalen jüdisch-palästinensischen Staates ist die damit einhergehende Proklamierung Gesamt-Jerusalems als Hauptstadt dieses föderativ oder konföderativ zu gestaltenden Staatswesens nicht minder konsensual. Dieses heute wohl noch visionär anmutende Konzept bietet beiden Konfliktparteien mittel- bzw. langfristig die Chance für eine Kompromissformel, mit deren Hilfe endlich eine robuste und nach-haltige Beilegung des bald hundertjährigen Konflikts erfolgen könnte.
Konstruktive und ebenfalls in eine friedliche Zukunft weisende Alternativen zu diesem Konzept aus dem Reich der »Realpolitik« sind nicht erkennbar. Man sollte im Falle Jerusalems die zwischen den drei monotheistischen Religionen be-stehenden Schnittmengen endlich stärker betonen, als wie bisher die sicherlich
bestehenden spalterischen Wirkkräfte immer wieder in den Vordergrund zu stellen. Die Lösung der Palästina-Frage sollte nicht rückwärtsgewandt im Sinne eines »Nationalstaates« angepeilt werden, der womöglich weder lebensfähig noch robust rechtstaatlich-demokratisch wäre. Vielmehr bietet die Gründung eines gemeinsamen demokratischen Staates die Chance, diesen Teil der Welt und darüber hinaus den gesamten Nahen Osten zu befrieden. Dadurch hätten beide betroffenen Völker nicht nur eine nachhaltige Sicherheit, sondern auch qualitativ eine bessere soziale und wirtschaftliche Perspektive.“
2016
PALÄSTINA-FORUM e.V.
منبر فلسطين
C/o Dr. Aref Hajjaj (Vorsitzender)
Auf dem Essig 8, D 53127 Bonn
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Vorsitzender des Beirats Dr. Christoph Zöpel (Staatsminister a.D.)
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Bonn, den 15. Januar 2017
Veranstaltungskalender 2016
Hajjaj berichtete Vorstand und Mitgliederversammlung ausführlich über seine Vorträge, Podiumsdiskussionen, Buch- und Zeitungsveröffentlichungen zu den Themen Nahostkonflikt und Palästina-Forum. (Darüber s. bitte unten).
Am 6. Januar schickte das Forum folgendes Schreiben an die Mitglieder- Thema: Palästinensische Behörde (PA) und Israels Politik „Palästina und die Krokodilstränen des Herrn Netanjahu“:
„Der israelische Premier Netanjahu glaubt, das Vergießen von Krokodilstränen meisterhaft zu beherrscht. Diesmal scheint er laut Haaretz, über die mögliche Gefahr einer Auflösung der Palästinensischen Behörde (PA) tief besorgt zu sein. Diese Option liegt tatsächlich auf der Tagesordnung und hat vor allem zwei Hintergründe:
1) das völlige Scheitern des Osloer Vertragswerks und
2) die verhängnisvolle Annahme von Teilen der palästinensischen Führung (gemeint die PLO), dass einzig die USA die Rolle des „ehrlichen Maklers“ im palästinensisch-israelischen Konflikt spielen könnten.
Das Scheitern von Oslo ist offenkundig, denn dadurch sollte das Selbstbestimmungsrecht des palästinensischen Volkes in Form der Gründung eines selbständigen Staates Palästina in der Westbank und im Gazastreifen verwirklicht werden. Faktisch ist allerdings: Die Zweistaaten-Lösung ist angesichts von 500.000 jüdischen Siedlungen eine Fata Morgano geworden. Ferner erweist sich das Festhalten der palästinensischen Führung an den USA als naives Wunschdenken. Die anderen Global Player sind entweder nicht willig oder nicht im Stande, diese Vermittlerrolle zu übernehmen.
Die Auflösung der PA ist also durchaus eine Option, sogar eine wünschenswerte. Und zwar nicht etwa, weil Präsident Abbas „amtsmüde“ geworden wäre und mit dem Rücktritt seit langem kokettiert. Er besitzt, genauso wenig wie die Hamas-Führer, ohnehin gar keine politische Legitimität. Beide Fraktionen hätten schon 2010 den Weg für neue Parlaments- und Präsidentenwahlen frei machen müssen. Sie entschieden sich jedoch lieber dafür, weiter untereinander zu streiten, um an der Macht zu bleiben. Selbst wenn es zu einer definitiven Einigung gekommen wäre, würde das zwar an der israelischen Politik der Friedensverweigerung nichts ändern. Dennoch ist es beschämend, dass diese Einigung immer noch nicht zustande gekommen ist.
Nun zu Israel. Netanjahu und sein aus dem Siedlerblock, ultraorthodoxen Fundamentalisten und sonstigen Radikalzionisten zusammengesetzte Kabinett profitieren erstens von der Spaltung der palästinensischen Führung. Zweitens haben sie die PA schon immer als nützlichen Idioten missbraucht, die vor allem dazu da sein sollte, mit Israel in „Sicherheits- und Geheimdienstfragen“ eng zusammenzuarbeiten. Abbas und seine Führungsriege glauben jetzt aber angesichts leerer Versprechungen, des anhaltenden Schikanierens der Palästinenser und der sich ankündigenden Dritten Intifada diese Form der Zusammenarbeit aufkündigen zu müssen. Eines ist sicher: Die anderen, durchaus lebenswichtigen Ressorts der Regierung von Ramallah wie Gesundheit, Bildung oder Infrastruktur sind für die Israelis ohnehin völlig belanglos.
Es ist nicht sicher, ob bzw. wann die Auflösung tatsächlich kommt. Aber die israelische Führung warnt die Palästinenser jetzt schon davor, dass die arabischen „Verbündeten“ Israels inzwischen eine ganz andere Priorität hätten, als sich um die Belange der Palästinenser zu kümmern. Diese Behauptung, vielmehr Drohung, sollte ernst genommen und nicht einfach als billige Propaganda abgetan werden. Tatsächlich lässt der aktuelle Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran, bei dem beide Akteure Unbesonnenheit und Torheit an den Tag legten, Israel und einige arabische Staaten am Golf und am Nil noch näher zusammenrücken. Dennoch muss Israel wissen, dass die aus der Sicht der Palästinenser äußerst ungünstige aktuelle Lage eine Eskalation der Dritten Intifada beschleunigen wird. Und da könnten weder die USA noch die arabischen Verbündeten Israels ihm unter die Arme greifen. Übrigens: Die Auflösung der PA schmälert keinesfalls die Bemühungen um weitere Aufwertung eines palästinensischen Staates. Denn eine, zumal nicht demokratisch legitimierte Verwaltung ist mit einem „Staat“ nicht a priori identisch.“
Kostprobe aus einem Spiegel/Interview mit der amtierenden israelischen Justizministerin Ayelet Shaked (Heft 5 /30.1.2016, S. 104 f. ): „Die Karriere von Shaked, 39, ist erstaunlich: Sie studierte Informatik, arbeitete im Büro von Premier Benjamin Netanyahu, überwarf sich vor acht Jahren mit ihm – und sitzt nun seit Mai 2015 als Justizministerin in seinem Kabinett. Geschafft hat sie das, indem sie zusammen mit Naftali Bennett die nationalreligiöse Partei „Jüdisches Heim“ übernommen und zur heute drittstärksten Partei Israels gemacht hat, gewählt von jungen Tel Avivern wie von radikalen Siedlern. Dass die Partei diesen Balanceakt schafft, liegt auch an Shaked: schlau, säkular und radikal, nie um einen scharfen, von manchen gar als rassistisch kritisierten Kommentar verlegen. So hat sie etwa auf Facebook einen Artikel gepostet, in dem alle Palästinenser als „Feinde“, die man töten müsse, und ihre Kinder als „kleine Schlangen“ beschimpft werden. Sie ist inzwischen eine der am meisten bewunderten und gehassten politischen Figuren. „
Vortrag/Hajjaj:
Einladungsschreiben:
„Sehr geehrte Herren des AHSC zu Bonn ! Meckenheim, am 13. Januar 2016
Mit einem herzlichen Gruß zuvor wünscht Ihnen der Vorstand, daß das soeben begonnene Jahr 2016 ein glückliches für Sie werden soll; mit vor allem stabiler Gesundheit, Erfolg bei
allem, was Sie unternehmen und hin und wieder ein paar angenehmen Momenten mit dem AHSC zu Bonn.
Zur ersten gemeinsamen Veranstaltung wollen wir uns wie in jedem Jahr wieder am Ascher-mittwoch zusammenfinden, Fisch oder etwas anderes essen, uns gut unterhalten und einem Vortrag lauschen.
Das Aschermittwochs-Fischessen des AHSC zu Bonn soll auch in diesem Jahr wieder im Restaurant desTennisclubs Schwarz-Weiß in Ippendorf stattfinden, d. h.
am 10.Februar, ab 19:00 h, im Restaurant Greenfield-Lounge, Saalestraße 30.
Der Vortrag wird in diesem Jahr ein politischer sein. Dr. Aref Hajjaj behandelt das verzwickte Verhältnis Palästinas und Israels und stellt seinen Vortrag unter die These: Abschied von Zionismus und arabischem Nationalismus ist die Lösung.“
Vom 2.-9. März hielt sich Aref Hajjaj in Palästina/Israel auf, wo er sich als Vors. des Forums u.a. in Tel Aviv, Jaffa, Nazareth, Tabaria, Jerusalem und Betlehem aufhielt und Kontakte sowohl mit Palästinensern als auch mit israelischen Juden aufnahm. Am 8. März sandte er an Mitglieder und Palästina-Interessierte folgenden Kurzbericht:
„Gegenwärtig halte ich mich in Jaffa privat auf. Am heutigen Tag haben sich mehrere Messerattacken ereignet- in Jerusalem, Jaffa und in Tel Aviv. In Jaffa ist es im Zentrum passiert, genauer in unmittelbarer Nähe des alten Hafens. Dort habe ich mich zwei Stunden aufgehalten, kaum 30 Minuten, bevor der oder die Täter ihre sinnlose Tat verübten. Dass unter den Opfern dieser Aktionen 2 Palästinenser sich befinden, spricht für die These, dass derartige Handlungen plan- und kopflos sind und ohne jegliches strategisches Denken vonstatten gehen. Sie sind menschenverachtend und schaden den Palästinensern in vielfacher Hinsicht mehr als den israelischen Juden selbst.
Tatsache ist allerdings auch, dass die rechtslastige Netanjahu-Regierung mit ihrer Politik des nachhaltigen Drangsalierens der Palästinenser und des Torpedierens jeglicher Friedenschancen auf der Basis einer gerechten und umfassenden Ordnung für solche sinnlosen Verzweiflungsaktionen einen erheblichen Teil an Verantwortung trägt.
Herr Netanjahu wird nicht müde, die Palästinenser weiterhin zu stigmatisieren und sie gebetsmühlenartig als Terroristen zu diffamieren. In Wirklichkeit gelingt es ihm, durch seine Politik der brutalsten Misshandlung der Palästinenser und der Kolonisierung dessen, was aus der Westbank übrig geblieben
ist, die Gewaltbereitschaft unter ihnen zu befeuerten. Er rühmt sich, seinen Besuchstermin bei Obama abrupt abgesagt zu haben und spielt in der Hoffnung auf Zeit, dass sein Verbündeter im Geiste namens Trump der nächste US-Präsident heißen würde.Wäre er friedenswillg, hätten nicht nur die Palästinenser, sondern auch die Israelis selbst 17. März hielt eine bessere, eine friedfertigere Lebensperspektive.
Zusammengefasst: die Gewalttaten solcher Einzeltäter sind eindeutig zu verurteilen. Viel schlimmer noch ist jedoch die Politik der verbrannten Erde Israels, denn sie schafft die Basis dafür, dass aufgewühlte und völlig verzweifelte junge Menschen zu solchen fatalen Aktionen überhaupt fähig gemacht werden.“
Weitere Eindrücke von seiner Reise :
„Mein einwöchiger Aufenthalt in Palästina/ Israel in diesem Monat bestätigte den langgehegten Verdacht, dass in Israel die Apartheid das Alltagsleben der Palästinenser (ob im Kerngebiet Israels oder in den besetzten Gebieten) bestimmt. Das habe ich in vielen Gesprächen mit Palästinensern in Jaffa, Nazareth, Haifa und Akka (Akko), aber auch in Betlehem und im annektierten Ost-Jerusalem erfahren. Auch in den wenigen arabisch-sprachigen Zeitungen Israels las ich ausführliche Berichte über die vorsätzliche Benachteiligung von arabischen Kommunen z.B. in Lod und Ramle, Jaffa und Akko. Dort sind staatliche Investitionen etwa in Straßennetz, Kommunikation und Strom- und Wasserversorgung erheblich geringer als in benachbarten jüdischen Gemeinden. Besonders eklatant ist die Lage im annektierten Ostteil von Jerusalem, zu dem auch das ebenfalls annektierte Städtchen Silwan gehört. Immerhin besetzt Israel dieses Gebiet und erklärt es zu einem Bestandteil seines Territoriums seit bald 50 Jahren. Dennoch vermittelt der enorme Entwicklungsunterschied zwischen dem Ostteil und dem Westen Jerusalems den Eindruck, in zwei völlig unterschiedlichen Welten zu sein. Oberflächliche Beobachter leiten daraus den voreiligen Schluss, die Israelis seien „sauberer“ als die Palästinenser. Tatsache ist aber, dass selbst die Müllabfuhr, Straßenreinigung, Beseitigung von Straßenschäden und Pflege von öffentlichen Plätzen sich primär daran orientiert, ob dort Juden oder „nur“ Palästinenser wohnen. Viele jüdische Aktivisten wie Amira Hass haben diese Missstände längst beklagt. Geändert hat sich daran so gut wie gar nichts.“
Am 17. März hielt Hajjaj vor der SPE-Akademie in Bonn einen Vortrag über seine Reise nach Palästina/Israel und über die Lage dort und in der gesamten Region.
Zu Ostern sandte Hajjaj folgende Stellungnahme über den IS-Terror und die Palästinafrage:
„Selten habe ich eine ähnlich aufschlussreiche und gut recherchierte Analyse über die (europäische) Anhängerschaft des Terrornetzwerks „Islamischer Staat“ gelesen (die schlechte Qualität des eingescannten Textes bitte ich zu entschuldigen).
Der Islamforscher am European University Institute (EUI) in Florenz, Oliver Roy, wurde in der Osterausgabe der FAZ unter dem Titel „Islamische Radikalisierung ist keine Folge gescheiterter Integration“ interviewt.
Seine Kernaussagen sind:
Hinter dem Tatendrang der in Europa wirkenden Dschihadisten steht nicht der Islam, sondern der Hang zum Nihilismus. Dieser ist daraus entstanden, dass die Elterngeneration aus dem Migrantenmilieu ihre Kinder nicht im Sinne der strengen Islam-Lehre erzogen haben. Die Kindergeneration will ihren Eltern nachträglich beweisen, dass sie die „besseren“ Muslime sind. Wohlgemerkt ohne im Besitz profunder Kenntnisse des Islam.
Bei den jugendlichen Konvertiten handelt es sich häufig um ehemals arbeitslose, verzweifelte Kleinkriminelle, die , wenn überhaupt, nur rudimentäre Islam-Kenntnisse besitzen, in dieser Region seltsamerweise das Heil suchen und dort die Lösung ihrer sozialen und gesellschaftlichen Probleme zu finden glauben. In keiner islamischen Organisation ist der Prozentsatz der Konvertiten so hoch wie beim IS: 25 % ! Es ist also ein Nihilismus des Unwissens und der überdimensionalen Gewaltbereitschaft in einem.
In seinem Vergleich mit der Lage in Palästina irrt sich Roy, wenn er sagt, im Gegensatz zu den Eltern der Dschihadisten in Europa, die die Gewalttaten ihrer Kinder ablehnten, würden palästinensische Eltern die Gewalt ihrer Kinder meist billigen. Angesichts der dramatischen Lage in Palästina handelt es sich bei den Gewalttaten der jungen Menschen nicht um eine willkürliche, also nihilistische Neigung zur Gewaltanwendung. Denn es gibt dort handfeste Gründe, die den Widerstand gegen die israelischen Repression und Dauerbesatzung durchaus rechtfertigen. Und dennoch: Auch im geschundenen Palästina sind die Eltern z.B. der Messer-Angreifer in aller Regel alles andere als begeistert, da sie wissen, dass solche Gewalttaten eher kontraproduktive Wirkung haben und die jugendlichen Täter danach von den israelischen Sicherheitsbehörden systematisch „exekutiert“ werden, was auch Vertreter der UN erst vor kurzem erneut als zynisch und rechtswidrig anprangerten.“
Über eine Veranstaltung am 21. April schrieb Aref Hajjaj an die Mitglieder:
„…ich habe kürzlich in Frankfurt/Main die Gelegenheit gehabt, sowohl mit Freunden als auch Kontrahenten aus dem Kreis der Palästina/Israel-Interessierten über den aktuellen, völlig frustrierenden Stand der Palästina-Frage zu debattieren. Der Diskurs verlief hitzig und man war sich vor allem in einem Punkt einig: nämlich in der pessimistischen Beurteilung eben dieser Lage.
Vertreter der Israel-Lobby lenkten die Diskussion erfolgreich auf die BDS-Thematik ein. Dort geht es bekanntlich um
B für Boycott,
D für Divestment und schließlich
S für Sanctions.
Dann kam von der proisraelischen Seite erwartungsgemäß das Standard-Totschlagargument, dass auch die Nazis zum Boykott jüdischer Menschen und Geschäfte gefordert und durchgesetzt hätten. Dieser Vergleich, argumentierte ich, ist weder stichhaltig noch realitätsbezogen. Er ist vielmehr bösartig und zynisch. Die BDS-Bewegung richtet sich bekanntlich nicht gegen entrechtete und gepeinigte Juden, die von faschistischen Regimes gefangen gehalten und vernichtet werden. Sondern gegen den Unterdrücker-Staat Israel, der die Palästinenser mindestens seit 1967 schikaniert und transferiert, der darüber hinaus alle entsprechenden UN-Resolutionen missachtet, ohne Gefahr zu laufen, sanktioniert zu werden. Die BDS-Bewegung ist die logische Konsequenz aus dieser völlig ungerechten und verfahrenen Lage. „
Unter der Überschrift „Widerstand ja, aber nicht so“ sandte Hajjaj Mitte Juni folgende Pressemitteilung an Interessierte:
„Der Anschlag in Tel Aviv Anfang Juni war die Tat verzweifelter junger Menschen aus den von Israel seit fast 50 Jahren besetzten palästinensischen Gebieten. Mit dieser Ansage möchte ich die Tat hinterfragen, keineswegs rechtfertigen. Im Gegenteil: Diese Aktion ist zu verurteilen, denn sie trifft potentiell unschuldige Zivilisten, womöglich auch Palästinenser mit israelischen Pässen, aber auch israelische Juden, die der Repressionspolitik der extrem rechten Regierung von Netanyahu/Liebermann skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen. In diesen Tagen schrieb mir Christel Neudeck,die Frau des kürzlich verstorbenen großen Philanthropen und Menschenrechtsaktivisten, Rupert Neudeck, dieser würde sich über die wohltuend moderate und differenzierte Reaktion des Bürgermeisters von Tel Aviv freuen. Dem stimme ich zu.
Dieser Anschlag ist, objektiv gesehen, kontraproduktiv aus der Sicht der palästinensischen Sache. Denn die meisten Palästina-Freunde weltweit heißen solche Aktionen nicht gut. Hingegen ist es legitim, wenn der Widerstand sich gegen die Besatzung und die koloniale Besiedlung Palästinas durch die faschistoide Siedlerbewegung richtet. Manche Palästinenser argumentieren, der Widerstand müsse jeden einzelnen israelischen Bürger treffen, da alle israelischen Juden Teil der militärischen Maschinerie des Landes seien. Doch dieses Argument ist weder stichhaltig noch bringt es uns weiter.
Zweifelsohne sind die gewohnt exzessive Rektion der politisch-militärischen Führung Israels auf ähnliche Anschläge, die von ihr begangene „kollektive Bestrafung“ der palästinensischen Zivilbevölkerung und andere, begleitende repressive Maßnahmen eindeutig als völkerrechtswidrig und zynisch zu verurteilen. Denn solche Maßnahmen, die einem aus der neueren Geschichte des Faschismus und Kolonialismus vertraut sind (etwa die „Vergeltungsschläge“ der deutschen Besatzungstruppen während der Nazizeit oder vergleichbare Praktiken Frankreichs und Großbritanniens während der Kolonialzeit) führen keinesfalls zu einer friedlichen Entwicklung, sondern sie stacheln zu mehr Hass und Gewaltbereitschaft an. Israels Politik zeugt hier vom fehlenden Willen der dortigen Eliten, das international verbriefte Recht des palästinensischen Volkes auf Selbstbestimmung auch nur im Ansatz anzuerkennen.
Die jüngsten dramatischen Ereignisse in anderen nahöstlichen Ländern (der US-Krieg gegen den Irak, das Scheitern des „arabischen Frühlings“, der ewige Krieg in Afghanistan und seine regionalen Folgen) führen seit etwa einem Jahrzehnt bedauerlicherweise zu einer deutlichen Marginalisierung der Palästinafrage. Dennoch verliert sie weder ihre Relevanz noch ihr Gefahrenpotential auf regionaler und internationaler Ebene. Daher wäre es endlich an der Zeit, dass die sog. Weltgemeinschaft sich diesem ungelösten Konflikt entschlossen zuwendet, was bedeuten muss, dass sie ungeachtet der herrschenden politischen Korrektheit ihren Druck auf die israelische Führung verstärken und vor Sanktionen nicht mehr länger zurückschrecken sollte.
Die gespaltene Führung der Palästinenser in Ramallah und Gaza muss wiederum ihre kleinkarierten, an Machterhalt orientierten gegenseitigen Flügelkämpfe sofort beenden. Vor allem müssen die beiden Kontrahenten PLO/Fatah und Hamas einsehen, dass sie beide seit 2010 ohne jegliche politische Legitimität weiterregieren und daher unverzüglich Neuwahlen ausrichten sollten. Das Erbhof-Denken führt sonst zu eine noch gefahrenvolleren Stagnation und Eskalation.“
Zum Tod von Rupert Neudeck schrieb Hajjaj am 31. Mai folgende Kurzerklärung:
„Der große Menschenrechtsaktivist und unermüdliche Kämpfer auch und gerade für die gerechte Sache Palästinas, Rupert Neudeck, ist tot. Dadurch verlieren wir einen treuen Freund, einen engagierten und selbstlosen Menschenfreund, dem es immer um Linderung menschlichen Leids und um die Verwirklichung der Gleichheit für alle Menschen unabhängig von Rasse, Geschlecht, Religion und politischer Orientierung ging. Im Gegensatz zu den meisten von uns war er stets bemüht, seine Ideen und Vorstellungen durch operatives Handeln umzusetzen. Dadurch hat er viel erreicht.
Wir fühlen uns auch künftig seiner humanitären Mission zutiefst verpflichtet.“
Zur Rede vom Kölner Kardinal Wölki anlässlich des Todes von Rupert Neudeck schrieb Aref Hajjaj:
„Eminenz,
Ihre am 14. Juni in der St. Apostel-Basilika zu Ehren des verstorbenen Menschenrechtsaktivisten Dr. Rupert Neudeck gehaltene Rede hat mich nicht zuletzt wegen des persönlich-menschlichen Bezugs und des umfassend dargestellten Lebenswerks des Verstorbenen zutiefst beeindruckt.
Als Deutsch-Palästinenser ist mir leider dennoch schmerzlich aufgefallen, dass in Ihrer bemerkenswerten Rede auch der kleinste Hinweis auf das umfangreiche humanitäre Wirken meines Freundes Rupert Neudeck in Bezug auf das Schicksal des geschundenen palästinensischen Volkes fehlte. Dies umso mehr, als ich zumindest in den letzten zwanzig Jahren das Ausmaß des Engagements von Rupert und Christel Neudecks für entrechtete und friedfertige palästinensische Zivilisten hautnah erleben durfte. Es wäre völlig vermessen, von Ihnen eine Stellungnahme zum politischen Kern des palästinensisch-israelischen Konflikts zu erwarten. Vielmehr habe ich vom tiefsten Herzen lediglich gehofft, von Ihnen neben den vielen anderen geschilderten zeitgeschichtlichen und aktuellen Beispielen des humanitären Wirkens dieses großen, aber selbstlosen und bescheidenen Mannes auch den Hinweis auf eben diese Tragödie zu erfahren.“
Das Forum erhielt eine diplomatisch-freundliche Antwort des Kardinals, die jedoch, wie zu erwarten war, keinen einzigen Hinweis auf Palästina enthielt.
Aref Hajjaj hielt vor dem Partnerschaftsverein Köln/Bethlehem in
Köln am 5.9.2016 einen Vortrag über drei Themenbereiche:
- Eindrücke aus seiner Reise nach Palästina/Israel im Frühjahr 2016.
- Beurteilung der Bedeutung der inzwischen verschobenen Kommunalwahlen in Palästina bzw. die Forderung nach allgemeinen Wahlen in der Westbank und im Gazastreifen.
- Beschreibung der Inhalte seines Buches „Land ohne Hoffnung? –Arabischer Nationalismus, politischer Islam und die Zukunft Palästinas“,
(erschien im Oktober 2016 im Schöningh-Verlag).
Aref Hajjaj hielt zuvor in Hannover vor der DPG am 31. August einen Vortrag über die Lage im besetzten Palästina und legte die Thesen dar, die er als Lösungsansätze in seinem Buch beschrieb.
Gedenkfeier für Rupert Neudeck (BN, 19.10.2016)
Rede von Aref Hajjaj
„Liebe Freundinnen und Freunde,
1) nuturgemäß kannte ich Rupert viel früher,
als wir uns persönlich kennenlernten.
Unsere erste Begegnung fand
vor vielen Jahren statt
In Troisdorf
Rupert hielt Vortrag über Lage in Pal.
Danach spürte ich tiefes Bedürfnis,
ihn zu umarmen: Er war
so authentisch, so engagiert.
Wir umarmten uns.
Beginn einer
Freundschaft
einer „Seelenverwandtschaft“
(auch gemeinsame Vorträge)
Dennoch:
Wir sahen uns leider nicht oft genug.
Kein Wunder:
Rupert war ständig auf Achse.
Darin liegt Unterschied zw. ihm und
vielen von uns.
Ja, andere Freunde und ich:
Vorträge, Bücher, Essays, Rundschreiben etc.
Das tat er auch, so nebenbei.
Aber die allermeisten von uns
sind „Zaungäste“ geblieben.
Rupert dagegen: Mann der aktiven Handlung,
des operativen Engagements weltweit.
Wirkungsstätten: zahlreich u. vielfältig.
Trotz immenser Lebensgefahren,
trotz hoffnungsloser Perspektiven.
Dennoch hat er viel erreicht!
2) Bei der Trauerfeier in der
St. Apostel-Kirche zu Köln war ich
angesichts so vieler Trauergäste
überwältigt.
War besonders beeindruckt davon,
dass Hunderte Vietnamesen
ihm in würdiger Stille,
in tiefster Dankbarkeit
das letzte Geleit gaben.
zugleich war ich irritiert,
ja gewissermaßen empört darüber,
dass von arabischer Seite
keine adäquate Anteilnahme
kundgetan wurde- weder
quantitativ noch qualitativ.
Dies obwohl sich Rupert Neudeck
unermüdlich für Palästina einsetzte
Dort und in Israel hielt
er sich häufig auf.
Prangerte den Bau des,
wie er mit Recht sagte, „Monsters Mauer „ an
und beklagte die „neue Apartheid“ Israels.
Er forderte Recht und Gerechtigkeit
für die Palästinenser und
lehnte gerade die militärische
Unterstützung Israels
durch die D massiv ab.
Dabei nahm er
weder auf Anfeindungen
noch auf die sog. politische
Korrektheit bei Politik/Medien Rücksicht.
Christel: ich kann das Wort „Pal.“
nicht mehr hören!
Neben Pal. engagierte
er sich in und für
Syrien, Somalia, Äthiopien
und und und…
3) Mein Briefwechsel mit Kardinal Woelki
In der Predigt alles richtig
Und umfassend gesagt worden.
Nur Palästina
(das Herzstück des Wirkens von Rupert)
fehlte leider gänzlich.
Ich verneige mich in Dankbarkeit
Trauer und tiefster Anerkennung
vor diesem großen, unendlich engagierten
und zugleich
bescheidenen Menschenfreund.“
Anlässlich seines Vortrages in Wien im Oktober erhielt Hajjaj folgendes Dankschreiben von der Pal-Austria-Gesellschaft:
„Lieber Dr. Aref Hajjaj,
herzlichen Dank dafür, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, vor unseren Mitgliedern, Förderern und Freunden einen Vortrag in Wien am 27.10.2016 zu halten. Danke auch dafür, dass Sie Ihre Äußerungen über die Lage der Palästinenser in Europa und den Stand des palästinensisch-israelischen Konflikts nicht nur auf Arabisch, sondern zum Teil auch auf Deutsch gehalten haben. Man mag es eine traurige Tatsache bezeichnen, dass viele unsere Mitglieder, vor allem der jüngeren Generation, ihrer Muttersprache kaum noch mächtig sind.
In der Hoffnung, Sie bald wieder bei uns in Österreich begrüßen zu dürfen, grüße ich und danke ich Ihnen herzlich.
Ihre Muna Duzdar“
3. November 2016“
(Frau Duzdar bekleidet inzwischen den Posten einer Staatssekretärin im österreichischen Kanzleramt.)
Zum Sieg von D. Trump schrieb Hajjaj an Mitglieder und Freunde:
„Hillary Clinton wäre aus der Sicht des Israel-Palästina-Konflikts nicht gerade eine Heilsbringerin. Denn sie müsste erstens mit einem Kongress zusammenarbeiten, für dessen Mehrheit die Wahrung von Israels Interessen höchste Priorität besitzt. Zweitens pflegte sie als Außenministerin zwischen einem vermeintlichen Verständnis für das palästinensische Anliegen und der Rücksichtnahme auf die starke Israel-Lobby hin und her zu lavieren. Letztendlich war für sie Israel immer die wichtigere Trumpfkarte.
Trump ist, wie alle wissen, ein unerfahrener Politiker. Natürlich wird er als amtierender US-Präsident in Nuancen anders handeln müssen, als er während der Wahlkampagne rhetorisch-aggressiv kundzutun pflegte. Dennoch: Aus der Sicht der Palästinenser ist es ein Desaster, dass so ein unberechenbarer, vorurteilsbeladener Mensch dieses wichtigste politische Amt der Welt bald innehaben wird. In seiner intellektuell eher beschränkten Weltsicht gehört Palästina mehrheitlich zu jener muslimisch-arabischen Hemisphäre, der er mehrfach Hass und Ablehnung entgegenbrachte. Dieser Ansatz verspricht keine besonnene Vorgehensweise in Angriff zu nehmen.
Übrigens: Obama meinte es „relativ“ gut und ehrlich mit Palästina. Er versuchte mehrfach, einen neutralen Kurs im Israel-Palästina-Konflikt einzuschlagen. Dass er leider gescheitert ist, wissen wir hinlänglich. Trump wird aus der Sicht der Palästinenser einer der schlimmsten US-Präsidenten werden. Daher ist von der schwachen und geteilten Führung in Ramallah und Gaza endlich Handlungsbedarf an der Tagesordnung. Die dort regierenden Herren besitzen weder eine Strahlraft noch haben sie die geringste politische oder moralische Legitimität, die Gebiete zu regieren. Der Sieg von Trump müsste auf sie wie ein Weckruf wirken, um die überfällige Übertragung der Amtsgeschäfte auf jüngere, weit fähigere Kräfte zu bewerkstelligen. Das heißt konkret, dass sehr bald Parlaments- und Präsidentschaftswahlen stattfinden müssen. „
Am 17. November sandte Hajjaj folgende Stellungnahme über „Die Leugnung der Nakba“:
„Die Georg-August-Universität Göttingen hat mehrmals die Verschiebung der Nakba-Ausstellung veranlasst, die zuletzt im Universitätsgebäude im November hätte gezeigt werden sollen. Unter dem Druck Israel-freundlicher Kreise entschied die Präsidentin der Universität nun, die Ausstellung erneut zu verschieben. Ich habe persönlich an mehreren Nakba-Ausstellungen teilgenommen. Fast immer stand die Eröffnung aus den bereits genannten Gründen auf der Kippe. Dabei ist dieses Ausstellungsprojekt weder antisemitisch noch stellt es die Existenz des Staates Israels in den Grenzen vor dem Ausbruch des Juni-Kriegs 1967 infrage. Es dokumentiert vielmehr den Verlauf der Vertreibung aus Palästina und beschreibt das unermessliche Leid, das dieses Volk heimsuchte.
Vergleiche zwischen zeitgeschichtlich unterschiedlichen Fakten sind müßig, ja kontraproduktiv. Dies gilt auch für den gelegentlich gezogenen Vergleich zwischen dem Holocaust und der Nakba.
Tatsache ist aber auch: Aus der Sicht der vertriebenen Palästinenser stellt die Nakba ihre größte humanitäre und nationale Katastrophe dar. Das Verbot von Ausstellungen über die Nakba zeugt nicht nur von hemmungsloser Einseitigkeit zugunsten rechtslastiger Kreise in Israel. Es impliziert aber auch eine Tendenz, die nicht minder problematisch ist, nämlich die Leugnung der Nakba. Dies ist der Ausdruck einer menschenverachtenden Geschichtsklitterung, die „beweisen“ will, dass es ein palästinensisches Volk weder gibt noch je gegeben hat.“
Zur WSR-Resolution gegen die Siedlungspolitik sandte Hajjaj am 24.12. folgende Mitteilung:
„Dies ist eine gute Bescherung zu Weihnachten 2016: Nach 30-mal Veto-Anwendung in Sachen Siedlungspolitik Israels enthalten sich die USA diesmal der Stimme und sorgen damit für eine Annahme einer Resolution des WSR, in der Israel aufgefordert wird, das völkerrechtswidrige Siedlungsprojekt unverzüglich einzustellen. Netanjahu bezeichnet die neue Resolution und damit die Haltung der Obama-Administration als „schändlich“ und erklärt, Tel Aviv werde sich nicht daran halten und setze vielmehr auf Trump und andere Freunde im Kongress.
In der Begründung erklären die US-Diplomaten, ein weiterer Siedlungsbau erschwere die Realisierung der Zweistaaten-Option. Dies ist mit Verlaub äußerst naiv. Denn die Rettung dieser Option erfordert wohl nicht die Einstellung, sondern zumindest die substantielle Räumung bestehender Siedlungen. Wie sollte sonst ein Staat Palästina dort entstehen können?! Dennoch: aus palästinensischer und internationaler Sicht ist diese überfällige Entscheidung Obamas zu begrüßen. Dass sie jedoch bald von Herrn Trump konterkariert wird, steht ohne Zweifel. „
2015
PALÄSTINA-FORUM e.V.
منبر فلسطين
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Vorsitzender des Beirats Dr. Christoph Zöpel (Staatsminister a.D.)
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IBAN DE95 3705 0198 0035 1023 26, BIC (SWIFT-CODE) COLSDE33
Bonn, den 15.Januar 2016
Veranstaltungskalender 2015
Hajjaj berichtete Vorstand und Mitgliederversammlung ausführlich über seine Vorträge, Podiumsdiskussionen, Buch- und Zeitungsveröffentlichungen zu den Themen Nahostkonflikt und Palästina-Forum. (Darüber s. bitte unten).
Zum Anspruch des Siedlerblocks und anderer zionistischer Kreise auf den sog. Tempelberg und Gesamt-Palästina sandte Aref Hajjaj Anfang Januar folgende Stellungnahme an Mitglieder und Freunde:
1. Colin J. Humphreys weist wie zuvor der von Vertretern der „klassischen Zunft“ in den USA und Israel stark angefeindete libanesische Historiker Kamal Salib nach, dass die Geburtsstätte des Monotheismus, damit auch die Wurzeln der Hebräer nicht in Palästina liegen, sondern auf der arabischen Halbinsel, dh. im heutigen Saudi-Arabien.
2. Die Neuforschung korrigiert das Bild des nicht nur im Alten Testament verklärten , „heldenhaften“ David im Vergleich zur bösen Gestalt des Philisters Goliat. Dort wird außerdem nachgewiesen, dass die Juden nie allein in Palästina gelebt haben, dass sie außerdem in den Abhängen ein relativ karges und kümmerliches Leben führten im Vergleich zu den wohlhabenderen Kanaanitern und den Küstenbewohnern aus dem Stamm der Philister. Außerdem: David, dem zu Ehren die ultrarechten Vertreter der Siedlerideologie den Tempel an Stelle des Felsendoms und der Aksa-Moschee beharrlich errichten möchten, bezeichnen Finkelstein, Salibi und die beiden Alttestamentler Walter Dietrich und Axel Knauf unvorteilhaft als „Banditen und Serienmörder“ bzw. als einen „Vasallen, der die Südostflanke des (eigentlich verfeindeten!) Philisterlandes… abschirmte und dafür Lohn erhielt“..
3. Jerusalem, im Alten Testament zum Zentrum jüdischen Glaubens und Lebens verklärt, wird vom israelischen Forscher Finkelstein etwa zu Lebzeiten Davids als „schlichtes Dorf“ bezeichnet. Trotzdem behauptet die (laut Spiegel) vom jüdisch-orthodoxen Shalem Center finanziell kräftig unterstützte Forscherin Eilat Masar, im arabischen Jerusalem „Davids Palast“ gefunden zu haben. Wissenschaftlich-archäologische Belege fehlen indes völlig. Die Nationalkonservativen behaupten zudem, dass der von ihnen genannte Tempelberg schon immer den Juden allein gehört habe. Ihre Darstellung, jüdische Vorfahren hätten dort ein „glänzendes Gotteshaus“ errichtet, bezeichnet der deutsch-israelische Archäologe Gunnar Lehmann als eine „romantische Vorstellung“.
Politische Schlussfolgerung. Als Nicht-Archäologe bzw. Nicht-Theologe bleibt einem nur noch übrig, einige notwendige politische Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Fatal an der Methode des Geschichtsklitterns ist im konkreten Fall die Tatsache, dass vermeintlich große religiöse Kernelemente für nationalistische Zwecke instrumentalisiert werden, was übrigens nicht nur im Falle des Judentums vorkommt, sondern in allen anderen monotheistischen Religionen und nicht nur dort. Dabei spielen Menschenschicksale gar keine Rolle, etwa wenn infolge theologisch verbrämter Expansionsansprüche Hunderten oder gar Tausenden Palästinensern ihre Dörfer bzw. ihre Häuser oder Felder beraubt werden. Das beabsichtigte, historisch wie theologisch völlig fragwürdige „Disney-Land-artige“ Projekt in dem Städtchen Silwan bei Jerusalem zur Verherrlichung König Davids ist eines von vielen erschreckenden Beispielen dieser Art.
Das Ziel des politisch wie gesellschaftlich übermächtigen Siedlerblocks ist und bleibt, das Historisch-Palästina vom Mittelmeer bis zum Jordan von den Palästinensern zu „säubern“. Dies soll sich, wie Außenminister Avigdor Liebermann immer wieder unverblümt fordert, auch und gerade auf die Palästinenser mit israelischen Pässen erstrecken. Es gibt sicherlich auch extremistische Vorstellungen bei Teilen der Muslime und Palästinenser- mit dem Ziel, die demographischen Strukturen der Bevölkerung auf den Stand vom Jahr 1947 (vor Gründung des Staates Israel also) zurückzuschrauben. Dennoch gibt es einen gewaltigen Unterschied zwischen beiden Strömungen: Die Israelis haben im Gegensatz zu ihren palästinensischen Kontrahenten die Macht und die nötigen Mittel, um solche „Transferpläne“ umzusetzen.
Im antiken Palästina lebten Kanaaniter, Philister und Juden als Nachbarn zusammen. Zwar nicht immer im Frieden, aber auch nicht immer in Krieg und Feindschaft. Warum muss es also nicht möglich sein, dass Juden und Palästinenser gemeinsam in einem föderativen Staat wieder zusammenleben könnten? Visionen klingen sicherlich naiv und kaum umsetzbar, es sei denn, man schafft durch emsige und nachhaltige Anstrengungen die regionalen und internationalen Rahmenbedingungen, die deren Umsetzung möglich machen würden. Die einzige „Alternative“ dafür: Der ewige Konflikt eskaliert immer weiter mit allen zu erwartenden desaströsen Folgen- für beide Seiten.“
Nach dem islamistischen Attentat von Paris am 7. Januar veröffentlichten wir folgendes Statement:
„Wer, wenn nicht die sunnitische Gelehrsamkeit der Al Azhar-Universität, ist theologisch und moralisch gefordert, den Terroranschlag gegen Mitarbeiter der Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris eindeutig und mit sachkundigen Beweismitteln zu verurteilen? Doch der Duktus der Verurteilung durch diese höchste Autorität sunnitischer Glaubensrichtung kam nicht überzeugend genug rüber: Es ist viel zu wenig, diesen Terroranschlag als "kriminellen Akt“ zu bezeichnen, um dann zu konstatieren, dass der Islam“ jede Art von Gewalt“ verurteile. Man spürt bei diesen angepassten Islamgelehrten die Angst vor der eigenen Courage. Es genügt doch nicht, die Attentäter lediglich als Personen zu bezeichnen, die den Prinzipien des Islam zuwiderhandeln. Man muss sie, und übrigens auch die Schergen von IS und Al Qaida, vielmehr als Häretiker und Gotteslästerer brandmarken, sie unbedingt aus der Gemeinschaft der Muslime ausschließen, so wie etwa Papst Franziskus die Mafia-Banditen exkommuniziert hat.
Außerdem: Wird es für diese Gelehrten nicht endlich Zeit, ein umfassendes Reformwerk zur zeitgemäßen Auslegung von Koran und Sunna auf den Weg zu bringen? Theologische Feigheit und politischer Opportunismus haben in letzter Zeit dazu geführt, dass maßgebliche Azhar-Gelehrte das Reformfeld ausgerechnet dem ägyptischen Junta-Chef Sissi überlassen hat. Diesem fehlt jedoch die moralische Integrität und theologische Kompetenz. Ihm geht es letztlich bei seinem kürzlich verkündeten religiösen „Reformpaket“ darum, seine innenpolitischen Feinde aus den Reihen sowohl des säkularen Liberalismus als auch der Muslimbrüder zu diskreditieren.
Die Attentäter von Paris wie übrigens auch die Mehrheit der Muslime weltweit empören sich zutiefst über Mohammad-Karikaturen und andere Formen, die ihre religiösen Gefühle und rituellen Tabus verletzen. Aber muss man zur Waffe greifen, um sich Gehör zu verschaffen bzw. um sich zu „rächen“? In Europa gibt es, anders als in nahezu allen islamisch geprägten Staaten, eine unabhängige Justiz, an die man sich, auch im Falle von laizistischen Staaten wie Frankreich, mit gutem Gewissen wenden könnte. Man fragt sich nun voller Verzweiflung: Quo vadis arabisch-islamische Welt?
Ärgerlicher Nebeneffekt des Terroranschlags von Paris: Pegida und Netanjahu triumphieren gewaltig.“
Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte den obigen Kommentar über den Terror in Paris am 14.01. Der Bonner Generanzeiger tat dies mit Kürzungen am 13.01.
Der Link zum Beitrag von Aref Hajjaj bei einem Talk des US-Senders Al Hurra (arabisch) am 14.01:
https://www.youtube.com/watch?v=tiFh_tmLg58&list=PLshgzDsibyh35BIHSisEB_TEqjxUV_VhQ&index=1
Es ging bei Hajjaj im Wesentlichen um die Forderung nach einer substantiellen Reform der Islam-Exegese. Auch der Terroranschlag in Paris gegen Redakteure von Charlie Hebdo wurde thematisiert.
Dienstreise nach Berlin vom 17.-19. März 215. Hier der Bericht von Aref Hajjaj:
Zweck der Reise. Mit dem Ziel, an einigen Veranstaltungen in Berlin teilzunehmen sowie Kontaktpflege zu tätigen, hielt ich mich vom Dienstag 17.3. Mittags bis Donnerstag 19.3. Abends in Berlin auf.
Programmpunkte:
- Ich habe am 17.3. an einem von der Nahost-Unterabteilung (DG 31) des AA organisierten Workshop über die Lage im Nahen Osten teil, wobei ich in diesem Rahmen ein Kurzreferat zum Thema „Marginalisierung der Palästina-Frage als Folge der Erschütterungen in Syrien und im Irak“ gehalten habe.
- Am Abend des 17.3. führte ich mit dem Nahost-Referenten der Friedrich-Ebert-Stiftung (Fes), Herrn Eickenberg, ein Nachfolgegespräch (Wir trafen uns zuletzt Ende 2014)und lud ihn anschließend zum Essen ein.
- Am 18.3 führte ich weitere Gespräche im AA (Länderreferate 310, 311) sowie mit dem früheren Staatssekretär Jürgen Chrobog, der im zivilgesellschaftlichen Bereich aktiv ist, mit dem Ex-Staatsminister Helmut Schäfer, der in Sachen Palästina-Israel stark engagiert und gegenüber der Politik Israels dezidiert kritisch eingestellt ist und mit den früheren Botschaftern von Maltzahn und Erbel, die beide als Kenner der Nahostmaterie sind.
- Am 19.3. traf ich mich mit der Referentin der BMW Quandt-Stiftung , Frau Veleva, und anschließend mit dem Stiftungspräsidenten, Herrn Dr. Schäfer. Wir erörterten die Möglichkeiten einer logistischen und materiellen Unterstützung der PalF. Dort erfuhr ich aber leider, dass diese Möglichkeiten begrenzt sind. Allerdings ist die Stiftung bereit, uns gelegentlich einen Tagungsraum zur Verfügung zu stellen.
- Am 19.3. nahm ich an einem TV-Talk der Deutschen Welle zum Thema Syrien und Palästina teil.
Zu seinem Buchprojekt über Zionismus und arab. Nationalismus schreibt Aref Hajjaj im Expose´:
„Abschließend ist festzustellen, dass eine umfassende, dauerhafte und gerechte Lösung des Palästina-Israel-Konflikts nur dann möglich sein könnte, wenn die nationalistischen Kräfte auf beiden Seiten (vor allem auf der Seite des stärkeren Kontrahenten, nämlich Israels) die politische Bühne nicht weiterhin dominieren würden. Erst dann bestünde eine reale Möglichkeit, die Vision eines gemeinsamen, demokratischen Staates zu gründen, in dem für beide Seite gleiche Rechte und Pflichten gelten würden. Gegenwärtig ist der Staat Israel ein ethno-demokratischer Staat, in dem die jüdische Mehrheitsgesellschaft gegenüber der palästinensischen Minderheit, welche etwa 22 % der Gesamtbevölkerung ausmacht, deutlich privilegiert behandelt wird. Gegner des demokratischen, binationalen Staates auf zionistischer Seite bedienen sich als Gegenargument des sogenannten demographischen Faktors. Sie blenden dabei wissentlich aus, dass diese Denkweise die Entstehung bzw. Verfestigung eines Apartheidsmusters begünstigt. Denn sollte die palästinensische Minderheit allein im Kerngebiet des Staates Israels -einmal ganz hypothetisch gedacht- gleich groß oder sogar größer werden als der jüdische Bevölkerungsanteil, würde sich die Frage mit Recht stellen, ob sich bei Beibehaltung bestehender rechtlicher und gewohnheitsrechtlicher Benachteiligung der Palästinenser nicht doch Strukturen und Praxis eines Apartheidssystems à la Südafrika von früher verfestigen würden. Die „Weltgemeinschaft“ -in erster Linie die USA, EU und Russland- sollte durch nachhaltiges Einwirken auf Israel und die Palästinenser, um hier das Wort „Druck“ oder gar „Sanktionen“ zu vermeiden, konkrete Maßnahmen ergreifen, um die Vision eines gemeinsamen Staates Wirklichkeit werden zu lassen. Schließlich ist der ungelöste Palästina-Israel-Konflikt mittelbar oder unmittelbar auch für die gegenwärtigen Verwerfungen in Syrien und im Irak mitverantwortlich. Die Zweistaaten-Option ist allein an der exzessiven Siedlungstätigkeit gescheitert.“
Zur kritischen Stimmung in deutschen Regierungskreisen über die israelische Politik gegenüber den Palästinensern schrieb Aref Hajjaj am 4. Mai an die Mitglieder und Freunde (u.a.):
„Ich habe des Öfteren Gelegenheit gehabt, bei Podiumsdiskussionen oder TV- Sendungen mit Rudolf Dreßler über die deutsche Israel-Politik recht kontrovers zu streiten. Dass er jetzt zum scharfen Kritiker israelischer Politik gegenüber den Palästinensern mutiert, muss als klares Warnsignal an die Adresse Netanjahus und seiner Gefolgschaft verstanden werden. Es ist für mich eine späte Genugtuung zu registrieren, dass auch Dreßler Sanktionen gegen Israel nicht mehr als Tabu auffasst. Hoffnungsvoll hinsichtlich einer konstruktiven und wirkungsvollen Änderung der israelischen Politik bin ich dennoch lange nicht, da für die Palästinenser kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist. „
Zum Besuch des israelischen Präsidenten Rivlin anlässlich des 50. Jahrestags der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel schrieb Aref Hajjaj:
„Der zu einem Staatsbesuch in Berlin weilende Präsident Israels, R. Rivlin, beschwerte sich in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung darüber, dass die öffentliche Meinung vor allem in Europa Israel zunehmend als Goliath und die Palästinenser als David wahrnähme. Warum das so ist, hinterfragt er mit keinem einzigen Satz. Im Verlauf seines Gesprächs erteilt er der Zweistaatenlösung mit dem „Argument“ eine klare Absage, diese würde die Existenz Israels massiv gefährden. Dann schlägt er eine Föderation zwischen Israel und Palästinas vor. Doch hier stellt sich eine wichtige analytische Frage: Wie soll angesichts einer Ablehnung der Gründung eines selbständigen palästinensischen Staates eine solche Föderation überhaupt zustande kommen, etwa zwischen Israel und einem Phantom namens Palästina? Höchst merkwürdige Gedankengänge. Und wie ist es mit den jüdischen Siedlungen in Palästina? Herr Rivlin ist nicht nur dafür, sondern auch für deren weiteren Ausbau. Dennoch, so stellt er in seinem Gespräch fest, tritt er für (weitere Gespräche mit Herrn Abbas – sogar auf Arabisch- ein!“
Vortrag von Hajjaj in Wien am 27. Mai 2015. Gemeinsam mit dem österreichischen Europa-Politiker Dr. Hannes Swoboda und der Publizistin Dr. Karin Kneissl sprach Dr. Hajjaj über die Nakba und diskutierte mit dem vorwiegend akademischen Publikum. Die gut besuchte Veranstaltung fand an der Universität von Wien statt.
Vortrag von Hajjaj in Königswinter auf Einladung der DPG/NRW-Süd am 9. Juli 2015. Das Thema lautete: Abschied von Zionismus und arabischem Nationalismus ist der Lösungsansatz.
Der Radiosender SWR 2 (Kultur) führte mit Hajjaj am 9.10. um ca. 8.10 ein Interview über die Ereignisse in Ostjerusalem. Mitglieder und Freunde bekamen den Link dazu gemailt.
Zu Netanjahus Behauptung über eine Verwicklung des Mufti von Jerusalem Amin Al-Hussein in den den Holocaust 22.10.2015 schrieb Aref Hajjaj:
„Zu den jüngsten Erklärungen Netanjahus über den Holocaust und die Rolle der Palästinenser in diesem Kontext lässt sich so viel sagen: Entweder hat er den Verstand verloren oder er übt sich wieder einmal in Geschichtsklitterung- wohl gemerkt „ohne Not“, denn in Israel stehen keine Neuwahlen bevor und er hat die letzten Wahlen ohnehin gewonnen. Nein, die Gründe dafür liegen ganz woanders: Netanjahu und sein rechtslastiges Kabinett haben durch ihren exzessiven Siedlungsbau und das kontinuierliche Drangsalieren des gesamten palästinensischen Volkes die Stimmung angeheizt und so ein Klima der Verbitterung und Gewaltbereitschaft unter einer palästinensischen Jugend geschaffen, die nicht zu verlieren hat, weil sie so gut wie bereits alles verloren hat. Netanjahu befürchtet – mit Recht -, dass eine dritte Intifada bald entstehen könnte.
Und nun zu Netanjahus unglaublich toll kühner These über den Hintergrund des Holocaust. Der frühere Großmufti von Jerusalem, Haj Amin Al-Husseini, gilt im Nachhinein als ein umstrittener Vertreter der palästinensischen Sache. Hilflosigkeit ist die beste Kennzeichnung seines politischen Konzepts. Er setzte nur auf die religiöse Karte. Außerdem fehlte es ihm gänzlich an regionalen Verbündeten, die diesen Namen verdient hätten. Und sein Verhältnis zum NS-Regime? Sicherlich ließ er sich dabei von der eher schlichten Devise herleiten: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“. Er hätte wohl schlecht mit den Kolonialmächten Großbritannien oder Frankreich eine Allianz eingehen können. Die Sowjetunion wäre aus seiner Sicht wegen ihrer antireligiösen Gesinnung als Verbündete nicht infrage gekommen, außerdem bekundete sie anfangs ohnehin große Sympathie für die Gründung eines jüdischen Staates auf palästinensischem Boden. Die arabischen „Verbündeten“ ihrerseits haben ihn eher mit Worten und leeren Versprechungen und nicht mit effizienten Taten unterstützt, denn sie waren selbst hilf- und konzeptlos.
So blieb also Hitler-Deutschland übrig. Aber Husseini hat doch nicht den geringsten Einfluss auf die Außen- oder Sicherheitspolitik der Reichsregierung ausgeübt. Umgekehrt haben ihn die Nationalsozialisten in ihrem Kampf gegen die eigenen Feinde gern instrumentalisiert. Er ließ sich auch ohne Vorbehalte instrumentalisieren. Liest man in den alten Archiven des Auswärtigen Amts die entsprechenden Noten und Briefwechsel aus den 30-er und 40-er Jahren des letzten Jahrhunderts über das Verhältnis des NS-Staates zu Husseini, dann erfährt man kristallklar die Weisung höherer Stellen, man möge den Großmufti freundlich empfangen, ihm gegenüber zugleich eine Hinhaltetaktik an den Tag legen und ihm gar keine „bindenden“ Zusagen machen.
So ein machtloser Mensch soll den Nazis den „Befehl“ erteilt haben, die Juden zu vernichten?! Seltsam und zynisch ist dieser Politiker namens Netanjahu. Das finden viele, sogar in Israel. Dennoch darf er seine Politik der verbrannten (palästinensischen) Erde ungestraft weiterführen. So sieht die Realität aus.“
Kultur und Politik. Herr Günter Freiberger lud Aref Hajjaj zu einem Vortrag. Sein Schreiben:
„Der Konflikt Israel – Palästina bedrückt uns alle. Ein Blick auf beide Seiten verhilft uns zu einem besseren Urteil.
Ganz herzlich lade ich Sie ein zu einer sicher gewagten Initiative, am Mittwoch, 09.12.2015:
16.00 Uhr Besichtigung der Doppelkirche Schwarzrheindorf mit dem Schwerpunkt: Visionen im Alten Testament.
17.00 Uhr Vortrag von Dr. Aref Hajjaj, dem Vorsitzenden des Deutschen Palästina Forums e.V., zu seiner These: „Abschied von Zionismus und arabischem Nationalismus ist die Lösung“
Zum Abschluss Kurzfassung des Buches „Israel-Irrwege“ von Prof. Rolf Verleger.